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Nr. 12/2002
Individuelle Förderung kaum möglich
Neuer Personalschlüssel im Kita-Bereich.

Durch die neue Personal-Bemessung in den Kita-Horten und die Veränderung im Leitungsschlüssel, die erst ab Januar 2003 zum Tragen kommen sollten, aber jetzt schon umgesetzt werden, ist es in unserer Einrichtung nicht mehr möglich, die durch Fortbildung, Urlaub etc. entstandenen Personalausfälle zu kompensieren. Dadurch wird die Qualität unserer pädagogischen Arbeit massiv beeinträchtigt und entspricht nicht mehr unserem pädagogischen Anspruch.

Die konkrete Situation sieht folgendermaßen aus: Nach dem alten Schlüssel stehen unserer Kita drei Erzieherinnen für 48 Kinder zur Verfügung. Wegen Krankheit einer Kollegin sind im Moment aber für die 48 Kinder nur zwei Erzieherinnen da. Nach dem neuen Personalschlüssel bekäme die Kita nur noch zwei Erzieherinnen, fällt eine Kollegin aus, müsste eine Erzieherin allein die 48 Kinder betreuen.

Wieviel Zuwendung und individuelle Förderung dann jedem Kind zukommt, kann man sich leicht ausrechnen: Vor dem Hintergrund der PISA-Studie, der zunehmenden gesellschaftlichen Probleme und Herausforderungen und der individuellen Probleme der Kinder ist dies unvertretbar.

Wir wollten unseren Hortkindern eine fördernde und abwechslungsreiche Ferienzeit bieten und boten deshalb in den Herbstferien ein Ferienprogramm an. Die rege Teilnahme an diesem Programm hat mehrere Gründe: Zum einen ist es die Freude an besonderen Veranstaltungen und Aktivitäten, zum anderen sind aber kulturelle Aktivitäten für viele Familien kaum bezahlbar und erst durch Gruppenermäßigungen können Kinder am kulturellen Leben der Stadt teilnehmen oder die Natur erleben. Darüber hinaus haben Eltern natürlich nur beschränkt Urlaub und Großeltern stehen kaum noch zur Verfügung. Deswegen nimmt die Zahl der Kinder auch in den Ferien kaum ab.

Bei uns waren in den Ferien täglich zwischen 35 und 40 Kindern mit zwei Erzieherinnen unterwegs. Eine solch große Gruppe fällt natürlich auf und erzeugt sowohl Ablehnung als auch Mitgefühl bei den Passanten. Davon abgesehen ist es aber auch für uns extrem schwierig: Nach einem solchen Ausflugstag fühlen wir uns ausgebrannt. Es kostet Mühe, die große Gruppe zusammen zu halten, immer aufmerksam zu sein und trotzdem die Kinder unsere Anspannung nicht merken zu lassen.

Dies ist die Rückentwicklung zur Aufbewahranstalt! Auf diese Art und Weise zeigt unsere Gesellschaft und die Politik, was unsere Kinder uns wert sind!

Brigitte Dost-Ferreira, Nicola Rhode
Erzieherinnen an einer Kita im Wedding

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