Böses Spiel
Mit den "Ein-Euro-Jobs" hat die Entwertung von Beschäftigung im Bildungsbereich eine neue Qualität erhalten.
von Ilse Schaad, GEW-Vorstandsbereich Tarif- und Beamtenpolitik
Bildung ist ein auf langfristige Entwicklung angelegter Prozess, der von den PädagogInnen in hohem Maße Professionalität und Verlässlichkeit verlangt. Das haben wir als GEW immer betont und betonen es auch heute.
Die Wirklichkeit in unserem Bildungswesen sieht schon lange ganz anders aus. Seit vielen Jahren beobachten wir, dass öffentliche Arbeitgeber und freie Träger ihr Personal zunehmend nur noch mit Fristverträgen und Honorarverträgen abspeisen. Statt sich auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren, müssen die Betroffenen sich dauernd fragen, wovon sie nächstes Jahr, nächsten Monat leben sollen - ganz zu schweigen von den pädagogischen Auswirkungen ständig wechselnder Bezugspersonen auf die Kinder und Jugendlichen. In Zeiten hoher und steigender Arbeitslosigkeit glauben Arbeitgeber, sich das leisten zu können. Mangels Alternativen sind viele gut qualifizierte und engagierte KollegInnen gezwungen, das böse Spiel jahrelang mitzumachen. Wer wird sich schon beschweren (oder gar in der GEW engagieren), wenn die nächste Vertragsverlängerung vor der Tür steht? Mit der Einführung der "Ein-Euro-Jobs" hat die Entwertung von Beschäftigung im Bildungsbereich eine ganz neue Qualität erhalten. Zu Hunderttausenden werden inzwischen Langzeitarbeitslose in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, in Schulen und in Hochschulen eingesetzt. Sie betreuen behinderte Kinder, verteilen Mittagessen in Schulkantinen oder bringen Bibliothekskataloge auf Vordermann.
Auf den ersten Blick scheint die Idee nicht so dumm: Die Arbeitslosen tun endlich etwas Sinnvolles, statt nur zu Hause herumzusitzen, nebenbei lernen sie dazu und bekommen ein kleines Taschengeld. Aber das ist zu kurz gedacht. Unbestritten, viele der "Ein-Euro-Jobber" sind tatsächlich froh über ihren "Ein-Euro-Job". Sie kommen mal wieder raus, und sie hoffen vielleicht auch, irgendwie doch noch den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Nicht wenige der "Langzeitarbeitslosen" sind schließlich gut qualifizierte und. motivierte Leute.
Die Chancen dafür stehen allerdings noch schlechter als zuvor: Für die "Arbeitgeber" dieser Arbeitsgelegenheiten ist es doch viel attraktiver, sich nach neun Monaten den/die nächste Arbeitslose zu "holen" - es sind ja genug da! -, anstatt festes, gut ausgebildetes und deshalb "teures" Personal einzustellen. Und was für ein Signal geht nach außen, wenn in Kitas und Schulen zunehmend angelernte Zusatzkräfte beschäftigt werden? Ist doch klar, so was kann doch jeder...
Wir als GEW müssen diese Entwicklungen sowohl aus unserem professionellen Selbstverständnis heraus als auch aus unserem Verständnis gewerkschaftlicher Interessenvertretung herraus bekämpfen, wo immer wir es können - schließlich sind wir die Bildungsgewerkschaft!
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