Reise nach Jerusalem
Erneut sollen Referendariatsplätze abgebaut werden: Die Betroffenen wehren sich mit einer phantasievollen Aktion.
von Andrea Scharfenort , Junge GEW
Bereits für das Jahr 2004 hatte der Berliner Senat die Streichung von 200 Referendariatsstellen geplant. Eine Gruppe junger Leute, die auf einen Referendariatsplatz warteten, führte damals zusammen mit der GEW eine Aktion dagegen durch und war erfolgreich: Die Streichung wurde vorläufig zurückgenommen. Nun, anderthalb Jahre später, steht diese Streichung wieder vor der Tür. Auch jetzt sind sehr viele junge Leute von dieser Kürzung betroffen und müssen mit jahrelangen Wartezeiten rechnen, um den zweiten Teil ihrer Ausbildung als Lehrkraft beenden zu können.
Unerfreuliche Fakten
Deshalb hatte die GEW BERLIN zusammen mit der Jungen GEW für den 10. Oktober zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um über die geplanten Streichungen zu informieren und um über Gegenmaßnahmen zu sprechen. Die Informationsveranstaltung war gut besucht. Die Fakten waren allerdings für die Anwesenden nicht erfreulich: Die Gesamtzahl der Referendariatsplätze für ganz Berlin soll von 1.700 auf 1.500 heruntergesetzt werden. Da zum nächsten Einstellungstermin im Februar voraussichtlich noch 1.230 Plätze besetzt sind, werden also nur 270 ReferendarInnen eingestellt werden können, wenn diese Kürzung durchkommt.
Das bedeutet, dass sich statistisch auf jeden Platz fünf BewerberInnen melden. Für mich ist diese Entwicklung besonders dramatisch, da ich bereits seit zwei Jahren auf den zweiten Teil meiner Ausbildung warte. Wenn andere KollegInnen nicht so lange warten wollen, müssen sie ihre Ausbildung in einem anderen Bundesland fortsetzen. Das Land Berlin gibt viel Geld für unser Studium aus, nutzt dann aber unsere erworbenen Kompetenzen nicht weiter. Auf der Informationsveranstaltung stellte die Junge GEW dann die geplante Aktion "Die Reise nach Jerusalem" vor.
Protest gegen Schwachsinn
Ein Stuhlkreis soll die freien Referendariatsplätze symbolisieren, die BewerberInnen laufen um die Stühle herum, während ein Bluesmusiker für Stimmung sorgt. Sobald die Musik aussetzt, muss sich jeder einen Platz erkämpfen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Zahl der Personen fünfmal höher ist als die Zahl der Stühle. Wer einen Platz ergattern kann, bekommt zur Belohnung ein "Plätzchen" (Keks). Wer leer ausgeht, muss sich mit einem "Spekulatius" abfinden und auf eine bessere Zukunft spekulieren.
Die Aktion fand viel Zuspruch. Viele wollten sich beteiligen, boten ihre Hilfe an. Sie freuten sich über die Gelegenheit, nicht mehr nur im stillen Kämmerlein zu meckern, sondern die Öffentlichkeit über die schlechte Einstellungssituation zu informieren, sich wehren zu können. Zur Vorbereitung kamen denn auch einige, die bisher noch nicht in der GEW aktiv waren, und haben fleißig Transparente gemalt. Trotz der schlechten Einstellungssituation war die Stimmung am 28. Oktober unter den 50 AktivistInnen super. Die "Reise nach Jerusalem" machte den Umstehenden die prekäre Lage der Lehramtsausbildung deutlich. Es ist im Moment leider schwachsinnig, was mit mir passiert. Man zahlt mir teures Hartz-IV-Geld aus einer Kasse des Staates, obwohl man doch dieses Geld aus einer anderen Kasse des Staates für einen Referendariatsplatz ausgeben könnte. Deshalb wird für mich doppelt bezahlt: Man zahlt jetzt die teure Wartezeit und später dann die Ausbildung. Wo ist da die Logik?
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