GEW Berlin
GEW BERLIN
Home  
Aktuelles  
Adressen  
Downloads  
GEW-Zeugnis  
Gruppen|Gremien  
Informationen  
Inhalt  
Lehrproben  
Mitgliederportal  
Mitglied werden  
Seminare  
Service  
Themen  
Veranstaltungen  
Zeitschrift (blz)  
Impr./Kontakt  
Nr. 05/2002
Schwerpunkt: Pflegefall(e) Computer
Systemverwaltung - Streiflichter aus 16 Jahren Erfahrung

Neue Hardware, neue Software, Vernetzung der Schule, Schülerprojekte am PC. Der Systemverwalter soll's richten - ganz nebenbei.

An der Humboldtschule wird das Fach Informatik seit 1986 im Kurssystem unterrichtet. In diesem Jahr (2002) wollen wir in den Leistungskursbereich einsteigen. Bis etwa 1991 haben an unseren damals 9 Arbeitsplätzen etwa 48 Schüler und 3 Lehrer gearbeitet. Wir waren weit vom Internet und von e-mail entfernt, bekamen im Rahmen einer zentralen Beschaffung 1986 vom Senat einen Unix-Server mit 9 wartungsfreien Text-Terminals und wurden von der Schulverwaltung mit 4 Systemverwalterstunden ausgestattet. Das reichte, um kleinere technische Probleme zu beseitigen, Sicherheitskopien anzufertigen, sich im Bereich "Rechnersysteme" fortzubilden, besondere Arbeitsumgebungen für den Informatikunterricht zu entwickeln und in regelmäßigen Treffen Erfahrungen mit anderen Schulen auszutauschen.

Das Interesse am Informatikunterricht stieg, die Kursfrequenzen mussten angehoben und zusätzliche Kurse eingerichtet werden. Um die Anzahl der Arbeitsplätze zu vergrößern haben wir aus Kostengründen einzelne DOS-PC, zumeist vom Elternverein finanziert, hinzugekauft und mit einer Terminalsoftware versehen. Da musste man damals als Systemverwalter auch eine Weile stricken, um so etwas hinzubekommen. Das Geld jedenfalls reichte gerade für die Hardware und für die Softwaregrundausstattung.

Neue Technik - mehr Arbeit

Irgendwann war auch der Server "reif" und es musste eine Neubeschaffung durchgeführt werden. Bei der Planung der Neuanlage kam uns der Umstand zu Hilfe, dass die Zebis/BICS in Berlin damals gerade federführend nun auch für die Neuausstattung der ehemals ostberliner Schulen zuständig war und umfangreiche Tests von Rechner-Komplettanlagen unter schulischen Bedingungen durchgeführt hatte. So konnten wir - diesmal aus Bezirksmitteln finanziert - eine technisch ähnliche Anlage kaufen, wie sie die neu auszustattenden Schulen erhielten. Leider war der finanzielle Rahmen dann aber doch kleiner als bei der zentralen Beschaffung, so dass einige Kompromisse eingegangen werden mussten, die zu einer Reihe von technischen Problemen führten. In dieser Zeit habe ich oft nach Mitternacht die Schule verlassen (gut, dass ich mich mit dem Hausmeister verstehe) und sehr viel über die Tücken einer zentralen Windows 3.11 Installation und die Eigenschaften eines SCO-Servers gelernt. Als mir die Probleme zu viel wurden, habe ich mich noch einmal richtig hineingekniet und auf der Basis der vorhandenen Hardware eine völlige Neukonfiguration der Anlage vorgenommen, die einerseits endlich zu einem stabilen Betrieb führte und andererseits (für unseren Informatikunterricht unverzichtbar) Unixanwendungen auch mit grafischer Oberfläche alternativ zu Windows 3.11 erlaubte: Linux macht's (kostenlos) möglich.

Damals waren wir eine der ersten Schulen in Berlin, die ihren neuen e-mail-Anschluss (Telefonleitung mit Modem) verwendeten, um Briefpartnerschaften unterrichtlich einzusetzen. Dazu musste ich mich allerdings erst einmal in die Konfiguration einarbeiten und so manche technische Schwarte lesen, bis alles lief. Inzwischen waren aus den ehemals 48 Schülern etwa 200 geworden, die unsere Rechneranlage regelmäßig nutzten. Für Schüler und Kollegen mussten Schulungsveranstaltungen durchgeführt werden, um den Unterrichtserfolg zu sichern. Gleichzeitig meldete sich der Fachbereich Deutsch, der gerne ein paar DOS-Programme eines bekannten Schulbuchverlages zur Diktat-Übung einsetzen wollte. Ich habe wochenlang damit zu tun gehabt, damit diese nicht netzwerkfähige und recht teure Schullizenz mit ihrem idiotischen Kopierschutz und Installationszähler endlich lief. Ich habe mir geschworen, nie wieder Software von diesem Verlag zu kaufen!

Nun kam Schulen "ans" Netz. Danke für den neuen Server und danke für den ISDN-Anschluss. Die Serverinstallation mussten wir natürlich selbst machen, denn das Gerät sollte ja mit den vorhandenen Arbeitsplätzen zusammenspielen und dabei natürlich weiterhin die von uns für unseren Unterricht erforderlichen und bewährten Eigenschaften haben (win 3.11, Linux - X-Terminals auf 386er Basis). Benutzer neu einrichten, e-mail-Server-konfigurieren, ISDN-Router einrichten, Software installieren, Vernetzung der PCs realisieren usw. usw. Danke, dass ich dann noch den mehrseitigen Bericht über unsere durchgeführten Projekte schreiben durfte, damit die SAN-Leute auch etwas vorweisen konnten. Die Systemverwalterstunden wurden damals gerade von 4 auf 2 Stunden reduziert. Mein zweiter Projektbericht war übrigens schlicht eine Kopie des ersten Berichts mit neuem Datum. Hat keiner gemerkt, ging einfach nicht anders!

1997 haben wir aus dem Schuletat und mit Hilfe des Elternvereins einen zweiten Rechnerraum eingerichtet. Der Bezirk hat auch noch etwas dazugegeben. Das Geld reichte gerade für 12 PC und Kleinmaterial sowie die NT-Lizenzen. Kabel löten, Steckdosen ankleben, inzwischen vom Amt professionell verkabelt, 12 mal NT installieren, einmal Linux installieren und 11 mal über das Netz kopieren. Die Tricks hierfür stehen auch in keinem Handbuch, aber inzwischen auf meiner Homepage. Auf dem Server Samba installieren und lernen, wie man es so konfiguriert, dass die Rechner sowohl unter Linux, als auch unter NT dieselben Ressourcen zugeteilt bekommen, und dann, oh Schreck, versuchen, Windows "schülersicher" zu machen. NT wurde gewählt, weil man mit dem NT-Filesystem unix-ähnliche Zugriffsrechte vergeben kann, um die Installation zu schützen - eine Eigenschaft, die den Win95/98/ ME-Rechnern zum Leidwesen anderer Systemadministratoren fehlt. Aber leider gibt es - im Gegensatz zu Unix - hier keine vernünftigen Voreinstellungen. Völlig unsystematisch und allein abhängig von den jeweils installierten Programmen dürfen bestimmte Verzeichnisse schreibgeschützt werden, andere müssen unbedingt für alle beschreibbar bleiben. Eine unendliche experimentelle Aufgabe mit wenig Erfolg. Fast drei Wochen der großen Ferien, täglich zehn Stunden, gingen insgesamt für die Einrichtung des Raumes drauf. Dann die Einweihung.

Der neue Rechnerraum wurde gut angenommen. In den meisten Stunden war der Rechnerraum für unsere Schüler frei zugänglich, Dank der sorgfältigen Installation lief auch alles zuverlässig. Es stellte sich aber heraus, dass viele Multimedia-Programme, die die Kollegen einsetzen wollten, unter Windows NT dann doch nicht liefen.

Sechs Monate später: Windows NT raus, Windows 95 rein. Danke Microsoft! Lernen, wie man mit dem Policy-Editor umgeht, um auch unter Windows 95 die Installation wenigstens grob vor den Händen der phantasiereichen Schüler zu schützen. Einmal Win95 installieren, 11 mal per Netz auf die anderen Rechner transferieren - das dauert eine ganze Weile. Die Tricks, wie man das schafft (Linux macht's möglich) stehen natürlich in keinem Handbuch, aber auf meiner Homepage.

Hurra, das System läuft einigermaßen stabil. Unter Linux gibt's kaum mal Pannen, Windows musste schon mal alle drei Wochen neu installiert werden. Problem: Jeder Kollege will mal eben seine CDs einsetzen und die entsprechende Software installieren. Wie jeder weiß: nach einer bestimmten Anzahl von installierten Programmen kann man Windows nur platt machen.

Schulalltag: Password vergessen

Inzwischen nutzen über 600 Schüler und 40 Lehrer unsere Rechnerräume. "Ich hab' mein Passwort vergessen, ich krieg keine mails mehr, ich kann nichts mehr abspeichern." Ach ja, habe gerade Quotas eingerichtet, weil sonst die Platte immer zu 100 Prozent belegt ist. "Welchen Drucker muss ich wählen, um in Farbe zu drucken, morgen möchte ich mit meinen Schülern ins Internet." - Gut, ich bin um 8 Uhr da und mache die Einführung, Recherche kannst du dann alleine unterrichten.

Zwischendurch mal eine kleine Ingenieuraufgabe: Telefonkartenleser zur Erfassung der Seriennummern einbauen, wenn angemeldet, dann Türsummer betätigen. Anmeldung nur möglich, wenn Login vorhanden.

Inzwischen ächzt unser alter Rechnerraum, in dem vornehmlich der Informatikunterricht abläuft. Die alten 386 wollen nicht mehr, einer nach dem anderen fällt aus. Planung einer neuen Anlage. Firmen besuchen, Messen besuchen, Zeitschriften lesen, Leute von der BICS befragen, Internet durchstöbern, Geldquelle suchen. Hurra, die problemlose Lösung: Neuen, leistungsstärkeren Server einrichten (s.o.), und 12 Thin-Clients bestellen. Thin Clients werden geliefert und an die neue Verkabelung angeschlossen, jetzt TP mit Hub. Danke lieber Elternverein für die Genehmigung meines ausführlich begründeten Antrags! Der Techniker der Lieferfirma ist von den Socken: Geräte einschalten, auf X-Terminal-Betrieb schalten, IP-Adresse eintippen, BOAH und schon laufen auf allen Arbeitsplätzen die vorher auf dem Server installierten Programme (Star-Office, Gimp, Netscape, Java usw.). Keine Installation auf den Arbeitsplätzen, keine Wartungsprobleme, keine Probleme mit Schülerhänden. Danke CidS! für die Finanzierung dieser wirklich innovativen Geräte. Warum schenkt ihr nicht auch anderen Schulen solche schönen Dinge?

Der "neue alte" Rechnerraum wird gut angenommen. Kollegen wollen nun nicht mehr in den "neuen" PC-Raum, sondern in den Raum mit den festplattenlosen Thin Clients "Da weiß ich wenigstens, dass immer alles läuft". Inzwischen wird hier nicht nur Informatik unterrichtet, sondern auch ITG und "Technik und Natur" unter Linux (windowsfreie Zone).

Schüler-Einführungskurse für die Rechnerbenutzung im PC-Raum durchführen. Aufsichtsproblematik für die "Kleinen" regeln. Ich hab mein Passwort vergessen, ich bekomme keine mails mehr, ich kann nichts mehr speichern.

Ich habe mit meiner Klasse am Projekt SAW teilgenommen. Die Schülerarbeiten müssen jetzt ganz schnell gescannt und als Grafiken nach Dänemark geschickt werden. Kannst du mir helfen? - Die Mail ist nicht angekommen, die Bilder waren zu groß. Kannst du die Bilder in ein anderes Grafikformat umwandeln? - Die Mail ist angekommen, jetzt wollen sie aber auch noch eine CD mit den Bildern. Kannst du mir eine brennen?

Das Theater mit den Windowsinstallationen im PC-Raum musste ein Ende haben. Also: Dr. Kaisers PC-Wächter für die inzwischen 15 Geräte kaufen. Alle Festplatten neu partitionieren. Windows 98 installieren. Danke Microsoft! PC- Wächter aktivieren, Linux installieren. Warum geht das nicht so wie in der Anleitung beschrieben? Telefonieren, Telefonieren. Aha, also andersrum. Nun klappt's.

Nächstes Projekt: Inhouse-Vernetzung, Lehrerzimmer und alle Fachräume mit Rechnern ausstatten, über unseren vorhandenen Server ins Internet bringen, Beamer installieren ...

Senatsvorhaben

Zur Zeit wird beim Senat nach meinen Informationen gerade beschlossen, die restlich verbleibenden 1 bis 2 Systemverwalterstunden pro Oberschule zu streichen, gemäß der Überlegung, dass Kollegen mit abiturrelevantem Informatikunterricht in freiwilliger Selbstausbeutung schon dafür sorgen werden, dass ihre Anlagen funktionieren.

Eine tolle Idee ist: Firmen werden in Zukunft beauftragt, Reparaturen auszuführen. Das brauchen wir eigentlich nicht. Funktioniert ein Monitor wirklich nicht, haben wir ihn auch bisher schon gegen ein Reservegerät ausgetauscht und dann von einer Firma reparieren lassen. Die Computertechnik geht kaum kaputt, aber: wer installiert mir einen "zerschossenen" PC wieder so, dass er genau wie die anderen in unserem Netz arbeitet. Eine Fremdfirma kann nur eine "Standardinstallation aufspielen". Nur wer die Konfiguration der Anlage kennt, kann hier hilfreich sein. Für die meisten Arbeiten sind externe Kräfte nicht brauchbar.

ABM-Kräfte: OK, sie sind eine große Hilfe beim Löten und Schrauben. Ich bin auch wirklich dankbar, dass wir einen brauchbaren Mitarbeiter bekommen haben, der zuverlässig arbeitet. Aber bei Licht besehen, habe ich so ganz nebenbei im letzten Jahr kostenlos für den Senat oder für die betreffende ABM-Firma einen der Mitarbeiter zum Systemverwalter ausgebildet!

Wie sieht es in der großen weiten Welt aus?

Im Bundestag werden ca. 4000 PC und 150 Server eingesetzt. Um diese Anlage kümmert sich ein Referat mit fünf Unterabteilungen, allein für die Serverbetreuung sind etwa 30 Mitarbeiter zuständig. Außerdem sind dort noch 20 hochqualifizierte externe Experten tätig. In der Senatsschulverwaltung werden 80 PC von einer Vollzeitkraft verwaltet. Bei Siemens rechnet man etwa mit einer Vollzeitkraft für 70 Arbeitsplätze. Bedenkt man, dass die im Büroalltag auftretenden Anforderungen (in der Regel nutzen ein bis zwei Mitarbeiter jeweils einen Arbeitsplatz) nicht vergleichbar sind mit den Anforderungen an die Systemverwaltung, die sich daraus ergeben, dass Hunderte von Schülern und Lehrern mit ständig neuen Wünschen an zu installierender Software an den beispielsweise 50 Rechnern einer Schule arbeiten, so ist die Forderung nach einer halben Stelle pro Oberschule alles andere als übertrieben. Die oben vorgestellten Streiflichter zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Arbeiten dabei von technischem Personal übernommen werden kann, von dem man zudem fordern muss, dass es sich gut mit der Anlage auskennt und deshalb einer Schule fest zuzuordnen ist.

Wer sich in der Presse feiern lässt, weil er die Innovationen in die Schule trägt, muss auch dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Geldmangel hin, Geldmangel her.

Dr. Bernd Kokavecz
Humboldt-Oberschule (Gymnasium) Berlin-Tegel

zurück nach oben
Login
Registrieren
Hilfe
Beitragsquittung für 2011 ausdrucken
Mitmachen: Projekte
blz - die Zeitschrift der GEW BERLIN
Mediadaten
Terminplan
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
Wir über uns
Kalender 2012/2013 bestellen
Service und Beratung
Ich möchte Mitglied werden
Mitglieder werben Mitglieder
Markt / Kleinanzeigen
Zeugnisprogramm