Mut zum Unmut
Auch Lehrkräfte haben ein Recht auf eine gesunde Schule.
von Holger Dehring, Leiter des Referates Angestellten- und Beamtenrecht
Unter der Überschrift „Der Rektor als Hausmeister“ berichtete die Berliner Zeitung am 22. März von einer Protestveranstaltung Berliner SchulleiterInnen. Dort hatten SchulleiterInnen unter anderem auf die fehlende Ausstattung mit Sekretärinnen und Hausmeistern hingewiesen und eine spürbare Entlastung von der Unterrichtstätigkeit gefordert. Auch in der GEW BERLIN hat sich inzwischen wieder eine Vereinigung von SchulleiterInnen gebildet, um sich gegen die immer größer werdende Arbeitsbelastung zu wehren. Und was machen wir einfachen Lehrkräfte? Hat uns der Mut verlassen, um unsere berechtigten Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen? Haben sich alle zurückgezogen in irgendwelche Nischen?
Im GEW-Bezirk Tempelhof/Schöneberg wurde eine Umfrage zur Arbeitsbelastung von Lehrkräften durchgeführt. Die nachfolgenden Aussagen stammen aus dieser Befragung.
„Ich arbeite gerne und viel, weiß aber nicht, wie lange ich diese massive Belastung noch durchhalten kann.“
„Theorie und Praxis klaffen weit auseinander. Veränderungen sind nicht aus pädagogischen, sondern aus finanziellen Überlegungen erfolgt, das jedenfalls ist mein Eindruck.“
„Es hilft nichts, wenn Kinder getestet werden und ihnen danach nicht geholfen wird!“
„Schade, dass vorhandene Energien nicht in pädagogischer Arbeit enden, sondern in bürokratischer!“
„Bei der Schulreform ist von den wirklich entscheidenden Dingen keine Rede. Dazu hätten gehört: Eltern stärker in die Pflicht nehmen; Klassenfrequenzen drastisch senken bzw. kurzfristig mehr Teilungsstunden einführen; Senkung der Pflichtstunden der Lehrer; usw. Die letzten 30 Jahre Schulreformen und Schulversuche waren trotz anderer Verlautbarungen offensichtlich nicht erfolgreich. Das zeigt, dass schulische Strukturen verändert werden müssen, weil sonst jede Reform im Sande verlaufen wird.“
„Die Lehren aus PISA werden vor allem formalistisch gezogen, statt z.B. die Klassen kleiner zu machen oder das Stundendeputat zu senken.“
„Sehr gerne würde ich mich häufiger fortbilden, leider liegen die Angebote fast nur noch an Wochenenden oder spät am Nachmittag, so dass ich dann auf eine – dringend notwendige – Regenerationsphase verzichten müsste. Das kann ich in meinem Alter nicht mehr!“
„Die Schulreform wird auf Kosten der Gesundheit der Lehrer durchgeführt. Der organisatorische Vorlauf für die Schulreform (neue Rahmenpläne) ist zu kurz, unzureichende Fortbildungsangebote. Ich fühle mich im Stich gelassen!“
„Ich habe 380 Schüler!“
„Meine Wahrnehmung von Schulwirklichkeit (29 Jahre Schuldienst) deckt sich in keiner Weise mit der des Schulsenators oder des Tagesspiegels!“
„Unterstützung kommt vom Kollegium und von der Schulleitung, nicht vom Senat.“
Die Vorstellungen für eine konkrete Umsetzung von arbeitsentlastenden Maßnahmen sind unterschiedlich. Eines ist jedoch klar. Ohne gemeinsames Handeln werden wir nichts erreichen. Deshalb führt die GEW Berlin in den kommenden Wochen in allen Bezirken Foren, Gesprächsrunden und Mitgliederversammlungen zu diesem Thema durch.
Die Zeit ist günstig: Lasst uns gegenüber den politisch Verantwortlichen unsere Forderungen nach Arbeitsentlastung benennen! Nutzen wir die Vorwahlzeit zur aktiven Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation! Auch Lehrkräfte haben ein Recht auf eine gesunde Schule.
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