| 10-jähriges Bestehen an der Humboldt-Universität wird mit Workshops und Veranstaltungen gefeiert.
Wer sie genauer kennt, weiß die Grundschulwerkstatt der Humboldt-Universität als eine innovative Stätte des Studiums und der Begegnung von LehramtsstudentInnen zu schätzen, deren Bedeutung weit über Lehrveranstaltungen hinaus reicht. Mit einem eigenständigen Profil versteht sie sich als Modell eines idealtypisch eingerichteten Klassenraumes, in dem Studierende selbstständig das Lernen entdecken können.
Das Besondere an ihr ist ihre Multifunktionalität und ihre Lebendigkeit. In ihr finden "herkömmliche" Lehrveranstaltungen genauso statt, wie solche zum Selbst-entdeckenden-Lernen, Workshops zu unterschiedlichsten Themen und Lernbereichen, Werkstattgespräche, Teamfortbildungen für Kitas oder Praktikumsschulen, Begegnungen mit PädagogInnen und WissenschaftlerInnen wie z.B. aus Japan, Finnland oder Afrika. Zweimal in der Woche ist die Grundschulwerkstatt für alle zur Nutzung und zum Selbststudium geöffnet und wird rege genutzt.
Die räumliche Verquickung mit dem angrenzenden Großraumbüro dreier HochschuldozentInnen ist bewusst kalkuliert und schafft den Kontakt und die notwendige Nähe zu der Zielgruppe. Bei offenen Türen sind nicht nur die Wege kürzer, sondern auch die Distanzen geringer, der Informationsfluss fließender, die wechselseitigen Impulse kreativer und die Hierarchie flacher. Hartmut Wedekind, Leiter der Grundschulwerkstatt, beschreibt dies gern als eine "Pädagogik in Augenhöhe".
Von Fall zu Fall dient das Büro als Erweiterung der Grundschulwerkstatt. Dann zum Beispiel, wenn StudentInnen Platz für eine zusätzliche Arbeitsgruppe oder einen zweiten PC brauchen oder ein Interview auf Video aufnehmen. Seit 10 Jahren sammeln sich hier jedes Semester neue Projektmappen an - dicke Ordner und visualisierte Präsentationsmaterialien - und sprengen längst die Lagerkapazitäten.
Diese verdichteten Lern- und Erfahrungsspuren verschiedener Arbeitsgruppen sind ein wichtiger Bestandteil der Grundschulwerkstatt und Ausdruck einer lernwerkstatttypischen Betonung von Erfahrungswissen statt reinem Buchwissen. Selbst das mittlerweile reiche Sortiment an Fachbüchern aus verschiedenen Lernbereichen orientiert sich mehrheitlich an der Praxis und nicht an abgehobener Theorie.
Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis wird in der Grundschulwerkstatt darüber hinaus zum einen durch die praktischen Möglichkeiten anhand der unterschiedlichsten Materialien gewährleistet - seien sie nun reformpädagogischer, thematischer oder didaktisch-methodischer Art - zum anderen in der Kooperation mit Schulen. Binnen eines Semesters wird regelmäßig StudentInnen die Möglichkeiten geboten, ihre Erfahrungen in Schulklassen umzusetzen und umgekehrt sammeln dieselben Schulklassen Lernerfahrungen in der Grundschulwerkstatt der Humboldt-Universität.
An solchen Tagen - wenn zusätzlich zu ca. 30 StudentInnen noch ca. 30 SchülerInnen und zahlreiche weitere Erwachsene den Raum bevölkern - brodelt es in der Grundschulwerkstatt ganz besonders. Mit diesem Höhepunkt am Ende eines Semesters schließt sich fürs erste der Erfahrungskreislauf. Nicht selten reichert er sich mit neuen Ideen, Gesprächen und Kontakten an und pulsiert in lebendiger Wechselwirkung.
Motor dieses (Im)pulsschlags ist zweifellos Hartmut Wedekind, der die Arbeit der Lernwerkstatt koordiniert und gemeinsam mit Elke Mirwald und Peter Sonnenburg immer wieder neue Ideen für die inhaltliche Ausgestaltung einer anderen, theoriegeleiteten und begleitenden, sehr authentischen und praxisorientierten Lehrerausbildung in einer Universität entwickelt und mit Verbündeten umsetzt.
Fast wäre bei all den Aktivitäten das 10-jährige Bestehen unbemerkt vorbei gegangen, wäre da nicht die dringende Notwendigkeit zu spüren gewesen - besonders nach PISA und den Forderungen nach einer Veränderung der Lehrerausbildung - im Rahmen einer Feier für alle mit geöffneten Lehrveranstaltungen für Gäste und einer Reihe von Workshops auf sich aufmerksam zu machen - und natürlich vor allem, um die innovative Kraft von Lernwerkstätten miteinander zu feiern.
Bitte vormerken: 12. bis 16. Mai. Ein detailliertes Programm erscheint im kommenden Heft.
Christine Albert |