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Nr. 11/2001
Schwerpunkt: Berliner Bildungstage
Manifest für Bildung

Einmütig haben die Teilnehmerlnnen der Berliner Bildungstage ein Manifest für die zukünftige Entwicklung aller Bildungsbereiche verabschiedet:

In den letzten 10 Jahren ist im gesamten Bildungsbereich drastisch gekürzt worden. Bundespräsident Rau bringt es auf den Punkt: "Es hilft nicht darum herum zu reden: Die öffentlichen Investitionen sind geringer als wir uns das leisten können. Bildung und Wissenschaft sind die beste und wichtigste Investition in unsere Zukunft." (Bundespräsident Johannes Rau, Rede am 14. Juli 2000 vor dem Forum Bildung). Das Bündnis Zukunft für Bildung fordert daher:

    1. für alle Bildungsbereiche
    • Bildung, Erziehung, Betreuung, Unterricht, Vorlesung und Seminar zu jeder Zeit 100 Prozent sicherstellen
    • Vollständige finanzielle Absicherung der vorhandenen Bildungseinrichtungen
    • Stärkung der Kooperation von Jugendhilfe, Schule und Hochschule
    • Förderung der interkulturellen Bildung in Kita und Schule sowie der Internationalisierung der Hochschule
    • Orientierung der Bildungsinhalte an der modernen Lebenswirklichkeit der beteiligten Kinder, Jugendlichen, Eltern, Auszubildenden und Studierenden
    • Demokratische Teilhabe der im Bildungsbereich Tätigen sowie der Kinder, Jugendlichen, Eltern und Studierenden in den Bildungseinrichtungen
    • Reform der Ausbildung von ErzieherInnen, SozialpädagogInnen und LehrerInnen
    • Ausbau der Fort- und Weiterbildung der Beschäftigten in allen Bildungsbereichen
    • Gebühren- und Kostenfreiheit von der Kita bis zur Hochschule - Bildung und Erziehung sind öffentliche Aufgaben
    • Verbesserung des baulichen Zustands aller Bildungseinrichtungen
    • Flächendeckende Bereitstellung und Wartung neuer Medien sowie ihre Nutzung für die Entwicklung einer neuen Lern- und Lehrkultur
    2. für die Kinder- und Jugendhilfe
    • Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften der Kinder- und Jugendhilfe
    • Bereitstellung der im Kita-Gesetz vorgeschriebenen Personalbemessung für Erzieherinnen
    • Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit im Umfang von mindestens 10 Prozent der Jugendhilfeausgaben
    • Bereitstellung von Plätzen und Angeboten entsprechend der Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien
    • Kita-Plätze für alle Kinder - Abschaffung des restriktiven Anmeldeverfahrens
    • Absicherung der Qualitätsentwicklung in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe mit dem dafür erforderlichen sozialpädagogischen Personal und den erforderlichen Sachmitteln
    • Schaffung von sozialpädagogischen Angeboten an allen Schulen
    • Einstellung von BerufsanfängerInnen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe
    • Anhebung der ErzieherInnenausbildung auf Fachhochschulniveau
    3. für die Schule
    • flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen bzw. von außerschulischer Hortbetreuung in Kooperation mit der Jugendhilfe
    • Erhalt der 6jährigen Grundschule
    • gleichberechtigte Einbeziehung der Sozialpädagogik und der sozialpädagogischen Fachkräfte in die schulische Arbeit
    • Erarbeitung von Konzepten für eine neue Schul- und Lernkultur, die die Heterogenität der Zusammensetzung der Berliner Schülerschaft anerkennt und pädagogisch nutzt
    • Reform und quantitative Ausweitung der LehrerInnenbildung einschließlich des Referendariats unter Einbeziehung der Lehramtsstudierenden und -anwärterInnen
    • eine deutliche Frequenzsenkung in allen Klassenstufen, besonders für Schulen in sozialen Brennpunkten
    • bedarfsgerechter Ausbau des gemeinsamen Unterrichts von SchülerInnen mit und ohne Behinderung als Bestandteil der Regelschule ohne Haushaltsvorbehalt
    4. für die Hochschule
    • Erhöhung der Zahl der ausfinanzierten Studienplätze auf mindestens 100.000
    • Reform von Studium und Lehre durch eine konsequente Modularisierung des Studiums, Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Hochschularten. Entwicklung von Qualitätsmaßstäben, die die Vergleichbarkeit von Abschlüssen sicherstellen und wissenschaftliche Standards garantieren
    • Internationalisierung des Studiums, u.a. durch flächendeckende Einbeziehung internationaler Standards in die Studieninhalte. Abbau der rechtlichen und finanziellen Hürden für ausländische Studierende und Beschäftigte der Hochschulen.
    • Verbesserung der Beschäftigungs- und Qualifizierungsbedingungen des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses
    • Ausbau des Tutorensystems unter Einhaltung des Berliner Tarifvertrages für studentische Beschäftigte
    • Verbesserung der Situation der nebenberuflichen Lehrkräfte an Hochschulen, insbesondere der Lehrbeauftragten
    5. für Weiterbildung und berufliche Bildung
    • einrichtung von doppelqualifizierenden Bildungsgängen als Regelangebot in der beruflichen Bildung
    • Sicherstellung eines qualifizierten Nachwuchses an BerufsbildungspädagogInnen
    • Finanzielle Absicherung öffentlich verantworteter Weiterbildung; Erhalt der Abendgymnasien und der anderen Bildungsgänge des Zweiten Bildungsweges
    • Anpassung der Struktur und der Ausstattung in der Erwachsenenbildung an die Bedürfnisse der Lernenden
    • Steigerung des Professionalisierungsgrades der Lehrkräfte und deren soziale Absicherung in der Erwachsenenbildung
    • Deutliche Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen der freiberuflichen Lehrkräfte an den Volkshochschulen
    • Abstimmung der Sonderprogramme und Maßnahmen für benachteiligte und sogenannte marktbenachteiligte Jugendliche zur Vermeidung von "Warteschleifen"
    • Die Volkshochschule in Berlin muss Pflichtaufgabe werden

Der vollständige Text des Manifestes kann über die Internet-Homepage der GEW BERLIN aufgerufen werden.

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