| LehrerInnen reagieren auf den Terror in der Welt
Ob in Bosnien, in Israel, in Belfast oder nun in New York - die Kinder und Jugendlichen sind Augenzeugen der Medienmeldungen und Ohrenzeugen der Erwachsenenberichte, der Gerüchte oder der Gespräche Gleichaltriger. Wir LehrerInnen müssen darauf reagieren. Aber wie? Zum Inhaltlichen nur soviel: Jede Form von Terror ist verabscheuungswürdig. Für die psychische Sicherheit der Menschen ist zur Abwehr von Terror Gegengewalt erforderlich.
Es ist richtig, vom Stundenplan abzuweichen, vor allem dann, wenn die Kinder über das Aktuelle sprechen wollen. Die Kinder sollen sich aussprechen können, wir wollen einander zuhören. Kinder sollen erkennen, dass sie fragen dürfen und merken, dass andere ihre Fragen wichtig finden. Das Gespräch hat einen therapeutischen Wert. Alles soll in einer angstfreien Atmosphäre stattfinden.
Die Zukunft der nordirischen, der palästinensischen, der amerikanischen Kinder, aller Kinder wird von den Erwachsenen von heute bestimmt. Es ist eine selbstverständliche, eine professionelle Haltung unserer Lehrkräfte, dass Gewalt und Hass nicht toleriert werden, dass Vorurteile, Feindbilder nicht vermittelt werden, sondern aufgedeckt und ihre Bedeutung erörtert wird.
Wo wir die Wahrheit kennen, nennen wir sie; wo wir unsicher sind, sprechen wir unsere Unsicherheit an. Wir vermeiden vorschnelle Wertungen. Altersgemäße Wortwahl und die Heterogenität der Gruppenzusammensetzung sind zu beachten.
In Krisenzeiten sind auch Kinder besonders hellhörig. Stärker als auf Worte achten sie auf unsere Handlungen, unsere Mimik und Gestik, auf den Umgang mit anderen Erwachsenen. Deshalb ist das Vermitteln von Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit von großer Bedeutung. Hierbei kann es einen schmalen Grat des Handelns geben, weil Echtheit (Tausch), bzw. Authentizität (Doerry), also Offenheit (Seelig) unsere pädagogische Handlungsmaxime bleibt. "Unsere Schule ist ein sicherer Ort. Überall sind Menschen für uns, für unser Wohlbefinden tätig, Eltern, Lehrer und Erzieher, Feuerwehrleute, viele Helfer, Polizisten....usw." - das sind vermittelbare Botschaften.
Manche Kinder äußern sich nicht. Es könnte in ihnen brodeln ohne Krater. Gemeinsames Singen, Malen, Basteln, Kneten könnten zum Abbau von Blockaden beitragen. Das Gemeinsame verdeckt nicht den Respekt vor der Verschiedenheit. Konformität ist nicht das Ziel; Andersartigkeit ist eine Bereicherung, das Aushalten andrer Meinungen ist Ausdruck der pluralistischen Demokratie und ein Lernziel der Toleranz.
Älteren Schülern, die auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu Minderheiten Hass und Aggression propagieren oder die - aus welchen Gründen immer - nach Rache und/oder Vergeltung rufen, müssen mit unserer pädagogischen Intervention rechnen. Grundhaltung dafür: Geduld, Konsequenz, keine Toleranz der Intoleranz. "Der Lernprozess der Zivilisation sollte dahin gehen, innerlich der Versuchung der Rache zu widerstehen. Was einem von außen angetan wird, sollte den Eigenwert nicht herabsetzen." (H. E. Richter)
Mit den Eltern ist in diesem Sinne zu sprechen. Eltern sollte zum gemeinsamen Gespräch Gelegenheit gegeben werden. Gleichsinniges Handeln fördert die Deeskalation und sichert eher Erfolge im Sinne des Gesagten.
Wilfried Seiring |