| Anmerkungen zur sinnvollen Gestaltung von Lehrerfortbildungen
Mit großem finanziellen Aufwand sind unsere Schulen mit Computern ausgestattet worden. Sollen diese Ausgaben nicht als eine der größten Fehlinvestitionen aller Zeiten in die Geschichte eingehen, dann ist es nicht nur dringend nötig für eine ausreichende professionelle Pflege und Wartung der Anlagen zu sorgen, es wäre auch endlich an der Zeit, systematische Schritte für den Einsatz der Anlagen im Fachunterricht zu unternehmen.
Kaum Software - keine ausreichende Fortbildung
Alle Erfahrungen zeigen, dass Schulungen dann besonders effektiv sind, wenn sie vor Ort, auf den Anlagen erfolgen, auf denen die Fortgebildeten dann auch tatsächlich arbeiten werden. Auch beim LISUM hat man dies erkannt und bietet für verschieden Fächer solche "vor Ort"-Schulungen an. Mit den geringen personellen Ressourcen, die dem Institut zur Verfügung stehen, dürfte es allerdings Jahrzehnte dauern, bis jede Berliner Schule tatsächlich die notwendigen Schulungen für alle Fachbereiche erhalten hat. Dies ist jedoch nicht weiter schlimm, da bisher auch kaum Software für den Einsatz im Fachunterricht angeschafft wurde. Hier sollen offensichtlich die Schule auf ihre "üppigen" Bücheretats zurückgreifen. Da kaum zu befürchten ist, dass dies erfolgen wird, braucht man sich über den Einsatz von Lernsoftware also eigentlich auch keine Gedanken zu machen.
Ineffektive Fortbildung bringt keinen Nutzen
Diese Erkenntnis war es wohl auch, die die Väter/Mütter des Projekts "Intel-Lehrer" dazu bewogen hat, beim Entwurf ihres Programms von vorneherein alleine auf das Arbeiten mit allgemeinen Werkzeugen zu setzen, eventuell in der irrigen Annahme, wenigstens für diese existierten Landeslizenzen.
Das Konzept sieht vor, dass die TeilnehmerInnen im Laufe von zwei Jahren lernen, im Internet zu recherchieren, über das Internet zu kommunizieren und Daten ansprechend zu präsentieren. Auf den ersten Blick ein durchaus gelungenes Konzept. Bei genauerem Hinsehen verliert es aber einiges an Glanz. Nicht nur, weil die Kurse selbstverständlich in den Ferien stattfinden. So berichten TeilnehmerInnen, dass die Schulung zwar sehr gut gemacht war, sie nun aber leider alles längst wieder vergessen hätten, denn die Bildbearbeitungs-Software, die sie im Kurs kennen gelernt haben, besäßen sie zu Hause natürlich nicht. Auch die Schulen sind nicht mit ihr ausgestattet worden. KollegInnen, die in den Herbstferien an einem ersten Modul teilgenommen haben, haben seit dem nichts mehr von CidS gehört. Der gesamte Ablauf dieser Fortbildung bleibt den TeilnehmerInnen undurchsichtig.
Kooperation Schule und Universität
Grundsätzlich erhebt sich die Frage, ob die Lehrerfortbildung künftig auf der Basis großzügiger Spenden kommerzieller Anbieter erfolgen soll. Ist die Lehrerbildung und auch die Lehrerfortbildung nicht eine wichtige staatliche Aufgabe? Wäre es nicht erstrebenswert, Kooperationen zwischen LISUM und den Berliner Hochschulen ins Leben zu rufen? An allen großen Berliner Universitäten beschäftigen sich Pädagogen und Didaktiker seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten mit dem sinnvollen Einsatz von Computern im Unterricht. Hier eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten der Kooperation, die die Wissenschaftler näher an die Schulpraxis holen und den Schulen neue
Nachhaltigkeit einfordern
Auch im Fortbildungsbereich sollte Wert auf Nachhaltigkeit und Kontinuität gelegt werden. Beides kann man nicht einkaufen. Bildung ist auch im EDV-Bereich keine Ware. Soll das Nutzen von Computern im Unterricht unserer Schulen zu einer Selbstverständlichkeit werden, dann ist das ein langer Prozess, der einer guten pädagogischen Begleitung bedarf. Eine Fortbildung im Erstellen von Power-Point-Grafiken schadet sicher niemandem, ihr Nutzen für den sinnvollen Einsatz von Computertechnik im Unterricht ist aber beschränkt.
Martina Brandes-Scholz |