| Notstandskonferenz für Schulen
Das Kollegium der 18. Grundschule Neukölln, einer Schule in einem sogenannten sozialen Brennpunkt im Norden Neuköllns, hat in einem Brief Bildungssenator Klaus Böger aufgefordert, die Realität zur Kenntnis zu nehmen und statt zu sparen endlich zu investieren. Wir zitieren aus dem letzten Teil des Briefes:
Was wir dringend brauchen, ist die Wertschätzung unserer Arbeit und nicht ständig neue Drohungen mit Arbeitszeiterhöhungen, Gehaltskürzungen, Abschaffung der Altersteilzeit usw. Was wir nicht brauchen, sind ständig neue, unausgegorene Ideen für die Grundschule, die mehr zum Vorzeigen für die Öffentlichkeit oder für die Presse und weniger für eine kontinuierliche Arbeit in einer Schule mit verlässlichen Bedingungen geeignet sind, als da wären z.B.
- Einführung eines Gütesiegels für Schulen (bekommen wir dann auch Schüler mit Gütesiegel?),
- Einführung von WUV im Schuljahr 1999/2000, Abschaffung von WuV im Schuljahr 2001/2002 und nun das neueste Gerücht: Wiedereinführung von WUV im Schuljahr 2002/2003
- Englisch ab der 3. oder gar ab der 1. Klasse, die nur neue Verunsicherung und neue Belastungen bringen ohne auch nur annähernd eine Lösung unsere täglichen Probleme darzustellen.
Wenn es den politisch Verantwortlichen nicht gelingt, die Schulen je nach ihrem sozialen Umfeld differenziert zu behandeln und mit mehr Geld und Engagement entschieden bessere Lernbedingungen zu schaffen, dann ist es auf Dauer nicht mehr akzeptabel so zu tun als seien wir eine "normale" Grundschule. Wir brauchen dann einen Sonderstatus als Ghetto- oder Slumschule.
Wir brauchen dringend eine Notstandskonferenz für Schulen im sozialen Brennpunkt, sonst besteht die Gefahr des völligen "Umkippens", sonst wachsen in unseren Schulen Menschen heran, die in dieser Gesellschaft chancenlos sind und keinen Platz finden, allein schon deshalb, weil sie die deutsche Sprache nur unzureichend beherrschen. Sie, als die politisch Verantwortlichen, sollten auch bedenken, dass die Folgekosten für eine verfehlte Schulpolitik enorm hoch sind.
Wir wissen, dass Berlin finanziell am Ende ist, wenn aber das Geld reicht, um die Fonds der Bankgesellschaft für Besserverdienende mit Steuermitteln zu sichern, dann können wir nur sagen: Unsere Notlage ist wesentlich größer, denn bei uns geht es nicht um Dividenden und Zinsen, sondern um Menschen, deren Zukunft auf dem Spiel steht und die sollten wichtiger sein als alles andere!
Kollegium der 18. G. Neukölln |