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Nr. 06 / 2007: Aufführungen kritisch gesehen
Jeweils passend zur Jahreszeit und zum jüdischen Festkalender kombiniert das Jüdische Museum die eigenen Sammlungen mit theatralen Darbietungen. Unter dem Titel „Purim“ begegnen Kinder zum Beispiel einigen wenigen Exponaten, sodass sie sich wirklich intensiv und aktiv damit auseinandersetzen können. Abschließend agiert ein Puppentheater die grausige Geschichte von Haman und Esther dramatisch aus. Andere Möglichkeiten bieten die nächsten Ferienwerkstätten im Juli/August zu unterschiedlichen Themen und für unterschiedliche Altersgruppen (5-9 bis ab 14; Informationen unter 25 99 33 05, Bildung/Education). -

„B-Jugend“: Zwei Vierzehnjährige und ein Fußballfeld; zwei weibliche Fans. Das eine Pärchen vereinstreu an Sport interessiert, das andere überdies an Karriere und Geld: eine kleine Miss Beckham und ein „geträumter“ Fabinho. Für Spannung sorgt eine Aufstiegs-/Endspiel-Geschichte; Sport wird nicht nur auf der Bühne sichtbar gemacht oder über spielerische Reportagen, sondern sehr geschickt auch über Video-Einspielungen. Und zudem sorgt die temperamentvolle Aufführung im Grips (Werkstatt) für Aufklärung und wichtige Informationen, nicht zuletzt durch das auch optisch vorzügliche Programmheft (z.B.: Fast 2 Millionen Kinder und Jugendliche spielen Fußball; die 1. und 2. Liga zählt etwa 800 Profi-Fußballer. Aufstiegschancen?) (ab 14).-

Ebenfalls ab 14 spielt Theater Strahl „Von Liebe und Hochwasser“. Eine Science-fiction-Story als Rahmenhandlung führt zu spannenden, manchmal auch sehr komischen Abenteuern. Sie gibt Gelegenheit, wirklich globale, die ganze Erde betreffende Fragen zu stellen und die auf eine Katastrophe zulaufende Umweltproblematik INNERHALB von emotional eindringlichen Situationen kräftig und nachdrücklich zu formulieren, ohne dass ein „didaktischer Zeigefinger“ nervt. Gut damit verknüpft die sehr irdischen Realszenen in und vor einer Berliner Schule, die zur Rationalität der Sachfragen die menschliche Welt von Gefühl, Liebe, Streit, Angst, Kommunikation sichtbar und sinnfällig machen, also auch gegen die soziale Klimakatastrophe anspielen. Dank Science-fiction gibt es sogar ein happy ending – und viele Fragen und Anregungen zum Nach-Denken. -

Die Rote Grütze produziert wieder (Max und Moritz, Kreuzberg, Oranienstraße). „Papagehno“ geht von Mozarts Zauberflöte aus, ist aber eher eine Geschichte, die in der Rückerinnerung an Kindheit das Thema Tod behandelt und mit der Diskrepanz zwischen Kindergeburtstag, Verlust des Vaters und neuer Liebe spielt. Ein seltsamer Nachbar fungiert als gleichsam „therapeutischer“ Helfer (für ältere Jugendliche). -

Auch in Zeiten von Gender-Mainstreaming ist Geschlechterspott immer wieder und immer noch wirkungsvoll. Davon profitiert „Cavewoman“ im Admiralspalast. Das Solostück ist hervorragend durch die szenisch gekonnten Wechsel zwischen Spiel auf der Bühne und offener Kommunikation mit dem Publikum. Theatergruppen können also studieren, wie die 4. Wand funktioniert und wie sie sich aufheben lässt (ab 16). -

Bei den Spiel- und Theaterpädagogen der UdK hat Kristin Wardetzky in den letzten Jahren eine ganze Garde von jungen Erzählerinnen herangebildet, die schon seit geraumer Zeit sehr erfolgreich in Schulen arbeiten, ab und an auch öffentlich auftreten und jetzt in Zusammenarbeit mit der Tribüne jeweils montags einen regelmäßigen „Erzählabend“ eingerichtet haben, bei dem frau und man zuhören, aber auch selbst erzählen können. Zuletzt Kerstin Otto charmant-frivol (mit „Flattermäuschen“ nach Dario Fo – und noch besser mit einer improvisierten Geschichte) (ab 16). -

Überaus erfolgreich war das 7. Impro-Festival der Gorillas mit starker internationaler Beteiligung. Eine ganz andere Art von Improvisation erprobt jetzt das Orph-Theater. Die vier SpielerInnen haben kurze tänzerisch-performative Szenen vorbereitet, viele davon mit eher ungewöhnlichen Materialien (Gegenständen). Die Besucher sind aufgefordert, sich vor der Aufführung auf Fragestellungen, Wünsche, Ängste, Provokationen ... zu besinnen, diese zu formulieren und (anonym) abzugeben. Dann beginnt „In nomine“, im Namen des Publikums. Die Texte der Zuschauer werden improvisiert gesprochen, mit Bildern und Klängen kontrapunktiert oder ergänzt; die SpielerInnen montieren ihre Kurzszenen hinein. Das ist zumindest überraschend, manchmal eindrucksvoll, meist eher ernsthaft, langsam, intensiv  - alles andere als  ein Pointenfeuerwerk - und manchmal auch von ansehnlicher Belanglosigkeit (ab  Sek II).

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