| Die Veranstaltungsreihe "Aus der Forschung für die Praxis" wird fortgesetzt.
Kürzlich konnte man in der Zeitung ein Feature über die erste staatliche Schule für Hochbegabte - St. Afra in Sachsen - lesen, vor allem über die guten Lern- und Arbeitsbedingungen dort. Der Schulleiter, befragt über das Problem der hochbegabten Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten infolge schulischer Unterforderung bzw. Missachtung, zeigte sich über die Frage befremdet: Solche Kinder würde er nicht aufnehmen, denn mit ihnen könnte man das Projekt der Hochbegabtenförderung an seiner Schule nicht durchführen. Und eine Schülerin, befragt nach ihren Gründen für einen Schulwechsel, gab auch nicht die Unterforderung an ihrer alten Schule an, sondern fand es reizvoll, an einer Schule zu sein mit intaktem Dach und intakter Heizung - sie hatte den Unterricht im Mantel satt. Kurz: die Politik hat mal wieder ein Problem gelöst, das niemand hatte - die wirklichen Probleme bestehen weiter.
"Difficile est saturam non scribere" könnte man über den Stand der bildungspolitischen Diskussion zum Thema Begabung sagen und zur Tagesordnung übergehen. Leider geht diese Gespensterdiskussion aber weiter. Sie beeinflusst unsere schulischen Arbeitsbedingungen und auch die Struktur unseres Schulwesens. Wir werden uns nicht entziehen können, sondern uns einmischen müssen. Freiwillig fragen wird uns keiner.
Wir als GEW müssen uns um ein differenziertes Verständnis der Probleme bemühen, um der populistisch gefärbten Diskussion etwas entgegensetzen zu können.
Im vergangenen März hat das "Forum Bildung" eine Tagung zum Thema der "Hochbegabten" durchgeführt. Die Inhalte dieser Tagung waren mehr als ambivalent. Prof. Tenorth, Vizepräsident der Humboldt - Universität und Erziehungswissenschaftler, hat mit einem Impulsreferat diese Ambivalenz in für mich überzeugender Weise verdeutlicht. Wir haben ihn eingeladen im Rahmen der Reihe "Aus der Forschung für die Praxis" dies für uns zu verdeutlichen und mit uns zu diskutieren.
Ich möchte euch zu unserer Veranstaltung herzlich einladen. Ich denke, wir können uns damit auch für die Diskussion um das Schulgesetz argumentativ stärken.
Veranstaltung
Begabung - Kontroversen zwischen Bildungspolitik und Bildungsforschung mit Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth
Mittwoch, 28.11.01, um 19 Uhr, Haus der GEW in der Ahornstraße 5, 10787 Berlin
Thomas Isensee
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