GEW Berlin
GEW BERLIN
Home  
Aktuelles  
Adressen  
Downloads  
GEW-Zeugnis  
Informationen  
Inhalt  
Lehrproben  
Mitgliederportal  
Mitglied werden  
Seminare  
Service  
Themen  
Veranstaltungen  
Zeitschrift (blz)  
Impr./Kontakt  
Nr. 11/ 2004: Sprachförderung als Billigjob

Sprachförderung als Billigjob

Der Offenbarungseid des Senators Klaus Böger.

von Ulrich Thöne, Vorsitzender der GEW Berlin

Für Bildungssenator Klaus Böger (SPD) ist es die größte bildungspolitische Herausforderung: Mit Sprachtests und verpflichtenden Deutsch-Kursen vor der Schule will er die verheerenden Sprachkenntnisse vieler ausländischer Kinder verbessern." (Morgenpost 16.02.04)

Seit dieser Erklärung warten alle auf einen Vorschlag für ein überzeugendes Konzept. Stattdessen: Sendepause! Da aber das neue Schulgesetz verbindlich eine flächendeckende Sprachstandsmessung für alle künftigen ErstklässlerInnen vorschreibt, wurde die Zeit langsam eng. Keine Lösung in Sicht, aber die Öffentlichkeit im Nacken; was tun? Klaus Böger entschied sich für eine Offensive um jeden Preis.

Böger hält es für möglich, die notwendige Sprachförderung für die Kinder, die sprachliche Mängel beim Einschulungstest aufweisen, von Ein-Euro-LehrerInnen erfolgreich durchführen zu lassen. Böger hat das gesagt, nicht etwa Klaus Wowereit oder Thilo Sarrazin! Der Bildungssenator hält es für möglich, dass "eine der größten bildungspolitischen Herausforderungen" von miserabel bezahlten BerufsanfängerInnen erledigt werden kann! Potz Donner! Was haben denn die vielen gut bezahlten Fachleute bisher getan? Das war dann offensichtlich reine Verschwendung und Missbrauch der schwer erarbeiteten Steuergelder! Und wer das Kunststück fertig bringt, fünfeinhalbjährigen Kindern, die bisher keinem schulischen Eingangsunterricht in deutscher Sprache folgen können, in einem halben Jahr die nötigen Fähigkeiten zu vermitteln, der ist auch zu ganz anderen Leistungen fähig! Oder kann mir Böger oder FU-Präsident Dieter Lenzen sagen, warum eine Ein-Euro-LehrerIn nicht in der Lage sein sollte, den Dreisatz zu unterrichten oder SchülerInnen in lehrplangemäßer Weise das europäische Haushuhn nahe zu bringen - alles Dinge, die auch noch erledigt werden müssen. Nein, Böger wärmt nur ein altes Vorurteil auf: Kinder unterrichten ist einfach, je kleiner, um so einfacher!

Ab jetzt - und das wirkt schwer - gibt es keine fachliche Grenze mehr, die ein "sozialdemokratisch-sozialistischer" Senat einzuhalten gewillt ist. Böger hat sich beim Finanzsenator oder beim Regierenden Bürgermeister nicht durchsetzen können. Obwohl die Sprachförderkurse durch das neue Schulgesetz zur Verpflichtung für die erfolgreiche Einschulung von Kindern mit sprachlichen Defiziten gemacht wurden, stehen dafür keine Mittel bereit. Böger war und ist nicht bereit, diese Pleite einzugestehen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Er könnte z.B. öffentlich mit der GEW, mit den SchülerInnen und Eltern mehr Geld und Mittel für die Bildung fordern. Das tut er nicht. Stattdessen öffnet er ein Scheunentor für die Demontage des ersten Arbeitsmarktes und nimmt in Kauf, dass wichtige bildungspolitische Aufgaben nicht erledigt werden, während sein Bundeskanzler davon schwadroniert, dass in Deutschland keine Begabung verloren gehen dürfe.

Ich hoffe, dass viele KollegInnen Konsequenzen daraus ziehen. Es geht nicht um Klaus Böger, es geht nicht um die SPD, die Grünen oder die PDS, es geht darum, eine andere, eine soziale und demokratische Perspektive zu entwickeln. Die wird nicht auf den Schultern des real stattfinden Sozialabbaus entstehen können. Dazu werden wir ausbrechen müssen aus den Gedankengebäuden der TINA-Politik (There is no alternative), deren enge Grenzen uns tagtäglich eingehämmert werden.

Perspektiven bedürfen einer Organisation, die die Diskussion zusammenhält und sicherstellt, dass alle mitgenommen werden. Schon aus diesem Grund sind die Gewerkschaften heute unverzichtbarer denn je. "Ich-Gewerkschaften" jedenfalls haben keine Chance gegen Ein-Euro-Jobs.

 

zurück nach oben
Login
Registrieren
Hilfe
Beitragsquittung für 2011 ausdrucken
Mitmachen: Projekte
blz - die Zeitschrift der GEW BERLIN
Mediadaten
Terminplan
Jahrgang 2012
Jahrgang 2011
Jahrgang 2010
Jahrgang 2009
Jahrgang 2008
Jahrgang 2007
Jahrgang 2006
Jahrgang 2005
Jahrgang 2004
Jahrgang 2003
Jahrgang 2002
Jahrgang 2001
Jahrgang 2000
Jahrgang 1999
Wir über uns
Kalender 2011/2012 bestellen
Service und Beratung
Ich möchte Mitglied werden
Mitglieder werben Mitglieder
Markt / Kleinanzeigen
Zeugnisprogramm