Gemeinsam Kompetenzen entwickeln
Der Studientag Französisch/Spanisch an der FU fördert den Austausch zwischen Universität und Schule.
von Bettina Werner und Anne Wüstemann, studentische Hilfskräfte
SchülerInnen haben in Zukunft einen deutlicheren Anspruch auf guten Unterricht.“ Ist dies eine Drohung, die Bernd Tesch im vergangenen November beim Studientag in der Freien Universität (FU) gegenüber den anwesenden LehrerInnen äußert? Bernd Tesch vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) hält einen Vortrag über das Umsetzen der Bildungsstandards für die 1. Fremdsprache in die Praxis. Die Bildungsstandards seien eine Antwort auf PISA. „Im Gegenzug ist damit aber auch die Selbstverpflichtung (für Lernende) gemeint, die Angebote zu nutzen und durch eigene Anstrengung höhere Stufen anzustreben“, fährt der Qualitätsentwickler fort. Dieses Prinzip heiße in Frankreich „contrat pédagogique“ – eine Art Lehr-Lern-Vertrag zwischen Schülern und Lehrern. Wem das in den Ohren klingen mag wie eine Drohung, wie eine weitere Reform auf dem Rücken der LehrerInnen, bekommt auf dem „Studientag 1./2./3. Phase Französisch/Spanisch“ die Möglichkeit, darin eine Chance zu erkennen, mit der man nicht alleine gelassen wird.
Das Institut für die Didaktik der romanischen Sprachen (Prof. Dr. Daniela Caspari und Dr. Andrea Rössler) und die Koordinatorin der Fachseminare Französisch und Spanisch aus Tempelhof- Schöneberg, Edeltraud Jakwerth- Reyer, haben für diesen zweiten fremdsprachendidaktischen Studientag das Thema „Kompetenzen entwickeln und evaluieren“ ausgewählt. Dazu haben die Organisatorinnen auch ReferendarInnen eingeladen, die ihre kompetenzorientierten Unterrichtsreihen vorstellen und damit konkrete Anregungen für die Praxis geben.
Nachdem im letzen Herbst der Studien tag für die Fremdsprache Französisch zum Thema „Lesen und Sprechen“ auf große Resonanz gestoßen war, wurde der jüngste Studientag auf die Fremdsprache Spanisch ausgeweitet. Ziel der einmal jährlich stattfindenden Studientage soll sein, dass ein fachdidaktisches Thema theoretisch und praktisch intensiv beleuchtet wird. Dabei treten die Angehörigen der ersten, zweiten und dritten Phase – Studierende, Referendare und Lehrkräfte – miteinander in Kontakt und arbeiten gemeinsam. „Das ist ein Austausch, den es bundesweit noch viel zu selten gibt“, sagt Daniela Caspari. Das Feedback aller Beteiligten bestärken die Professorin und ihre Mitstreiterinnen darin, den Studientag langfristig zu etablieren. Wer noch an der Uni lernt und mit großem Respekt in Richtung Referendariat blickt, profitiert von den Gesprächen mit solchen, die gerade mitten drin stecken und deren Unterrichtsreihen zweierlei zeigen: Gut Ding will Weile haben – aber zur Belohnung gibt es anspruchsvollen Unterricht. Wer hingegen schon auf lange Unterrichtserfahrung zurückblickt, freut sich über Anregungen des Nachwuchses, der entsprechend seiner Ausbildung fachdidaktisch auf dem neuesten Stand ist. Die Möglichkeit zur Auseinandersetzung schafft schließlich Impulse für alle und einen Lehr-Lern- Vertrag nicht nur zwischen Schülern und Lehrern.
Theorie und Praxis
Je besser in Zukunft die Zusammenarbeit funktioniert, umso mehr wird sich das für Lernende und Lehrende schließlich lohnen. Ganz konkret zeigt sich das in der nachmittäglichen Arbeitsphase des Studientages: Ausgangspunkt hierfür ist eine vom Tempelhof- Schöneberger Fachseminar Französisch erarbeitete und erprobte Unterrichtseinheit zur Schulung der Lesekompetenz in der Sekundarstufe I. In Gruppen macht sich das Plenum daran, die Reihe mit ihren Aufgaben kritisch zu hinterfragen – eine Form des Umgangs mit Unterrichtsmaterial, die immer stärker Berufsalltag werden wird: Lehrwerksarbeit sollte in Zukunft nur noch den kleineren Anteil des Fremdsprachenunterrichts ausmachen – im Zuge der Individualisierung des Lernens sollen stattdessen von den Lehrenden in Kenntnis bewährter wie neuer fachdidaktischer Prinzipien selbst zusammengestellte Aufgaben und Unterrichtsreihen eine größere Bedeutung gewinnen. Wenn ein solch kritischer Umgang mit fertigen und selbst erstellten Unterrichtsmaterialien die Regel würde, wäre dies ein weiterer Schritt in eine Richtung, die Berlin bereits eingeschlagen hat.
Das Bundesland hat bereits einiges getan, um einen kompetenzorientierten Unterricht Wirklichkeit werden zu lassen, auch das zeigt der Studientag: Mit der Entwicklung einer neuen Generation von Rahmenlehrplänen und curricularen Vorgaben – von inputorientierten Stofflehrplänen zu outputorientierten Kompetenzlehrplänen – sowie einer Veränderung der Evaluationspraxis, z.B. durch die Einführung des standardisierten Mittleren Schulabschlusses in der 1. Fremdsprache und des Zentralabiturs in allen modernen Fremdsprachen, sind erste wichtige Schritte in Richtung Kompetenzorientierung getan. Eine Veränderung und Weiterentwicklung der Unterrichtspraxis bahnt sich so immer konkreter an.
Mit diesen neuen Anforderungen sollten die in der Schule Arbeitenden jedoch nicht allein gelassen werden. Externe und schulinterne Fortbildungsveranstaltungen sind notwendig, damit (angehende) Lehrkräfte die notwendigen Fertigkeiten erwerben, um den geforderten kompetenzorientierten Unterricht in die Tat umsetzen zu können. Daher wird auch im kommenden Semester wieder ein Studientag für Französisch und Spanisch angeboten – die Vorbereitungen sind bereits im vollen Gange.
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