Referendariat für Quereinsteiger
Erste Erfahrungen aus Sicht einer Fachseminarleiterin.
von Ursula Wathling, OSZ Bürowirtschaft und Verwaltung
Die Einstellung von Lehrkräften ohne 2. Staatsexamen (auch ohne 1. Staatsexamen, aber mit gleichgestellten Hochschulabschlüssen), hängt von der Entwicklung von Angebot und Nachfrage auf dem (Berufsschul-)Lehrer-Arbeitsmarkt und den speziellen Bedarfen der berufsbildenden Schulen ab. Seit Februar 2006 nehmen die ersten Lehrer ohne volle Lehrbefähigung (LovL) die Möglichkeit des berufsbegleitenden Referendariats wahr, als Nachqualifizierung und mit der Möglichkeit, mit Bestehen des Zweiten Staatsexamens die Laufbahnbefähigung für den höheren Dienst zu erlangen. Die Teilnahme ist freiwillig.
Einige Fakten
Im kaufmännischen Bereich befinden sich im Moment 13 LovL im berufsbegleitenden Referendariat, im gewerblich-technischen 40. Sie erhalten wöchentlich sieben Stunden Unterrichtsermäßigung für die Teilnahme an zwei Fachseminaren und einem Allgemeinen Seminar. Es gibt Seminargruppen ausschließlich aus Quereinsteigern und gemischte Gruppen. Beide Organisationsformen haben Vor- und Nachteile, eine differenziertere Einschätzung sollte von den Teilnehmern selbst nach dem ersten Ausbildungsdurchgang abgegeben werden.
Obwohl die Bewerber in der Regel keine pädagogisch-didaktische Ausbildung, dafür aber berufspraktische Erfahrungen mitbringen, sie also über andere Qualifikationen als Bewerber mit 1. und 2. Staatsexamen verfügen, gibt es nach Willen der Bildungsverwaltung keine speziellen Regelungen; alle Anforderungen (Ausbildungsunterricht, Unterrichtsbesuche, schriftliche Prüfungsarbeit, Zweites Staatsexamen) sind identisch. Dies soll auch in Zukunft so bleiben.
Wie läuft es in der Praxis?
Grundsätzlich kann man sagen, dass die LovL zumeist langjährige Unterrichtserfahrung besitzen, gestandene Lehrerpersönlichkeiten sind und ihre fachlichen sowie methodisch-didaktischen Erfahrungen in die Seminare einbringen. Man lernt partnerschaftlich mit- und voneinander, dies gilt für mich als Fachseminarleiterin gleichermaßen. Fast alle haben bereits in der Vergangenheit eine pädagogische Fortbildung absolviert. Ein verkürztes Referendariat wäre damit möglich; die KollegInnen werden das aber nicht beantragen, weil sich die Fristen für die dennoch zu erbringenden Leistungen so reduzieren würden, dass es zu einer weiteren Steigerung der ohnehin sehr hohen Arbeitsbelastung kommen würde.
Hinsichtlich der Inhalte stelle ich fest, dass dringender fachlicher und methodisch-didaktischer Instruktions- und Beratungsbedarf im Fachseminar auftritt, wenn die KollegInnen das Fach in der berufsbegleitenden Ausbildung das erste Mal unterrichten. Häufig ist das Zweitfach neu, in manchen Fällen auch das Erstfach. Die notwendige Einarbeitung bringt zusätzliche Belastungen und Ängste mit sich: Hier sind inhaltliche und methodische Hinweise sowie menschliches Einfühlungsvermögen gefragt. Andererseits erwarten die im Fach lange tätigen KollegInnen wiederum zu Recht Beratung, die auch von erfahrenen SeminarleiterInnen nicht immer ohne Einarbeitung geleistet werden kann.
Wie es weitergehen müsste...
Berlin wird auch in Zukunft gerade an den berufsbildenden Schulen nicht auf Quereinsteiger verzichten können. Eine weitere Entlastung der KollegInnen von schulischen Dienstpflichten (vor allem eine größere Stundenermäßigung) ist ebenso wünschenswert wie eine flexible, stärker auf die individuellen Voraussetzungen der Teilnehmer ausgerichtete Ausbildung mit entsprechenden Ermessensspielräumen. Die Qualifikationen und Ausbildungsbedarfe erfordern grundsätzlich binnendifferenzierte, modularisierte Seminare; hierzu müssten Konzeptionen entwickelt werden. Leider gibt es in unserem Bereich keine hauptamtlichen Fachseminarleiter, die dabei planend und koordinierend wirken könnten. Die Stelle/n wurde/n gestrichen. Die Entscheidung sollte überprüft werden, denn gute Konzepte fallen nicht wie Manna vom Himmel!
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