| "Wir machen Berlin dicht!"
Der Kampf für einen Tarifvertrag bei der DEKRA-Akademie geht weiter.
Unter diesem Motto waren am 6. März in der siebten Streikwoche 150 KollegInnen aus 18 Standorten der DEKRA Akademie nach Berlin gereist. Zwar nicht ganz Berlin, aber das Ausbildungszentrum der DEKRA im alten Tempelhofer Flughafengebäude war ab dem frühen Morgen "dicht", der Unterricht fiel weitgehend aus. Um was ging es?
Die DEKRA Akademie ist einer der größten Träger der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung in Deutschland. Sie erhält in erheblichem Umfang öffentliche Mittel der Bundesanstalt für Arbeit und beschäftigt bundesweit über 1.000 MitarbeiterInnen in 120 Weiterbildungszentren, verweigert aber einen Tarifvertrag zur Regelung der Arbeitsbedingungen und Gehälter. Das ist bei großen Mitbewerbern anders, etwa beim Internationaler Bund für Sozialarbeit oder bei der Arbeiterwohlfahrt. Dort gibt es seit Jahrzehnten Tarifverträge.
Bei der Akademie dagegen wurden die Arbeitsbedingungen und Gehälter bei der Akademie durch Vereinbarungen mit dem Gesamtbetriebsrat geregelt. Damit war aber plötzlich vor drei Jahren Schluss: die Gehälter wurden eingefroren, Arbeitsbedingungen verschlechtert und Arbeitsplätze abgebaut. Gegen diese Willkür wehren sich die Beschäftigten mit der Forderung nach einem Tarifvertrag, der rechtlich bindende Mindestnormen fixiert.
Weil sich die Geschäftsleitung nach der erfolgreichen Urabstimmung für Arbeitskampfmaßnahmen Ende Januar 2003 "tot" stellte, ging die GEW zum unbefristeten Erzwingungsstreik über. Um den Ausbildungserfolg der überwiegend sozial benachteiligten Teilnehmer in den Kursen nicht zu gefährden, gab es zunächst nur kurzzeitige Streiks an einzelnen Standorten sowie zentrale Aktionen. Das scheint die Unternehmensleitung als Schwäche auszulegen. Deswegen wurde in Berlin die Daumenschraube etwas angedreht.
Am Nachmittag ging es weiter mit einer Demonstration vom Landesarbeitsamt in der Kochstraße über die Linden bis zum neuen "Superministerium" für Wirtschaft und Arbeit (man beachte die Reihenfolge.) Der Knaller war ein riesiger Luftballon in DEKRA-Grün mit der Aufschrift: "Wir wollen den Tarifvertrag!" GEW-Fahnen, witzige Transparente und die bewährten Sambaklänge von Terra Brasilis sorgten für zusätzlich für öffentliche Aufmerksamkeit.
Jetzt geht es mit Volldampf weiter: demnächst Stuttgart, dann Nürnberg... bis zum Tarifvertrag für die DEKRA-Kolleginnen!
Klaus Büscher |