| Das LSA soll wieder zurück in die Storkower Straße ziehen. Die Pläne dafür liegen fertig in der Schublade. Die Steuerzahler zahlen die Zeche.
Wer erinnert sich noch an das Jahr 1995? Aus allen Bezirken Berlins schafften Umzugswagen kilometerweise Aktenmaterial in die Storkower Straße nach Prenzlauer Berg. Den Akten folgten Hunderte Beschäftigte, vom Mitarbeiter im Schreibdienst bis zur leitenden Oberschulrätin, in die zwei großen Bürogebäude. Auch die Senatsschulverwaltung war mit von der Partie. Das umgebende Ambiente der Gewerbeflächen war abschreckend, aber irgendwo musste das ungeliebte Amt ja seine Arbeit aufnehmen. Nicht alle, die mit Sack und Pack vor diesen Türen standen, kamen dort auch unter. Die Umzugsplaner hatten die Flächen falsch berechnet. Mehrere Abteilungen und Personalräte wurden zu anderen Provisorien umgeleitet. Die geplanten Synergien verpufften im entstandenen Tohuwabohu.
Geschlossen wegen...
Umzug (1995), geschlossen wegen Umstrukturierung (96/97), geschlossen wegen Umzug (1998), geschlossen wegen Umstrukturierung (99/00). Diese Erfahrung mussten viele Ratsuchende in den vergangenen Jahren mit der Mammutbehörde machen. In sechs Jahren hat sie schon drei verschiedene Leiter (und drei SenatorInnen) gehabt. Und nun, wo die Reibungsverluste geringer werden, schon wieder geschlossen wegen Umzug (01/02) und so weiter? 1998 wollte Senatorin Ingrid Stahmer repräsentativere Räume und mehr in das Zentrum. Als Sachargument galt: alle Behördenteile unter ein Dach am Spittelmarkt.
Debis und Rechenfehler
Der Weltkonzern Debis lockte mit einem scheinbar attraktiven Mietangebot für seine Immobilie im Zentrum und schon waren die Hirne vernebelt. Bei der Berechnung der Nutzflächen wurden fast 100 MitarbeiterInnen vergessen und über 1.500 Quadratmeter fielen zusätzlich weg, weil niemand erkannt hatte, das man in eine Bruttogesamtfläche auch noch die Zwischenwände einrechnen muss. Und dann hatte auch keiner die Raumhöhe nachgemessen. Eine ganze Aktenreihe weniger konnte im engen Spittelmarkt untergebracht werden. Folge: etliche der als Büros geplanten Räume mussten für zusätzliche Aktenzimmer weichen. Die Regale mussten alle abgesägt werden. Schilda in Berlin.
Gebäudemanagement als Rettung
Diese Zustände waren nicht haltbar. Zum Glück stehen die verlassenen Gebäude in der Storkower Straße immer noch leer, werden durchgehend bewacht und beheizt und kosten den Steuerzahler über 10 Millionen Mark im Jahr. Da kommt das vom Senat beschlossene Gesamtberliner Gebäudemanagement für alle öffentlichen Gebäude gerade recht. Das LSA zieht zurück, der Leerstand wird sinnvoll genutzt. Das senkt doch Kosten, oder? Die Beschäftigten haben genug Umzugsübung, alte Formulare können neu genutzt werden und die Senatsverwaltung kann es sich ohne den lärmenden Publikumsverkehr am Spittelmarkt etwas gemütlicher machen. Gibt es noch Probleme? Berlin ist zwar pleite, aber vielleicht löst sich das ganze LSA nach den Neuwahlen auf und zieht kostengünstig in die Bezirke zurück.
Pit Rulff |