| Mehr JÜL-Schulen, weniger Stunden.
An dem 1999 gestarteten Schulversuch nehmen bislang acht Grundschulen teil, die einen starken Andrang haben: Die Zahl der Eltern, die dort keinen Platz für ihre Kinder bekommen, verdoppelt sich jährlich. Deswegen hat Bildungssenator Klaus Böger weitere fünf Grundschulen für den Schulversuch Jahrgangsübergreifende Lerngruppen (JÜL) zugelassen.
Leider erhalten die neuen JÜL-Schulen wegen der haushaltspolitischen Lage aber keine zusätzlichen Lehrerstunden. Die acht bisherigen JÜL-Schulen müssen die Hälfte ihrer zusätzlichen Stunden zugunsten eines gemeinsamen Lehrerstunden-Pools abtreten, was zu großen Irritationen geführt hat: Einerseits zeugt die Ausweitung des Schulversuchs von Akzeptanz und Anerkennung, andererseits werden Stunden entzogen. Aber wenigstens stehen die Stunden weiter dem Projekt zur Verfügung.
Ermutigender Ansatz
Inzwischen können wir auch auf Zahlenmaterial zurückgreifen. Im Schulversuch JÜL sind zwei Prozent der SchülerInnen vorzeitig aufgerückt. Normalerweise sind dies in Berlin laut Statistik nur 0,05 Prozent, also eine verschwindend geringe Zahl. Staatssekretär Thomas Härtel bemerkte auf der letzten JÜL-Tagung dazu: "Auch wenn die Zahl der untersuchten Schüler sehr gering ist und somit statistisch nicht signifikant, ist doch der Ansatz ermutigend und zeugt von der tatsächlich praktizierten Binnendifferenzierung. Die Förderung für leistungsstarke und besonders begabte Kinder in dem Schulversuch scheint groß und vermutlich wird auch von der Möglichkeit des schnelleren Aufrückens eher Gebrauch gemacht, wenn die Schüler ihre soziale Gruppe nicht verlassen müssen."
Lehrkräfte gesucht!
Die Mehrzahl der JÜL-Schulen befinden sich im kommenden Schuljahr im Aufbau der zweiten Stufe, d.h., jahrgangsübergreifende Lerngruppen werden nun auch in den Jahrgangsstufen 4-6 gebildet. Schon im vergangenen Schuljahr war in diesem Bereich die Personaldecke dünn, denn in Berlin gibt es nicht genügend LehrerInnen, die Unterrichtserfahrung mit jahrgangsübergreifenden Lerngruppen haben. Um hier ein wenig zu helfen, bietet die GEW BERLIN am 4./5. April eine Fortbildung an: "In heterogenen Lerngruppen unterrichten. Wie soll das gehen?"
Schwerpunkt der Veranstaltung wird die Praxis des binnendifferenzierenden Unterrichts sein, immer orientiert an den Herausforderungen, die es im Unterrichtsalltag zu bewältigen gilt. Weitere Informationen bitte dem Veranstaltungshinweis auf der letzten Umschlagseite dieser blz entnehmen.
Rosemarie Stetten
Weitere Informationen, Tipps und Materialien zum Schulversuch gibt es bei Rosemarie Stetten (fachlich-pädagogische Begleitung), Tel.: 9022 4772, Fax: 9022 4141, E-mail: r.stetten@web.de oder unter http://bebis.cidsnet.de weiter unter Lernfelder/Grundschule oder bei der GEW BERLIN, Referat B, Sabine Dübbers: Tel.: 219993 57, Fax: 219993 50, E-mail: referatb@gew-berlin.de |