| Hier und da bröckelt Putz von den Wänden, Spinnweben und Staubwolken überall, Dübellöcher - manchmal größer, manchmal kleiner - , dicke Ränder von Schränken, Bildern und Postern - alles getaucht in ein unappetitliches Grau mit schwarzen Flecken. 15, 20 oder gar 25 Jahre - die Schätzungen variieren erheblich - haben diese Räume keine Farbe mehr gesehen.
Wir sind in den neuen Räumen des Personalrats der Lehrerinnen und Lehrer in der Seestraße 49, Region Mitte. Wir könnten aber auch, so ist zu befürchten, in irgendwelchen anderen Amtsräumen in Berlin sein. Einige Kollegen und Kolleginnen haben in den privaten Geldbeutel gegriffen, Farbe und Pinsel gekauft und stellen sich auf eigenes Risiko - Unfallgefahr - auf die Leiter und malern. Lobenswert - weiß man doch, dass eine freundliche, angenehme Umgebung die Arbeitsfreude steigert und den Besuchern einen positiven ersten Eindruck vermittelt.
Doch eigentlich ist das erbärmlich. Mit der allzu bekannten Begründung "Kein Geld" wurde uns seitens des Bezirksamts achselzuckend klar gemacht, es gebe weder Geld für Farbe noch eine Firma, die die Wände streichen werde.
Gewiss ist dies angesichts einer katastrophalen Ausstattung im Justizbereich, maroder Schulen und Turnhallen nur ein vergleichsweise unbedeutendes Beispiel für öffentliche Armut in einem verdammt reichen Land. Es ist aber auch eine Beleidigung für die in diesen Räumen - im öffentlichen Auftrag wohlgemerkt - Tätigen, denen letztlich gesagt wird: Mach's doch selber oder arbeite halt in diesem Dreckloch. Gre(ä)ulich.
Angelika Reker
für den Personalrat LSA- Region Mitte |