| Deutschland im Herbst 1991. "Wir brauchen euch nicht mehr." Solche und schlimmere Aussagen prägten den Umgang mit Ausländern. Den verbalen Anfeindungen folgten immer häufiger Taten. Im November 1990 erlag der Angolaner Amadeu Antonio Kiowa seinen Verletzungen, die ihm etwa 50 Skinheads zugefügt hatten. Er war das erste Todesopfer rechtsradikaler Gewalt im vereinten Deutschland. Die Gewalt von Rechts eskalierte. Trauriger erster Höhepunkt dieser Entwicklung war Hoyerswerda: Im September 1991 belagerten Rechtsradikale tagelang ein Ausländerwohnheim und griffen es mit Steinen und Brandsätzen an, begleitet vom Beifall "normaler" Bürger. In Berlin gab es bis dahin noch keine so spektakulären Übergriffe. Doch der Alltag ausländischer oder nur fremd aussehender Menschen hatte sich auch hier verändert. Immer öfter waren sie Provokationen und Handgreiflichkeiten ausgesetzt. Fast immer passierten diese Dinge im Osten der Stadt.
Im Westteil trugen zunehmend mehr türkische Jugendliche Waffen oder organisierten sich in Banden. So glaubten sie der rechten Gewalt begegnen zu müssen.
Dies ist der Hintergrund für das, was am Abend des 27. Oktober 1991 am Adenauerplatz in West-Berlin geschah. Und wahrscheinlich war dieses vergiftete Klima mit verantwortlich dafür, dass Mete Eksi gestorben ist.
Was war damals geschehen? Eine Gruppe türkischer Jugendlicher fühlte sich von drei deutschen Jugendlichen veralbert. Sie stellten sie zur Rede. Ein Schimpfwort gab das andere. Es kam zur Schlägerei. Einer der türkischen jungen Männer holte einen Baseballschläger aus dem Auto. Um sich und seine Freunde zu schützen, wie er später sagte. In dem Handgemenge wurde ihm jedoch der Schläger entrissen. Einer der Deutschen schlug nun damit um sich. Die Türken sollten bloß auf Distanz gehalten werden, erzählte er bei der Vernehmung. Doch er traf den 19-jährigen Mete Eksi mit voller Wucht am Kopf, so dass dieser bewusstlos auf das Pflaster schlug. Am 13. November erlag er seinen Verletzungen.
Heute, 10 Jahre später, sieht es fast aus wie ein tragischer Unfall infolge höchst unglücklicher Umstände. Im Herbst 1991 war die Beurteilung eindeutig: Mord bzw. Totschlag aus rassistischen Motiven. Damit hatte die Stadt Berlin das erste Todesopfer aufgrund rechtsradikaler Gewalt.
"Wir dürfen uns nicht von der braunen Flut faszinieren lassen. Faszinierend sind vielmehr diejenigen, die etwas Sinnvolles dagegen tun." Dieser Satz aus der Rede von Dietrich Schirmer bei der ersten Preisverleihung spiegelt wider, was sich die GEW BERLIN und der Türkische Elternverein Berlin-Brandenburg dachten, als sie den Mete-Eksi-Fonds gründeten. In der Presseerklärung hieß es: "Der Fonds verfolgt das Ziel, das friedliche Zusammenleben von deutschen und ausländischen Jugendlichen in Berlin zu fördern. Zu diesem Zweck wird jährlich anlässlich des Todestages von Mete Eksi ein Preis vergeben. Die Empfehlung zur Preisvergabe wird von einem Kuratorium ausgesprochen".
Den Empfehlungen des Kuratoriums wurde stets entsprochen. Bis heute erhielten insgesamt 46 Gruppen Geldpreise oder Anerkennungsurkunden. Ein Blick zurück zeigt die große Vielfalt von positiven Beispielen, wie Jugendliche sich gegen Gewalt und Rassismus engagiert haben. Dass kontinuierlich engagiert arbeitende Einrichtungen wie das Kinder- und Jugendzentrum Naunyn-Ritze in Kreuzberg zu den Preisträgern (1993) gehörte, verwundert nicht. Die Auszeichnung im Jahr 1994 war schon eine kleine Sensation. Im Rahmen einer Ferienfreizeit des Kinder-Clubhaus Kunterbunt (Neukölln) drehten sieben- bis elfjährige Kinder(!) ein eindrucksvolles Video. Thema: "Wie praktizieren und erleben Kinder Diskriminierung und Intoleranz?"
Als 1992 "schlicht Gastfreundschaft erwiesen" wurde, war das schon anerkennungswürdig. Denn es war mutig, zweimal in der Woche ein Flüchtlingsheim zu besuchen, wie es eine Schülergruppe des Fichtenberg-Gymnasiums (Steglitz) getan hatte, wenn rundum Rechtsradikale versuchen, Asylbewerberheime anzuzünden.
Erst wurden Hilfstransporte nach Bosnien organisiert, dann ein Schüleraustausch. Dafür bekamen die Jugendlichen der Bürgerinitiative Hellersdorf hilft Tuzla 1996 einen Preis. Das Jugendbündnis Bunt statt Braun aus Köpenick, geehrt 2000, arbeitet auf verschiedene Weise gegen rassistische und neo-faschistische Tendenzen. Auslöser für den Zusammenschluss unterschiedlicher Kinder- und Jugendprojekte war die Verlegung der NPD-Bundesparteizentrale nach Köpenick. Ein einziges Mal gab es Kritik an der Auswahl des Kuratoriums. Und zwar 1999. Mann-O-Meter, eine Beratungsstelle für Schwule, wurde ausgezeichnet. Dort gibt ein Überfalltelefon, bei dem sich Opfer von Gewalttaten meIden können. Laut Statistik gehören junge Männer türkischer und arabischer Herkunft häufig zur Tätergruppe. An dieser Statistik entzündete sich die Kritik: das Nennen der ethnischen Herkunft der Täter sei Rassismus.
Wer in diesem Jahr einen Preis erhält, ist noch ungewiss. Das Kuratorium, bestehend aus Barbara John (Ausländerbeauftragte), Eberhard Seidel (Autor) und Halil Can (Journalist), tagt noch.
Günther Mlodzian
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