| Im "ehrlichen" Interview, das die blz mit mir vor kurzem geführt hat, wurde ja schon vieles über die Situation der Schulen und der Lehrer gesagt. Aber halt, das war nur ein fiktives Interview, und deshalb freut es mich umso mehr, an dieser Stelle meinen Standpunkt vertreten zu können.
Es ist wahr: Wir haben im Berliner Schulwesen eine Menge Probleme, die erst noch gelöst werden müssen. Viele Eltern haben den Eindruck, dass nicht genug für die Bildung und Ausbildung ihrer Kinder getan wird. Viele Lehrkräfte, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten, erwarten angesichts wachsender gesellschaftlicher Anforderungen gegenüber der Schule zu Recht, dass die schulischen Rahmenbedingungen verbessert werden. Jeder, der weiß, was vor Ort im Schullalltag geleistet wird, kann die Sorgen der Lehrerinnen und Lehrer nachvollziehen.
Es ist aber auch wahr, dass wir in Berlin die richtigen Schritte eingeleitet haben, um die Situation an den Schulen schrittweise zu verbessern. So können wir frei werdende Stellen laufend neu besetzen. Für dauerkranke Lehrkräfte wird auch in den nächsten Jahren Ersatz geschaffen. Mit der Erstattung der Arbeitszeitkonten werden wir vorzeitig beginnen und so einen stabilen Einstellungskorridor schaffen. Denn wir müssen kontinuierlich neue, gerade auch jüngere Lehrerinnen und Lehrer einstellen. Was besonders wichtig ist: Die 105-prozentige Personalausstattung darf nicht nur auf dem Papier stehen, sondern sie muss in den Schulen ankommen. Wo Lücken oder bürokratische Hürden auftreten, muss nachgearbeitet werden. Und ich will die Einstellungsverfahren beschleunigen, damit benötigte Lehrkräfte schnell dorthin kommen, wo sie gebraucht werden. Dabei zähle ich auf die Unterstützung der Personalräte und der GEW. Ein wichtiger Punkt ist schließlich auch das jährliche 100-Mio-Programm zur Sanierung von Schulen und Sportanlagen. Die Bezirke, die für die bauliche Unterhaltung zuständig sind, müssen dafür Sorge tragen, dass die Mittel den Schulen auch wirklich zugute kommen. Ich werde mich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Schulen gestärkt werden. Gemeinsam mit allen Beteiligten möchte ich dringend erforderliche Veränderungen zur Qualitätssicherung und -entwicklung der Schulen einleiten und pädagogische Verbesserungen durchsetzen. Auch hier setze ich auf die Unterstützung der GEW. Zu nennen ist der Fremdsprachen-Frühbeginn, die Stärkung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts oder die große Herausforderung, das Lernen mit neuen Medien in den Unterricht zu integrieren. Gerade bei der Ausstattung der Schulen mit Computer und Internet ist schon einiges erreicht worden. Wir werden die Fortbildungsangebote in diesem Bereich deutlich verstärken. Die Gesellschaft insgesamt muss sich daran messen lassen, dass wir den Kindern und Jugendlichen tagtäglich das Recht auf eine gute Bildung und Ausbildung garantieren können.
Klaus Böger
ist Senator für Schulwesen. Jugend und Sport in Berlin |