Deutsch-polnisches Seniorentreffen
Das GEW-Seminar in Frankfurt an der Oder und Sl/ubice förderte auch das europäische Bewusstsein.
von Horst Adam, Mitglied des SeniorInnenausschusses
Es war eine sehr gute Idee, das Seniorenseminar der GEW BERLIN im Oktober 2005 in Frankfurt an der Oder gemeinsam mit der Deutsch-Polnischen Seniorenakademie von Frankfurt und dessen Nachbarstaft Sl/ubice in beiden Grenzstädten zu veranstalten. Die gemeinsamen Treffen und Beratungen im Hotel, an der Europa-Universität Viadrina sowie am Collegium Polonicum in Sl/ubice vertieften die freundschaftlichen Beziehungen der älteren Generation zueinander und leisteten auch einen Beitrag zur Herausbildung eines europäischen Bewusstseins.
Forderungen für unsere Arbeit
Einleitend sprach Anne Jenter vom Hauptvorstand der GEW über die Aufgaben der Seniorenarbeit. Nach Analyse der gegenwärtigen Situation der Seniorenarbeit in Deutschland betonte sie, dass der Umbau des Sozialstaates nicht Sozialabbau bewirken darf. Er müsse rentnerfreundlich gestaltet werden. Sie forderte die überfällige Rentenangleichung Ost-West, bezogen auf den Rentenwert, ein besseres Angebot an Pflegedienstleistungen, bezahlbare ambulante Dienstleistungen, eine Vernetzungsstruktur für häuslich Pflegende und eine Dynamisierung der Pflegeversicherung. Zur Durchsetzung dieser Forderungen sei eine aktive Mitarbeit in der Bundesseniorenorganisation erforderlich. Für verrentete LehrerInnen regte sie zudem die Initiierung von Mentory-Projekten an, in denen pensionierte PädagogInnen Mentorentätigkeiten gegenüber jüngeren KollegInnen an Schulen ausüben.
In der Diskussion wurde die Vielfalt der SeniorInnenarbeit hervorgehoben, so z. B. thematische Veranstaltungen zur Hilfe nach dem Renteneintritt, zur Gesundheitsreform, zur Pflegeversicherung, zur Information und Beantragung von Pflegestufen, politische Diskussionen mit Vertretern von Parteien, Gespräche mit Schriftstellern, Erlernen oder Festigen von Fremdsprachen sowie Wanderungen und Fahrten. Besonderes Augenmerk solle von den Basisgruppen auch auf die KollegInnen gerichtet werden, die kurz vor dem Renteneintritt stehen oder gerade "JungrentnerInnen" geworden sind.
Von den KollegInnen der Frankfurter Seniorenakademie wurden wertvolle Erfahrungen der engen Zusammenarbeit mit polnischen KollegInnen aus Sl/ubice vermittelt. So finden regelmäßig gemeinsame Treffen mit polnischen KollegInnen, gemeinsame thematische Veranstaltungen, Sprachkurse für Deutsch und Polnisch mit der Tandem-Methode sowie kulturelle Veranstaltungen und Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten in Deutschland und Polen statt.
Deutsch-Polnischer Dialog
Der im April 2000 in Sl/ubice gebildete erste Seniorenrat in ganz Polen gründete gemeinsam mit dem Frankfurter Seniorenrat unter der Schirmherrschaft des Projektes "Deutsch-polnische Geschichte" e. V. im Juni 2000 die erste deutsch-polnische Seniorenakademie. Sie begann ihre Tätigkeit im Oktober 2000 anlässlich der 2. Lebuser Seniorenwoche in Sl/ubice, in diesem Jahr wurde sie bereits zum sechsten Mal durchgeführt. Die Praxis zeigt, dass die Form der Zusammenarbeit hilft, Vorurteile abzubauen, zwischenmenschliche Kontakte zu erweitern und gutnachbarschaftliche Beziehungen zu knüpfen, sogar bei noch bestehenden Sprachbarrieren, die aber von beiden Seiten schrittweise abgebaut werden.
Am 11. Oktober 2005 gab es dann am Collegium Polonicum ein Vortrag des Botschaftsrates der Republik Polen in Deutschland, Wojciech Patkowski, zum Thema "Deutsche und Polen gemeinsam in der Europäischen Union." Er hob die Entwicklung der politischen, kulturellen und Handelsbeziehungen zwischen beiden Staaten hervor. Dazu zähle, dass Deutschland größter Handelspartner Polens ist, über 500 Städtepartnerschaften bestehen und regelmäßig Kontakte, Begegnungen von mehr als einer Million Jugendlicher stattfinden. Als Probleme zwischen beiden Staaten nannte der Botschaftsrat die Pläne für ein Zentrum für Vertriebene in Berlin sowie die von der preußischen Treuhand erhobenen Entschädigungsansprüche gegenüber Polen. In einer anregenden Diskussion unterstrichen die TeilnehmerInnen die wachsende deutsch-polnische Freundschaft in lebendiger Weise. Sie wandten sich aber auch gegen einseitige Auffassungen, dass diese Freundschaft erst mit der politischen Wende im Jahre 1990 eingesetzt habe. Insbesondere KollegenInnen aus den neuen Bundesländern führten überzeugende Argumente und Belege an, dass sie bereits seit 1949 aktive freundschaftliche Beziehungen zu Polen pflegen.
Die interessanten Veranstaltungen und freundschaftlichen Gespräche mit den polnischen KollegInnen wurden durch einen gemütlichen gemeinsamen Abend abgeschlossen, wobei auch schon die nächsten gemeinsamen Vorhaben besprochen wurden. Nicht unerwähnt bleiben soll das kulturelle Rahmenprogramm. So besichtigten wir die Gertraude- und die Marienkirche mit dem neu installierten Fenster der Glasmalerei. Einen guten Einblick in das gesellschaftskritische Wirken des Dichters Heinrich von Kleist vermittelte uns der Besuch des gleichnamigen Museums. Für uns Teilnehmer war dieses Treffen, das ausgezeichnet organisiert war, ein großer Gewinn und eine gute Motivation für die weiteren Vorhaben.
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