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Nr. 04-05 / 2007: Frauen in der Wissenschaft – eine „unendliche“ Geschichte

Frauen in der Wissenschaft – eine „unendliche“ Geschichte

Was hält die Frauen fern von den Spitzenpositionen?

von Heidi Degethoff de Campos, Zentrale Frauenbeauftragte der TU Berlin

Seit rund 100 Jahren ist es Frauen in Deutschland erlaubt, die Hochschulreife zu erwerben und ein Studium an einer Universität aufzunehmen. Für dieses Recht hatten die Frauen der ersten Frauenbewegung gekämpft und sie haben es selbstbewusst in Anspruch genommen; sie wurden Lehrerinnen, Chemikerinnen, Nationalökonominnen etc. 1923 wurde Margarete von Wrangell als erste Frau auf eine ordentliche Professur an der Universität Hohenheim berufen. Unter dem NS-Regime wurde diese Entwicklung radikal gekappt – Frauen durften nur noch 10 Prozent der Studentinnen stellen und durchaus nicht in allen Disziplinen eine wissenschaftliche Karriere betreiben.

Diesen Einbruch zu überwinden, hat knapp 50 Jahre gedauert: Noch zu Beginn der 1990er Jahre lag der Anteil der Studentinnen in den verschiedenen Studiengängen bundesweit zwischen 3 und 30 Prozent, der Anteil der Professorinnen bei 5 Prozent, auf den höchstdotierten C4-Professuren bei 3 Prozent. Im Jahr 2006 beträgt er bundesweit knapp 14, in Berlin knapp 20 Prozent. Immer noch vergleichsweise wenig, wenn man bedenkt, dass der Anteil studierender Frauen seit mehreren Jahren schon um 50 Prozent pendelt. Immerhin aber eine Verdrei- bzw. Vervierfachung in gut 15 Jahren, wenn auch nicht endgültig zufrieden stellend. Die Frage ist vor diesem Hintergrund, warum noch immer so wenige Frauen auf den höchsten Positionen in den Hochschulen anzutreffen sind, obwohl sie nicht nur zahlenmäßig ausreichend vorhanden sind, sondern auch noch die besseren Abschlüsse machen. Mit anderen Worten: Was hält die Frauen fern von den Spitzenpositionen, von denen, die Macht und Einfluss versprechen? Dazu gibt es schon seit Jahrzehnten Studien in Hülle und Fülle, die auf sehr unterschiedliche Weise sehr unterschiedliche Ergebnisse zutage förderten: Während sozio-biologistische Thesen die genetische Unzulänglichkeit von Frauen, Wissenschaft zu betreiben, feststellten, kamen soziologische und erziehungswissenschaftliche Studien zu der Erkenntnis, die weibliche Sozialisation sei für die Defizite der Frauen verantwortlich, andere wiederum thematisierten den männlichen Machtanspruch und die erfolgserprobten Seilschaften in den Machtkartellen.

Allen diesen Untersuchungen ist gemeinsam, dass sie den Blick auf die Frauen richten und das Problem ihrer Unterrepräsentation bei ihnen selbst suchen, der geringen Anzahl oder mangelnden Qualifikation der Frauen. Sie vermeiden damit, den Blick auf die Strukturen, die Institutionen und Fachkulturen zu richten, deren Ausschluss- bzw. Einschlussmechanismen sie zugleich ignorieren.

Denn: Wenn man die Karrierewege von Frauen und Männern in der Wissenschaft untersucht, sind wesentliche Unterschiede zu erkennen, wie Ayla Neu-    sel feststellt: Während auf den ersten Karrierestufen (Studienabschluss/ Promotion) die Frauen erfolgreicher sind als ihre männlichen Kollegen, kommt es auf dem Weg zur Habilitation zu Einbrüchen. Frauen erreichen später die Erstberufung als Männer und sie mussten laut ihrer eigenen Wahrnehmung erheblich höhere Leistungen erbringen, womit sie aber nicht die gleiche Anerkennung erreichten. An der mangelnden Qualifikation kann es also nicht liegen – vielmehr sind es strukturelle Barrieren, die den Aufstieg von Frauen erschweren.

Die Institution Hochschule weist in Deutschland – im Vergleich zu anderen europäischen Staaten – historisch und kulturell bedingte Strukturmerkmale auf, die die Karriere von Frauen erschweren bzw. fast unmöglich machen. Die frühe Professionalisierung von Forschung und Lehre hat nämlich schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem hohen Sozialprestige von akademischen Berufen und damit zu einer Elitebildung geführt, die verstärkt durch die Herrschaft des NS-Regimes zum Ausschluss von Frauen führten. Solche Ausschluss- bzw. Einschlussmechanismen lassen sich auch in den Fachkulturen finden, wie Petra Lucht am Beispiel der Physik nachweist: Weil Wissen im Rahmen von Forschungsprojekten gelehrt und gelernt wird, stellen sich innerhalb des sozial relativ informell gestalteten Ausbildungsvertrages persönliche Beziehungen her, die für den wissenschaftlichen Nachwuchs sehr wichtig sind. Aus diesen persönlichen Beziehungen lassen sich soziokulturelle Genealogien ableiten. Diese gleichen bei näherer Betrachtung mittelalterlichen Zünften. Das heißt, Fachkulturen werden als soziale Konstrukte entlarvt – was letztendlich die Frage aufwirft: Wie können die, die drinnen sind, sich dazu entschließen, die „anderen“ (z.B. Frauen) aufzunehmen?

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