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Nr. 11/2000
30 Jahre Informatik
Lothar Sack, Schulleiter an der Neuköllner Fritz-Karsen-Oberschule, erinnert sich an die Anfänge und Entwicklung des Informatikunterrichts an seiner Schule. Immer mehr Rechner wurden angeschlossen. Aber die Lehrer dürfen den Lötkolben leider noch immer nicht beiseite legen.

Begonnen hat es 1968. Kollege E. Letzner stellte mit seiner Klasse vorgestanzte Lochkarten zusammen, schickte den Stapel zum ControlDataInstitut nach Frankfurt/M. ... und erhielt eine Woche später die Lochkarten mit einem Schnelldruckerausdruck zurück. "In Zeile 17 fehlt ein Semikolon!" Mehrfache Korrespondenz war erforderlich, bis ein Programm fehlerfrei lief. Aber die Informatik-AG war geboren.

1972 kam der erste eigene Rechner: Ein HP 9820 – wer kennt ihn noch? Als erste wurden die vier parallelen zwölften Klassen im Mathematikunterricht mit der Programmiererei beglückt. Der einzige Arbeitsplatz zwang zum Stapelbetrieb. Die Schüler standen mit ihren auf Karten markierten Programmen an. (Der Rechner ist übrigens heute noch betriebsfähig.) Es ließ sich gut an; für die Schüler attraktiv, die Lehrer motivierend, hatte der Unterricht großen Zuspruch.

Ein Modellversuch im Bildungswesen wurde 1973 gestartet, der der Entwicklung von Unterrichtskonzepten für ein Schulfach Informatik in der gymnasialen Oberstufe diente. Geld für eine tolle Ausstattung war plötzlich da: Eine pdp 11/40 mit zunächst 128 kB Kernspeicher, Festplatte (2,3 MB) und zwei (!) Arbeitsplätzen. Als wir die Maschine 1988 außer Betrieb nahmen, waren 12 Arbeitsplätze angeschlossen.

Die Schule bekam die Erlaubnis, auf Grund des hier entwickelten Lehrplans, Informatik auch als Abiturprüfungsfach anzubieten. Die ersten Informatikprüfungen fanden 1976 statt. Schüler von Nachbarschulen meldeten ihr Interesse an. So kam es, dass wir bis heute den Informatikunterricht für die Schüler auch der benachbarten Gesamtschulen und Gymnasien durchführen, die das Fach bis in den 13. Jahrgang belegen oder es zum Abitur wählen.

Die Grundgedanken des damaligen Lehrplans der Fritz-Karsen-Schule finden sich noch heute in den geltenden Rahmenplänen wieder. Der Unterricht hatte von Anfang an drei Schwerpunkte:

  1. Die Anwendungen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Rechnereinsatzes
  2. Rechnerorganisation und
  3. Programmiermethodik.

Zunächst in Form von nicht unbedingt zusammenhängenden Themen als Bausteine unterrichtet, werden diese Themen im letzten Unterrichtsjahr in ein Software-Projekt integriert. So war Informatik eines der wenigen Fächer und ist es bis heute, die zwingend eine projektartige Unterrichtsphase vorgeschrieben haben.

Seit 1975 wird Informatik auch im Wahlpflichtfach der Mittelstufe angeboten. Mit dem Preiswerterwerden der Rechner kamen auch andere Bereiche der Schule auf die Idee, Rechner unterrichtsbezogen einzusetzen, so u.a. die Naturwissenschaftler. 1985 waren wir eine der fünf Berliner Pilotschulen, die mit dem Unterricht in ITG (Informationstechnischer Grundkurs) begannen. ITG ist mittlerweile ein Pflichtunterricht für alle Schüler im 8. Jahrgang.

1986 und, nachdem uns die Rechenanlage zu großen Teilen gestohlen worden war, 1989 erhielten wir eine Mehrplatzanlage, an der heute 20 Arbeitsplätze, z.T. allerdings schon recht altersschwach angeschlossen sind. Mit diesen Rechnern und natürlich viel Arbeitseinsatz von Schülern und Lehrern konnten wir bei den letzten vier Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung Hochrechnungen im Rathaus durchführen, mit deren Ergebnissen wir, aber offenbar auch die Gäste der Wahlparty jedes Mal zufrieden waren.

Seit einigen Jahren wird das Internet für den mittlerweile umfangreichen e-Mail-Verkehr genutzt. Hier kommen insbesondere die Fremdsprachler zu ihrem Recht. Schließlich nehmen wir am Projekt Schulen ans Netz (SAN) teil. Insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften werden die Informationsmöglichkeiten des Internet intensiv genutzt.

Am eigentlichen Informatikunterricht der FKS haben seit Beginn rund 2500 Schüler teilgenommen. Zurzeit sind wir dabei, ein hausinternes Rechnernetz zu installieren, zu dem es grundsätzlich von jedem Raum der Schule Zugang geben wird. Es ist nicht abwegig, dass in zwei bis drei Jahren ca. 100 Rechner angeschlossen sein werden.

Eines hat sich allerdings – entgegen unseren Hoffnungen – nicht geändert. Wir hatten gehofft, eines Tages den Lötkolben aus der Hand legen zu können und nur noch Lehrer zu sein. Die Verhältnisse, sie sind nicht so, wir werden also bis zu unserer Pensionierung durch den Keller kriechen, Kabel verlegen, Dosen montieren, Rechner aufschrauben und Komponenten einbauen, Rechner softwaremäßig konfigurieren und Betriebsstörungen beseitigen und außerdem auch noch ein wenig unterrichten.

Lothar Sack
Der Artikel ist der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Schule 1998 entnommen.

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