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Nr. 09 / 2005: Theater und Schule

Aufführungen kritisch gesehen

von Hans-Wolfgang Nickel

Die Spielwerkstatt hat nach ihrem Umzug in den Neuköllner Saalbau ein ambitioniertes, höchst notwendiges Projekt aufgelegt: die „Trilogie“ Soziales Lernen,  Sprache und Kommunikation, Mathematik - drei Stücke für die Schulanfangsphase als schulbezogene Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt. Zum ersten Thema treten „Herr Boese und Frau Lieblich“ auf, die zunächst holzschnittartig BOSheit und LIEBLICHkeit AN SICH verkörpern, in Spiel und Handlung aber mehr und mehr differenziert werden. Die Lieblichkeit wirkt entwaffnend, naiv, ohne Berechnung –  Herr Boese wird fast wieder zum (trotzigen) Kind in einem Mutter-Sohn-Verhältnis. Das ist für die ZuschauerInnen ein Spaß, unmittelbar nachzuvollziehen und sehr klar in der Darstellung von Kommunikationsstrukturen. Schließlich zwingen Naturgewalten von außen, im Sturm ist gegenseitige Hilfe erforderlich. Eine besondere Stärke des Stücks sind die mit der Handlung verbundenen, eingestreuten Tierszenen, die das „soziale Lernen“ witzig und eindrucksvoll wiederholen und variieren (ab 6). -
Robust-unterhaltsames Theater beim  Shakespeare-Sommer mit durchaus beachtlichen Ergebnissen. „Othello“ (Hexenkessel-Hoftheater im Monbijou-Park) ist spannend, reduziert die Zahl der Personen und verlegt die Handlung in gegenwärtiges, amerikanisches Armee-Milieu. Das führt einerseits zur Vergröberung, macht andererseits den Krieg mit seinen Verrohungen fasslich und fühlbar. Vor der Pause dominieren Jago und seine Intrige, nach der Pause konzentriert sich die Aufführung auf das Titelpaar: mit einer sehr starken, kämpferischen Desdemona und einem verwirrt-verlorenen Othello.
Auch bei „Hamlet“ im Zelt am Ostbahnhof wird Shakespeare realisiert mit wenigen Akteuren (in Doppel- und Mehrfachrollen – das ermöglicht interessante Nebenbeobachtungen). Die Geschichte wird direkt, packend, dramatisch dargestellt, das Publikum zeitweise direkt angespielt. Die  philosophische Ebene kommt ebenfalls nicht zu kurz: bis hin zu Heidegger! Sprachlich (und musikalisch!) bleiben die Schauspieler nahe an klassischen Übersetzungen, dazu kommen moderne Einsprengsel, die Shakespeare an die Gegenwart heranholen – also auch dies eine gute Einführung für SchülerInnen (ab 15). -
     

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