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Nr. 06 / 2005: Mit Vollgas ins neue Zeitalter

Mit Vollgas ins neue Zeitalter

Das neue Schulgesetz weist den Weg, wie die Berliner Schulen sich mit Hilfe von Schulprogrammen und Evaluation wandeln sollen.

von Sigrid Baumgardt, verantwortliche Redakteurin der blz

Das neue Schulgesetz will leistungsstarke Schulen durch Schulprogramm und Evaluation, denn Qualität und Schule müssen kein Widerspruch sein.

Was soll ein Schulprogramm leisten?

Das Schulprogramm enthält die pädagogischen und organisatorischen Schwerpunktsetzungen, Ziele und Grundsätze, schulspezifische Rahmenbedingungen, eine Bestandsanalyse der schulischen und insbesondere der unterrichtlichen Prozesse, pädagogische Leitlinien bzw. ein Handlungskonzept zur Erfüllung des Rahmenplans. Dazu Unterrichts-, Personal- und pädagogische Entwicklung inklusive des Beratungs- und Fortbildungsbedarfs sowie die Schulstatistik mit Erfolgsquoten bzw. Misserfolgsquoten bei Abschlüssen, Versetzungen, Vergleichsarbeiten. Daraus dann abgeleitet Maßnahmen zur Förderung sowie die interne Evaluation des Programms, wofür einzelne Lehrkräfte sich jetzt schon qualifizieren. Und nicht zuletzt muss ein Plan zur finanziellen Absicherung des besonderen pädagogischen Profils erstellt werden.

Finanzierung als Nullsummenspiel

Laut Bildungsssenat ist dabei allerdings von den vorhandenen personellen, sächlichen und finanziellen Ressourcen auszugehen. Mit anderen Worten: alles soll kostenneutral sein. Entstehen zusätzliche Kosten, muss deren Finanzierung nachgewiesen sein. Immerhin setzen sich die finanziellen Ressourcen einer Schule ja aus sechs Komponenten zusammen, als da wären Schulhaushalt, man bemerke: an erster Stelle, aber dann kommen sofort Fördervereine, Erlöse aus schulischen Veranstaltungen, Sponsoring, Werbung, Modellversuche. Da wird doch wohl irgendwo was rauszuholen sein. Die Unterschiede der Schulen bei der Finanzkraft der Fördervereine werden nicht erwähnt.

Wer erstellt und genehmigt das Schulprogramm?

Die Schulleitung schlägt eine Steuerungsgruppe nach Anhörung der Gesamtkonferenz und Schulkonferenz vor. Alle Personengruppen sollen mitarbeiten, insbesondere soll es eine Schnittmenge zwischen Schulkonferenz und Steuerungsgruppe geben. Vor Abgabe des Schulprogramms soll es ein Beratungsgespräch zwischen Schulaufsicht und Schulleitung geben. Danach soll das erste Programm bis spätestens zum 1. September 2006 eingereicht werden. Die Schulaufsicht genehmigt dann das Programm, in dem sie nach Einreichung des Programms drei Monate lang schweigt. Die Schulaufsicht ist qua Amt qualifiziert für die Bewertung und Begutachtung: äußert sie sich, ist was faul. Nach der Genehmigung muss das Programm dann alle drei Jahre evaluiert und fortgeschrieben werden.

Smarte Bewertung

Wenn schon die Zeit sehr knapp ist und keine Finanzmittel bereit gestellt werden, was hilft dann den Schulen bei der Erfüllung des zentralen Auftrags Unterrichts-, Organisations- und Personalentwicklung zu betreiben, Erziehung und Schulleben zu gestalten? Das ist der Anlage der Ausführungsvorschrift zu entnehmen: Die Schulen rauschen mit einem SMART ins neue Zeitalter. S wie spezifisch, M wie messbar, A wie akzeptiert, R wie realistisch, T wie terminiert. Spezifisch sind die klar formulierten Ziele der Veränderung, die später messbar, von allen akzeptiert und realistisch sein müssen sowie genauestens terminiert.

Zum Punkt realistisch lässt sich sagen, dass die Flamme sehr klein ist, auf der gekocht wird. Einige Schulen werden es sich leicht machen und weite Teile des Schulprogramms aus dem Schulgesetz und den Rahmenplänen abschreiben, einige Schulen werden andere Quellen benutzen und diejenigen Schulen, die es ernst nehmen, werden bei den derzeitigen parallelen Reformanforderungen entweder nicht fertig oder sehr kleine Brötchen backen. Die einen hecheln ihren Programmen dann im Evaluationsprozess hinterher, die anderen haben vielleicht ein zu kleines Ziel in den Augen der Beurteilenden.

Aber zurück zu SMART: Die Autoindustrie hat es noch nie geschafft, ein Auto oder Qualitätsverbesserungen kostenneutral zu entwickeln. Schaut man sich die Liste der gewünschten Qualitätsverbesserungen für die Schulen an, muss aber in den Smart der Bildungsverwaltung vielmehr rein als Platz ist, denn bekanntlich ist der Smart ein Kleinstwagen. Deswegen heißt SMART wohl besser: Sparen Macht Alle Reformen Träge!

 

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