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Nr. 05 / 2006: Aufführungen kritisch gesehen

Aufführungen kritisch gesehen

von Hans-Wolfgang Nickel

Im Bunker am Gesundbrunnen, ehemals von Ostarbeitern gebaut, spielt eine junge multikulturelle Gruppe „Ostarbeiter“ und zeigt nicht nur deren schlimmes Schicksal in Deutschland, sondern auch die Diskriminierungen nach der Rückkehr in die Sowjetunion bis zur Rehabilitation und zum Kampf um eine Entschädigung. Die Aufführung bringt starke, ruhige Bilder und konzentrierte historische Texte, die in aller Einfachheit für sich sprechen; sie ist verbunden mit einer Wanderung durch Bunkerräume und Gänge und wird ergänzt durch eine kleine Ausstellung. Das Ganze ist höchst sehenswert (und bildungswirksam! Ab 15 – Vorbereitung wichtig – möglichst in kleineren Gruppen!; Anmeldung/Information: Berliner Unterwelten e.V., 49 91 05-17 und 18). -

„Freudendienste“, eine Hau-Produktion, spielt im Freudenhaus auf der Treppe und in Zimmern verteilt über drei Stockwerke. Die eindrucksvolle Montage von Interview-Texten zeigt keine Einzelfiguren, sondern wird aus vielen Splittern thematisch geordnet, durchaus nicht „ideologisch“ in eine Richtung gedrängt, sondern offen und weit gefasst. Primäres Ziel ist, Öffentlichkeit herzustellen und die Freudendienerinnen aus dem Zwielicht des Verschwiegenen herauszuholen. Wichtig als Auseinandersetzung mit gegenwärtiger Realität (ab 18). -

Das Berliner Jugendtheater Strahl wird zum ‚global player’ mit einem offiziellen Beitrag zum Kunst- und Kulturprogramm der Fußball-WM und meistert mit Bravour ein aufwendiges Spektakel, das zum Teil in WM-Stadien (in Berlin in der Arena) aufgeführt wird. „Garuma“ behandelt musik- und tanzbetont die Geschichte eines brasilianischen Stürmer-Stars mit intensivem Training, Versuchungen des Erfolgs, Verletzungen, Absturz. Sie spricht auch von den Schattenseiten Brasiliens, zeigt aber vor allem Glanz und Glitzer. Geschickt werden Frauenrollen und jeweils andere Gruppen von Fußballern (also NICHT-Schauspieler!) mit einbezogen. Wenn freilich alles aufgedreht und aufgedonnert wird, wenn immer etwas „los“ sein muss, kommen die eigentlichen Qualitäten des Jugendtheaters (und Strahls) nicht zur Geltung: die klare nachvollziehbare Geschichte, der direkte Bezug zu Jugendlichen heute, Nachdenklichkeit und Intensität auch stiller Momente, Möglichkeiten zur Reflexion. Allzu vieles wird einfach nur gesagt und turbulent-oberflächlich überspielt (ab 12). -

„Maria Stuart“ in der Schaubühne hat dramatisch-spannende Szenen, aber auch ärgerliche Theatermätzchen. Gespielt wird in einem breiten Einheitsraum, der die unterschiedlichen Orte kaum klar macht und manchmal zu sinnlosen Aktionen zwingt. Für eine Erstbegegnung mit Maria Stuart also kaum geeignet.

     

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