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Nr. 04/2001
Titel: Flüchten oder Standhalten - Burnout
Burnout - was ist das?

Es besteht mittlerweile kein Zweifel mehr darüber, dass die Arbeit von Lehrkräften stark belastend ist. Diese vorwiegend psychische Belastung führt oft, wenn sie über Jahre oder gar Jahrzehnte anhält, zum Burnout. Etwa ein Drittel aller Lehrkräfte soll zumindest burnoutgefährdet sein. Dieses Ausgebranntsein ist durch bestimmte Merkmale gekennzeichnet.

Als Leitsymptom ist die körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung anzusehen. Die Lehrkraft fühlt sich in ihrer Arbeit mit den Schülern emotional überfordert, sie hat den Eindruck, „fix und fertig“, ausgelaugt zu sein. Von den SchülerInnen (und Eltern) wird eine stärkere Zuwendung, werden mehr positive Rückmeldungen (Dank, Anerkennung usw.) erwartet, als diese aufzubringen bereit oder fähig sind. Aus dem Gefühl, die an sie gestellten Arbeitsaufgaben nicht mehr bewältigen zu können, dem Verlust an Tatkraft und Idealismus und ihrer Niedergeschlagenheit entwickelt9 sich schließlich zunehmend ein negatives Selbstbild. Im Lauf dieser Entwicklung ist die Lehrkraft dann auch immer weniger bereit, sich den Schülern in gebührender Weise zuzuwenden. Oft weist sie ihnen auch noch die Schuld für ihren bedenklichen Zustand zu, verbunden mit Aggressionen gegenüber Schülern und auch Eltern.

Burnout tritt bei Arbeitstätigkeiten auf, die verstärkt sozial-interaktive Momente aufweisen. Das Syndrom ist in der Regel auf solche Tätigkeiten beschränkt, in denen der häufige Kontakt zu Menschen wesentlich ist (neben dem Lehrer z. B. Krankenschwester, Altenpfleger, Arzt, Polizist). Es entwickelt sich über einen längeren Zeitraum in Abhängigkeit von äußeren und inneren Bedingungen der Berufstätigkeit und tritt als Krise auf, die zumindest eine zeitweilige Stagnation oder Behinderung der Persönlichkeitsentwicklung bedeutet.

Obgleich Burnout per se keine Krankheit ist, enthält es zweifelsohne pathogene Symptome. Von Burnout im Endstadium bis hin zur psychischen Krankheit ist es oft nur ein kleiner Schritt. Die Krankheit, z. B. die Depression, ist als mögliches Endresultat eines langdauernden Burnoutprozesses zu sehen.

Prof. Dr. Bernd Rudow
ist Leiter der Fachgruppe Arbeitswissenschaften im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Fachhochschule Merseburg.

Aus: pluspunkt – Zeitschrift für Sicherheit und Gesundheit in der Schule (Hrsg. Bundesverband der Unfallkassen), Ausgabe 1/2000)


Wichtige Merkmale, Symptome und Folgen

Anfangsphase

    Großes Engagement für Schule: Hyperaktivität, häufige und intensive Kontakte zu Schülern, starke Empathie, häufig Feierabendund Wochenendarbeit

Erste Warnsymptome

    Zeitweilige Erschöpfung, Energiemangel, Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, Überdruss, Widerwillen, Desillusionierung, Gefühle mangelnder Anerkennung, Distanz zu und Konflikte mit Schülern, Meidung der Eltern, Abnahme der Empathie, Akzeptanz von Schülerstrafen, Zynismus

Emotionale Reaktionen

    Depressivität: Schuldgefühle, Nervosität, Pessimismus, Ohnmachtsund Hilflosigkeitsgefühle, Apathie; Aggression: Schuldzuweisung/Vorwürfe an Schüler und andere, Intoleranz, Misstrauen, Streitsucht

Kognitive Reaktionen

    Konzentrationsund Gedächtnisschwäche, Zerfahrenheit, Entscheidungsunfähigkeit, keine Flexibilität und Kreativität, rigides Schwarz-Weiß-Denken

Verhaltensreaktionen

    Kontaktverlust zum Schüler, Verlust der Empathie, Desorganisation in der Arbeit, keine Unterrichtsvorbereitung, erhöhte Fehlzeiten, Konflikte mit Eltern und Schulleitung

Psychosomatische Reaktionen

    Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Übelkeit, Herzklopfen, Angst und Panikattacken, Atembeschwerden, Essstörungen

Endphase

    Verzweiflung, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Lebenspessimismus, Gefühle der Sinnlosigkeit, Depressionen, Flucht in Krankheit, soziale Isolation.
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