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Nr. 12/2001
Mete-Eksi-Preisverleihung 2001
War es nun besser oder schlechter vor zehn Jahren, das Zusammenleben von Jugendlichen deutscher und nichtdeutscher Herkunft in Berlin? Die Meinungen waren sehr unterschiedlich bei den TeilnehmerInnen der Gesprächsrunde zum Thema: "Leben in Berlin heute - zehn Jahre nach dem Tod von Mete Eksi". Kinder und Jugendliche unterhielten sich mit Erwachsenen aus verschiedenen Lebensbereichen.

Der Fußballtrainer Ali Binici erinnert sich, dass damals ein Großteil der Jugendlichen in Sportclubs waren. Und in seinem Betrieb war ein Großteil der KollegInnen Mitglied in einer Gewerkschaft. Dies sei heute nicht mehr so und deshalb gäbe es auch weniger gemeinsame Aktionen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Auch der Bildhauer und Maler Ercan Arslan beklagt, dass sich heute viele an gewalttätige Übergriffe durch Rechte gewöhnt hätten. Es gibt aber auch die gegenteilige Sichtweise: der junge Wissenschaftler Nikola Scutri betonte, dass mit der Änderung des Staatsangehörigkeitsrechtes ein wichtiger Schritt hin zu einem neuen Verständnis, wer deutsch ist, getan worden sei.

Und was soll man tun, wenn es doch nicht klappt mit dem friedlichen Miteinander? Weggucken, eingreifen, dazwischengehen oder einfach weglaufen? "Mein Vater wurde von einer Kugel getroffen, als er zwei Streitende trennen wollte. Es ist nicht so einfach, sich dafür zu entscheiden, dazwischen zu gehen", berichtete eine Schülerin. Sie habe aber nicht aufgegeben und würde sich schon im Vorfeld von Streitigkeiten einmischen, damit es erst gar nicht so weit komme.

Ein Zehnjähriger stimmt ihr zu: "Nein, einfach ist es nicht, aber", so fügt er hinzu, "man kann auch lernen, wie man Streit verhindert. So, wie wir Konfliktlotsen das gelernt haben."

Am Ende werden konkrete Vorschläge formuliert, wie der Alltag in Berlin gleichberechtigter und friedlicher gestaltet werden könnte. Sie reichen von der Forderung, Eltern sollten mehr Zeit für die Kinder haben, über den Wunsch, die Jugendeinrichtungen sollten mehr Geld bekommen, alle Kinder sollten gemeinsam kreativ werden, sich künstlerisch engagieren bis hin zu der Erwartung an die politisch Verantwortlichen, für ein besseres Klima des Miteinander zu sorgen.

Als die ersten Gäste zu der Preisverleihung kamen lief im Foyer der Dokumentarfilm: "So fremd - so tot", den die Filmemacherin Angelika Kettelhack und Ulrich Gellermann (Buch) in den ersten Wochen nach dem Tod von Mete Eksi über die Atmosphäre in Berlin erstellt hatten. Der ORB hatte den Film freundlicherweise zur Aufführung am Rande der Preisverleihung zur Verfügung gestellt.

Barbara John hielt die Laudatio auf die preisgekrönten und ausgezeichneten Gruppen.

Eine Anerkennungsurkunde ging an die AG Russisch der Gutenberg- Gesamtschule in Hohenschönhausen für ihr "Gomel-Projekt". Die Schülerinnen und Schüler haben eine Partnerschaft mit einem Waisenheim in Weißrussland aufgebaut. Sie unterstützen die dortigen Kinder durch Kleiderspenden und Schulmaterial, das dringend benötigt wird. Die Berliner SchülerInnen besuchen ihre Partner und laden diese auch nach Berlin ein. Die Kosten für die Anreise der Freundinnen und Freunde aus Weißrussland finanzieren sie über Spenden, die sie über Monate sammeln. Wir wollen sie dabei unterstützen. Ihre Kontonummer ist : Deutsche Bank, Kto. 788 985 001, BLZ 100 700 00, Stichwort "Hilfe für Gomel".

Traditionell unterstützen bildende Künstlerinnen und Künstler den Mete-Eksi-Fonds, indem sie den Gruppen, die eine Anerkennungsurkunde erhalten, eines ihrer Werke spenden. Diesmal ist es Ercan Arslan, der den SchülerInnen eines seiner Bilder überreicht.

Die zweite Anerkennungsurkunde bekam die Froebel-Kita "Aenne Saefkow" aus Friedrichshain. Fast 140 Kinder aus Berlin, Vietnam, Zaire und der Türkei spielen und lernen hier gemeinsam. Interkulturelles Lernen wird bewusst gefördert. Die Lebensumstände in den Herkunftsländern der Kinder werden einbezogen. Eltern kochen vietnamesisch oder spielen Musik aus Zaire. Die Malerin Serpil Yeter, die leider nicht anwesend sein konnte, spendete einen Druck für die ausgezeichnete Gruppe.

Der mit 7.500 Mark dotierte Mete- Eksi-Preis ging dieses Jahr nur an eine Gruppe: an die Berliner Konfliktlotsen für ihre ehrenamtliche Arbeit an den Schulen. Ein etwas ungewöhnlicher Preisträger, denn diese Gruppe umfasst rund 800 Kinder und Jugendliche! Etwa zwanzig von ihnen waren anwesend und nahmen stellvertretend für alle Konfliktlotsen in Berlin eine Urkunde und den Preis in Form eines Schecks entgegen. Mit dem Preis an diese Riesengruppe will das Kuratorium des Mete-Eksi-Fonds die Finanzierung eines großen Treffens aller Berliner Konfliktlotsen ermöglichen. Dort soll ein Erfahrungsaustausch organisiert werden, aber vor allem sollen sich die Lotsen ganz ohne Konflikte entspannen und einige schöne Stunden miteinander verbringen als kleine Belohnung für die wertvolle Arbeit, die sie tagtäglich, unbeachtet von der Öffentlichkeit leisten.

Bereits zum dritten Mal sorgten Jugendliche von der "Kreuzberger Musikalischen Aktion", KMA, für das musikalische Rahmenprogramm der Preisverleihung und stellten freundlicherweise die Licht- und Tontechnik zur Verfügung. Die "Deutsch-Türkische Unternehmervereinigung" hatte ein delikates Buffet gespendet, an dem sich lange Schlangen bildeten. Das Warten wurde reichlich belohnt.

Während sich die Tische im Foyer des Oberstufenzentrums Handel füllten, sorgte DJ Daniel Bax für die musikalische Untermalung. Unterbrochen wurde sie durch eine Tanzeinlage der Kinder von ANTENNE von der Kreuzberger Musikalischen Aktion. Und wenig später trat die Capoeira-Gruppe ABADA Berlin auf, die das Publikum mit ihrer kraft- und temperamentvollen Darbietung begeisterten. Leider waren beim letzten Teil der Veranstaltung nur noch wenige Schülerinnen und Schüler anwesend, so dass die Kreuzberger Musikalische Aktion früher als vorgesehen die Bühne räumte - es war aber auch ein langer Tag!

Zum zehnjährigen Jubiläum des Mete-Eksi-Fonds ist eine Broschüre erstellt worden, die die Geschichte des Fonds dokumentiert und alle bisherigen fünfzig PreisträgerInnen vorstellt. Leider waren bei der Preisverleihung ziemlich schnell die ausgelegten Exemplare vergriffen. Bei Interesse sind aber weitere Exemplare in der Geschäftsstelle der GEW erhältlich und können dort abgeholt werden.

Sanem Kleff

Laudatio

Barbara John, die Ausländerbeauftragte des Senats von Berlin. Aus ihrer Laudatio am 17. November 2001:

Ich denke, dass zu diesem Jubiläum ein Preisträger ausgezeichnet wird, der das Anliegen und das Ziel dieses Preises besonders deutlich verfolgt. In unserer Gesellschaft leben Menschen unterschiedlicher Nationalität, Herkunft, Religion, Sprache, Hautfarbe, und was es sonst noch für Unterscheidungskriterien gibt, zusammen. Sie müssen miteinander auskommen, dazu gibt es keine vernünftige Alternative. Es ist nichts Besonderes, nichts Exotisches, sondern Normalität. Zur Normalität gehört aber auch, dass wir nicht in einem Multi-Kulti-Idyll leben, in dem jeder jeden gern hat oder gar gern haben müsste. Das ist weltfremd und unrealistisch.

Menschen sind unterschiedlicher Ansicht, sie verfolgen unterschiedliche Lebensziele und Lebensstile. Es kommt zu Reibereien, zu Konflikten. Es ist nicht das Problem einer durch Vielfalt geprägten Gesellschaft, dass Gegensätze und Konflikte entstehen, sondern dass wir lernen, diese Gegensätze auszuhalten und Konflikte einzudämmen und in friedliche Bahnen zu lenken.

Ich freue mich, dass mit den Berliner Konfliktlotsen ein Projekt ausgezeichnet wird, dass jedem Schüler einen praktischen Weg vorzeichnet und ihm hilft, mit Konflikten umzugehen. Dieser Gedanke, aktiv Konflikte zu schlichten, ist das zentrale Anliegen des Mete-Eksi-Fonds.

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