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Nr. 09 / 2007: Gut vorbereitet war es nicht

Gut vorbereitet war es nicht

Die Pannen bei der Vorbereitung wurden durch gute Ergebnisse verschleiert.

vom Leistungskurs Politikwissenschaften des Gottfried-Keller-Gymnasiums

Zum Thema Schule gab es viele Meldungen im letzten Jahr. Rütli weckte selbst die verschlafensten Bürger und Politiker auf. Viel wurde diskutiert über Gewalt an Schulen, Hauptschulen und das Schulsystem an sich. Aber nicht nur hier liegt etwas im Argen, auch die diesjährigen Abiturienten sind mit ihrem neu eingeführten Zentralabitur Sorgenkinder und bekamen die Reformwut Deutschlands der letzten Jahre zu spüren.

Der Berliner Senat und allen voran der langjährige Bildungssenator Klaus Böger setzten sich für das Zentralabitur ein. Es sollte die perfekte Lösung für die zukünftig gesuchten Fachkräfte Deutschlands sein. Es sollte eine zentrale Prüfung in den Sprachen und Naturwissenschaften geben. Die SchülerInnen der Gymnasien sollten alle die gleichen Abiturklausuren schreiben und eine besondere Lernleistung, das 5. Prüfungsfach, erbringen. In seiner Intention ist dieser Vorschlag nicht zu bemängeln, nur die Umsetzung erfüllte nicht unsere Erwartungen.

Am 20. April 2007, dem Tag der ersten zentralen Prüfungen, wurden größtenteils positive Berichte laut, die allerdings kein Spiegel für die Vorbereitung dieser Prüfungen sein können. Denn waren die für den jetzigen 13. Jahrgang geltenden curricularen Vorgaben schon vor zwei Jahren bekannt, so wurden die genauen Vorgaben für das Zentral abitur erst zu Anfang des ersten Semesters publiziert. Hinzu kamen die sich ständig ändernden Bestimmungen. Die Lehrpläne für die Semester wurden neu gestaltet, frühere Oberthemen wurden zu Teilaspekten degradiert, sodass nicht alle Aspekte der erwarteten Anforderungen im Unterricht gut vorbereitet werden konnten.

Damit das Zentralabitur schon mal geübt und auf Herz und Nieren geprüft werden konnte, gab es das sogenannte Probeabitur. Im Fach Deutsch musste dafür noch schnell ein inhaltlicher Rahmen geschaffen werden. Einige Wochen vor den Prüfungen beschäftigten sich alle SchülerInnen Berlins mit der Prosa Büchners, die für das Abitur selbst nicht relevant war. Im Fach Mathematik traten die Komplikationen erst bei den Lösungsvorschlägen des Senats auf. Der Erwartungshorizont beinhaltete die falschen Lösungsvorgaben. Selbst die Prüfungsvorschriften zum richtigen Abitur unterlagen bis einen Monat vor den Prüfungen ständigen Änderungen. Ein Beispiel ist die Prüfungsordnung für die mündliche Prüfung des zweiten Aufgabenfeldes, dessen veränderter Ablauf den SchülerInnen erst wenige Wochen zuvor mitgeteilt wurde. Das neu eingeführte 5. Prüfungsfach muss-te ebenfalls erbracht werden. Für dieses war ein Prüfungszeitraum von Januar bis Juni vorgegeben. Je nach Umsetzung dieses Zeitraums in den Schulen hatten die SchülerInnen am Ende sehr unterschiedliche Vorbereitungszeiten für diesen Teil der Prüfung.

Zudem waren die Informationen über diese neu eingeführte Prüfungskomponente zunächst rar und ungenau. So erhielten die SchülerInnen, welche eine 20-seitige Seminararbeit schrieben, den Leitfaden für ihre Arbeit im Oktober 2006. Es wurde ihnen aber nahe gelegt, ihre Seminararbeit in den Monaten davor zu verfassen. Die Berechnung der Gesamtqualifikation und der Prüfungen konnte erst in der zweiten Woche der Osterferien durchgeführt werden, da das zu verwendende Computerprogramm von jeder Schule eigenhändig zu erstehen war und die Vorgaben des Senats ungenau waren. Das bedeutete, dass die Zulassungen erst nach den Osterferien vergeben werden konnten. So ging wichtige Zeit zum Lernen verloren.

Hoffen wir, dass die SchülerInnen den Anforderungen besser gerecht werden als der Senat. Erwartet werden Struktur, Disziplin, Zeiteinteilung und überlegtes – nicht voreiliges Handeln. Die Frage nach dem Sinn stellt sich für den Jahrgang 07 sowieso, denn bald gibt es in Berlin das zwölfjährige Abitur und eine „neue“ gymnasiale Oberstufe. Falls Sie sich je gefragt haben, was mit ihren Steuergeldern geschieht: Das Zentralabitur und der Berliner Bürokratismus lassen grüßen.

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