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Nr. 12/2000
Kitas, Schulen und Unis einig im Protest
Mehrere zehntausend Kinder, ErzieherInnen, LehrerInnen und Hochschulangehörige ziehen im Sternmarsch zum Roten Rathaus.

Ein sonniger Tag, gute Stimmung und ein unüberschaubares Meer von Transparenten: Die Demonstration der Aktion Bildung am 11.11. war ein toller Erfolg. Rote und weiße Luftballons treiben in den strahlend blauen Himmel hinauf zur glitzernden Kugel des Fernsehturms. Vor den Toren des Roten Rathauses herrscht dichtes Gedränge. Über 35.000 Menschen demonstrierten mit der GEW BERLIN ihren Unmut gegen die Bildungspolitik des Berliner Senats. "K(l)eine Bildung für uns – k(l)eine Rente für euch", "Der Senat frisst seine Kinder" stand auf Plakaten und gegen Bildungssenator Böger wurde ein "Ausbögerungsantrag" gestellt. Die 15 Jahre alte Annette Pannenbecker von der Wald-Oberschule in Charlottenburg demonstrierte, weil "die Schulen zu wenig Geld" hätten. Die Verschlechterungen seiner Arbeitsbedingungen hatte den Lehrer Günter Hidden vom Oberstufenzentrum Maschinenbau auf die Straße getrieben. Eigentlich müsste er als Über-Fünfzigjähriger weniger Stunden arbeiten. Diese Regelung sei weggefallen und zusätzliche Stunden dazugekommen. Jule Seggelke (24), Studentin an der HdK, wollte eigentlich einmal richtig ausschlafen. Dann aber hat sie ihren inneren Schweinehund überwunden: "Wir müssen selber etwas für uns tun – die Übungsmöglichkeiten für Musikstudierende sind zu knapp." Sigrid Baumgardt nahm ihre fünf Jahre alte Tochter Marie-Joe auf den Schultern mit. Seit den Versprechungen vom Frühjahr sei nichts passiert, sagte sie verärgert: "Ich habe das Gefühl, es soll ein Verteilungsmachtkampf auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen werden."

Schülersprecherin Deborah Schmidt forderte die Einstellung von jungen LehrerInnen: "Es kann schließlich nicht sein, dass wir von unseren Großeltern unterrichtet werden." Bernd Rissmann, stellvertretender Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg und Schirmherr der Demonstration: "Im Haushalt 2001 werden Bildungsausgaben erneut um 10 Prozent gekürzt – ein Skandal. Politiker machen sich damit mitverantwortlich am dumpfen Gedankengut des Rechtsextremismus in Deutschland." Der Vorsitzende der GEW BERLIN, Ulrich Thöne spricht von einem großen Erfolg des Aktionsbündnisses. "Wir haben die ganze Kraft unserer Organisation auf diese Demonstration konzentriert und dabei viele neue Kontakte geknüpft und bestehende gefestigt. Senator Böger sollte nun mit uns gemeinsam und mit festen Vereinbarungen für eine bessere Ausstattung der Bildungsfinanzen eintreten."

Pit Rulff
verantwortlicher Redakteur der blz

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