| Mehr Einstellungen in den Berliner Schuldienst erst ab 2005.
Von Matthias Jähne
Bildungs-Staatssekretär Thomas Härtel teilte auf einer GEW-Info-Veranstaltung "Berufsperspektiven für Lehrkräfte in Berlin" Mitte Juni die neuesten Zahlen über die geplanten Einstellungen in den Berliner Schuldienst mit. Danach wird es zum Schuljahr 2003/2004 lediglich 100 Einstellungen geben, die sich aufteilen in 24 für allgemeinbildende Schulen mit unabweisbarem Fachbedarf, 13 in Sonderschulen, 29 in den staatlichen Europaschulen und 34 Einstellungen in berufsbildenden Schulen. Ohne die Anfang Januar 2003 erfolgte Erhöhung der Pflichtstunden der Berliner LehrerInnen wären zum neuen Schuljahr rund 1.000 Neueinstellungen notwendig gewesen. Insgesamt macht die Regierungskoalition durch die Erhöhung der Pflichtstunden etwa 1.500 Neueinstellungen zunichte.
Obendrein wollte der Senat die LehrerInnen auch noch betrügen. In den Tarifverhandlungen hätte die GEW BERLIN einer Gehaltsabsenkung bis zu 12 Prozent zugestimmt, wenn der Senat die versprochenen zusätzlichen 255 Einstellungen im Schuldienst umgesetzt und sich zu Verhandlungen über die Rücknahme der Pflichtstundenerhöhung bei allen Lehrkräften bereit erklärt hätte. Beide Zusagen wurden gebrochen. Wenn sich jetzt SenatsvertreterInnen hinstellen und erklären, dass neue LehrerInnen eingestellt werden könnten, wenn nur endlich die bösen Gewerkschaften zum Einkommensverzicht bereit seien, dann lügen sie.
Die Prognose der Senatsverwaltung für Bildung "Personalkonzept zur Sicherung des Lehrerbedarfs der Berliner Schulen" ist grundsätzlich weiter gültig. Die dort bezifferten jährlichen Einstellungsnotwendigkeiten müssen aber auch für das Schuljahr 2004/2005 drastisch nach unten korrigiert werden, wenn die Arbeitszeiterhöhung nicht zurück genommen wird. Nach Angaben der Senatsverwaltung sind für 2004/2005 statt 692 nur 300 Neueinstellungen nötig. Ab 2005/ 06 wird der jährliche Einstellungsbedarf wieder entsprechend der Prognose ausfallen - alles unter dem Vorbehalt, dass sich die Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern. Die Prognose weist folgende notwendige Einstellungen aus: Schuljahr 2005/06: 737; 2006/ 07: 903; 2007/08: 854; 2008/09: 1.014; 2009/10 1.112; 2010/11: 1.252; 2011/ 12: 1.378 Einstellungen. Die Pflichtstundenerhöhung ist nicht nur eine Zumutung für die Lehrkräfte, sondern verhindert zudem Neueinstellungen. Damit werden Berufsperspektiven verbaut und es wird eine zumindest ansatzweise "Durchmischung" der Kollegien verhindert. Je weniger jetzt eingestellt wird, desto mehr muss das später erfolgen - wenn der Lehrkräftemarkt leer gefegt ist. Das Chaos ist vorhersehbar! Schon jetzt kehren viele frisch ausgebildete Lehrkräfte Berlin den Rücken.
Das zeigen auch die Statistiken der Senatsbildungsverwaltung. Danach sank die Gesamtzahl der BewerberInnen für den Schuldienst von Februar 2003 bis August 2003 um insgesamt 274 ab - obwohl Ende Mai erneut über 400 LehrerInnen ihr Referendariat in Berlin beendet haben.
Andere Bundesländer freuen sich über die kostenlose Ausbildung ihrer LehrerInnen. Diejenigen, die in Berlin bleiben, tun das nicht, um hier Däumchen zu drehen. Wer familiäre Verpflichtungen hat, kann nicht so einfach Tschüss sagen. Leider gibt es keine verlässlichen Informationen, was arbeitslose Lehrkräfte nach dem Referendariat tun. Deshalb meine Bitte: Schreibt an die blz, was ihr versucht habt, was ihr beruflich macht und wie es euch ergeht bzw. ergangen ist.
Die Pflichtstundenerhöhung muss zurück genommen werden. Nicht die Gewerkschaften, sondern der Senat schickt die jungen LehrerInnen in die Arbeitslosigkeit, wenn er die "Alten" weiterhin länger unterrichten lässt.
Informationen zum Bewerbungs- und Einstellungsverfahren in den Berliner Schuldienst findet ihr unter www.senbjs.berlin.de/schule/stellenausschreibungen/thema_stellenausschreibungen.asp
Unter www.gew-berlin.de (Infos zu Einstellungen in den Schuldienst) findet ihr u.a. die Lehrerbedarfsprognose der Bildungsverwaltung und das GEW-Info "Arbeitslos nach dem Referendariat".
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