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Nr. 12 / 2004: Der junge und frische WEG

Der junge und frische WEG

Im idyllischen Flecken Zechlin berieten sich die Mitglieder der jungen GEW.

von Robert Melzer, Junge GEW

Zum Auftakt berichtete ein "alter Haase" über die nötigen Tricks und Tipps zur Bewältigung der zweiten Phase der Lehrerausbildung (Referendariat). Anhand von mitgebrachten Unterrichtsentwürfen und alten Hausarbeiten wurden Ausbildungsinhalte der zweijährigen schulpraktischen Ausbildung erläutert.

Lehrerausbildung und das Referendariat

Mit dem neuen Schulgesetz wird auch die Lehrerausbildung grundlegend neu geregelt. Neben der Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen sowie der Modularisierung des Studiums erhält auch das Referendariat ein völlig neues Gesicht. Studenten, die im Wintersemester 2004/05 ein Lehramtsstudium beginnen, müssen im gehobenen Dienst nur noch ein 12-monatiges Referendariat ableisten. Auch für Referendare im höheren Dienst ist unter gewissen Voraussetzungen eine Verkürzung des Referendariats auf 12 Monate möglich. Gegen Ende dieses Jahrzehnts wird die Referendariatszeit halbiert sein.

Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die Streichung von 400 Referendariatsplätzen in den Jahren 2005/2006 in einem anderen Licht. Der Gedanke klingt irrwitzig, aber bei Halbierung der Ausbildungszeit würde Berlin nur noch etwa die Hälfte der heute vorhandenen Ausbildungsplätze benötigen, um eine vergleichbare Absolventenquote zu erreichen. Das heißt, statt heute (noch) vorhandenen 1900 Referendariatsplätzen wären noch etwa 1100 Plätze nötig. Der Bildungssenator hat bereits ohne haushaltspolitische Not bei den Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2004/ 05 die Streichung von weiteren 200 Referendariatsplätzen im Jahr 2006 angekündigt. Bögers Strategie ist es, scheibchenweise zu reduzieren, um nicht auf einen Schlag 800 Plätze streichen zu müssen.

In den nächsten Jahren kommt auf die Berliner Schulen durch Pensionierungen ein riesiger Einstellungsbedarf zu. Diejenigen unter uns, die schon im Referendariat sind, konnten aus eigener Erfahrung berichten, dass Berlins Schulleiter händeringend nach jungen, frischen Lehrkräften suchen. Um die Qualität der Bildung auf einem akzeptablen Niveau zu halten, dürfen keine weiteren Referendariatsplätze gestrichen werden. Die junge GEW setzt sich für den Erhalt von Referendariatsplätzen ein, damit Berlin den Einstellungsbedarf der nächsten Jahre aus eigener Kraft decken kann. Wir haben hierzu erste Ideen für Aktionen entwickelt und hoffen auf eine breite Unterstützung.

Quer- und Seiteneinsteiger

"Wieso werden Seiteneinsteiger eingestellt, obwohl es nicht genügend Referendariatsplätze für Lehramtsstudiumsabsolventen gibt?" Die Diskussion zu Seiten- und Quereinsteigern wurde sehr emotional geführt: Man ist entweder selbst Seiteneinsteiger, hat Seiteneinsteiger als Kollegen oder hat keinen Referendariatsplatz bekommen und muss nun lesen, dass der Senat Seiteneinsteiger einstellt, weil es nicht genug Lehramtsabsolventen gibt.

Seiteneinsteigern ist ihr Hochschuldiplom als erstes Staatsexamen anerkannt worden. Sie absolvieren ihr Referendariat und legen am Ende das zweite Staatsexamen ab. Damit sind sie "klassischen" Lehrern gleichgestellt. Seiteneinsteiger werden nur für Fächer und Schultypen eingestellt, für die es mehr Referendariatsplätze als Bewerber mit abgeschlossenem Lehramtsstudium gibt. Das betrifft hauptsächlich technische Fächer an den Oberstufenzentren (OSZ).

Mit Quereinsteigern werden Lehrer bezeichnet, die nach einem Hochschulabschluss unterrichten, ohne ein Referendariat absolviert zu haben. Quereinsteiger werden auch LOVELS (Lehrer ohne volle Lehrbefähigung) genannt. Problematisch ist, dass diese LOVELS eine Art "Lehrer 2. Klasse" sind, da sie schlechter als "klassische Lehrer" bezahlt werden und keine Aufstiegschancen haben. In der Arbeitsgruppe gab es die Befürchtung, dass durch die neue Lehrerausbildung mit der Trennung in Bachelor und Master ebenfalls "Lehrer 2. Klasse" geschaffen werden sollen.

WEG in die Zukunft

Im Mittelpunkt der weiteren Arbeit standen die Planung zukünftiger Arbeitsfelder der Jungen GEW und einiger damit verbundener Aktionen. Das Thema Ausbildung ist unser Schwerpunkt. Wir planen eine öffentlichkeitswirksame Aktion für den Februar 2005 gegen die geplante Streichung von weiteren 200 Referendariatsplätzen im Jahr 2006. Wir werden uns verstärkt an Veranstaltungen unserer Gewerkschaft für derzeitige und zukünftige Referendare beteiligen. Im Dreimonatsrhythmus wollen wir Themenabende initiieren. Die Inhalte dieser Abende mit kompetenten Gästen werden sich an den Interessen der jungen Mitglieder der GEW orientieren. Die Termine werden wir auf unserer Homepage veröffentlichen.

 

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