GEW Berlin
GEW BERLIN
Home  
Aktuelles  
Adressen  
Downloads  
GEW-Zeugnis  
Informationen  
Inhalt  
Lehrproben  
Mitgliederportal  
Mitglied werden  
Seminare  
Service  
Themen  
Veranstaltungen  
Zeitschrift (blz)  
Impr./Kontakt  
Nr. 11/1999
Arbeitszeit
Haste wieder keene Zeit?

Wie lange müssen LehrerInnen arbeiten, wie lange arbeiten sie tatsächlich und was fangen sie mit ihrer Arbeitszeit eigentlich an? Sind Lehrer wirklich faule Säcke? Wie viel Luft lässt uns unsere Arbeitszeit, um neue Modelle des Lernens und des Lehrens zu erproben?

Wenn LehrerInnen über ihre Arbeitszeit sprechen, wird zweierlei schnell deutlich: Fast jede/r fühlt sich stark belastet oder gar überlastet, auf der anderen Seite hat man das Gefühl, eigentlich müsste man noch viel mehr leisten, man wird mit der Arbeit nie so recht fertig. Das schlechte Gewissen nagt, da man doch tatsächlich auch mal gegen Mittag die Schule verlässt und so oft und so lange Ferien hat. Kaum eine LehrerIn weiß, wie viele Stunden er/sie wirklich in der Woche arbeitet. Rechnet man es den KollegInnen vor, so sind sie meist ungläubig und staunen.

Wie lange muss eine LehrerIn arbeiten?

LehrerInnen müssen wie alle Angestellten und Beamte des öffentlichen Dienstes pro Woche 38,5 Stunden arbeiten. Da sie mehr schulfreie (nicht unbedingt arbeitsfreie) Tage im Jahr haben als andere Arbeitnehmer Urlaub, wird diese Zeit umgerechnet auf die Schulwochen. Verschiedene Studien kommen dabei zu unterschiedlichen Zahlen. Zurzeit ist viel die Rede von der Jahresarbeitszeit der Lehrer. Bei den Verhandlungen zwischen der GEW BERLIN und der Senatsschulverwaltung wurde beispielsweise eine Jahresarbeitszeit von 1740 Zeitstunden zu Grunde gelegt. Wenn man diese Jahresarbeitszeit auf 40 Schulwochen verteilt, so erhält man eine Wochenarbeitszeit von 43,5 Zeitstunden. Mit dieser Wochenarbeitszeit sind dann alle unterrichtsfreien Zeiten abgegolten; und es besteht keine Veranlassung, ein schlechtes Gewissen zu zeigen, wenn man in den Ferien mal weniger oder gar nicht arbeitet. Leider wird oft vergessen, dass auch bei LehrerInnen Sonntage, Samstage und offizielle Feiertage reguläre freie Tage sind wie bei anderen Arbeitnehmern auch. Sie werden ihnen nicht als zusätzliche Freizeiten zur Verfügung gestellt. Als Beispiel können hier die Pfingstferien dienen, die meist nur einen einzigen wirklichen Ferientag enthalten. Die verfügbare Zeit außerhalb von Unterricht und Schulbelangen ist knapp. Ein "Mehr an Zeit" für die Schule ist kaum mehr drin.

Wie lange arbeitet eine LehrerIn tatsächlich?

Ich bin erst einmal von der auf jeden Fall in der Schule verbrachten Arbeitszeit ausgegangen. Hinzu kommen Organisationszeiten für die täglich anfallenden Erledigungen, die in der Schule erfolgen müssen. Die Restarbeitszeit verteilt sich auf den Arbeitsplatz Schule und den Arbeitsplatz zu Hause.

Mindestzeiten für die Organisation

Entgegen landläufigen Meinungen rennen bei uns die KollegInnen nicht sofort aus der Schule. Man nimmt sich Zeit, um noch dies und das zu erledigen; bzw. einige Dinge müssen in der Schule erledigt werden, weil diese Arbeiten nicht im heimischen Büro erledigt werden können. Es wird also aufgeräumt, Material weggebracht oder geholt, kopiert u.a. Auch aus den Klassen strömt man ja nicht wie der Pawlow'sche Hund aufs Klingelzeichen hin. Oft vergehen mindestens 10 bis 20 Minuten mit Aufräumarbeiten, Eintragen ins Klassenbuch, Gesprächen mit den Schülern, zu denen man im Laufe des Vormittags aus Zeitgründen nicht kommt. In diesen Mindestzeiten sind noch keine "Sitzungen" der Fachkonferenzen etc. enthalten.

Zeitaufwand für die Arbeit am Kind und Organisation

Es ergibt sich also ein Zeitaufwand von 32 vollen Zeitstunden und 5o Minuten in der Schule für die "Arbeit am Kind" und für den Bereich Organisatorisches. Darin sind keine Konferenzen und keine Arbeit am Schreibtisch enthalten.

Wenig Zeit für den großen Rest

Für die Vor- und Nachbereitung, das Besorgen von Materialien, Schreiben von Elternbriefen, Erstellen von Gutachten und Anträgen, Besprechungen der parallel arbeitenden Stufenlehrer, Fachkonferenzen, Gesamtkonferenzen, Elternsprechtage, Vorbereitung von Festen und Projekten, Teilnahme an den Schulgremien, Telefonate mit Eltern und Ämtern etc. verbleibt von den 43,5 Zeitstunden nach Abzug der Arbeitszeit am Kind und für die Organisation eine Restarbeitszeit von 10 Zeitstunden und 40 Minuten pro Woche. Das entspricht einer zusätzlichen täglichen Arbeitszeit von 2 Zeitstunden und 8 Minuten, wenn man diese Zeit ganz gleichmäßig auf die Woche verteilen würde. Diese Zeit wird für Arbeiten am heimischen Schreibtisch bzw. für alle anfallenden Sitzungen, die die Schule betreffen, benötigt. Sonnabend und Sonntag hätten wir dann mit Fug und Recht frei und die Regelarbeitszeit von 43,5 Stunden wäre erbracht. Diese Restarbeitszeit reicht natürlich nie aus für alle anfallenden Arbeiten, wie man leicht ersehen kann.

Dabei ist uns selbst oft gar nicht klar, wie viel Zeit allein ein einziger Aufsatz oder eine Mathearbeit, ein Stoß Erdkundehefter beim Korrigieren und Durchsehen verschlingen. Da geht ganz locker die Restarbeitszeit einer ganzen Woche dahin, bei längeren Aufsätzen auch die Restarbeitszeit von zwei Wochen. Dabei scheint es mir wenig Sinn zu machen, hier an der Qualität der Korrekturen zu sparen. Auch das Telefonieren mit Eltern verschlingt viel Zeit. Diese Gespräche sind mitnichten Privatvergnügen in der Freizeit, sondern Teil unserer Arbeit. Ein einziger Elternsprechtag verschlingt die Rest-Arbeitszeit einer ganzen Woche.

Angst vor noch größerer Belastung als Hemmschuh für Veränderungen

Vielen LehrerInnen - besonders auch im Grundschulbereich - ist immer noch nicht klar, in welchem Maß sie über eine normale Arbeitszeit hinaus arbeiten. Bedingt durch die variable Arbeitszeit und den Arbeitsplatzwechsel von der Schule an den häuslichen Schreibtisch lassen wir uns immer noch ein schlechtes Gewissen einreden. Es bestreitet niemand, dass es auch bei uns schwarze Schafe gibt - wie in jeder anderen Berufsgruppe auch. Der überwiegende Teil neigt aber eher zur Selbstausbeutung. Bedauerlich bleibt dabei nur, dass durch diesen Arbeitsaufwand die Rahmenbedingungen nicht verändert werden.

Die individuelle Belastung ist bei den meisten LehrerInnen um die Fünfzig so groß, dass keine Kraft für einen noch größeren Arbeitseinsatz übrig bleibt. Die Angst vor Mehrbelastung verhindert oft, dass sich LehrerInnen für eine Veränderung der Schulsituation stark machen, obwohl viele von uns die Missstände klar sehen und fühlen und gerne eine andere Schule hätten.

Was helfen kann

Wünscht man sich eine veränderte Schule, so kann dies nicht zum Nulltarif gehen. LehrerInnen können nicht einfach immer weiter belastet werden. Die Stundenerhöhung im Rahmen der Arbeitszeitkonten haben keine Entlastung für die Schule gebracht. Deswegen fällt nicht weniger Unterricht aus. Nur die Belastung der KollegInnen ist weiter gestiegen und das führt zu erhöhtem Druck. An unserer Schule ist es schon längst üblich, dass zwei Springstunden zusätzlich zum Stundendeputat im Plan der KollegInnen verankert werden, um genügend Leute für den Vertretungsunterricht zur Verfügung zu haben. Eine ernsthafte Entlastung hat dies nicht zur Folge. Es musste und muss noch viel zu häufig in die Teilungsstunden eingegriffen werden, weil Vertretungslehrer fehlen. Manche Teilungsstunden finden im Jahr viel zu selten statt, weil die LehrerInnen dauernd in anderen Klassen eingesetzt werden. Als Mehrarbeit wird dieser Arbeitsaufwand natürlich nicht verbucht. Die Qualität von Bildung und Erziehung leidet aber darunter. Deutliche Zusagen von Senatsseite, dass für die Erprobung von Modellversuchen, die Erhöhung der Arbeitszeit und die fest im Plan verankerte zusätzliche Anwesenheitspflicht arbeitsentlastende Maßnahmen tariflich vereinbart und nicht nur versprochen oder gar nur angedacht werden, würden Kollegien viel eher motivieren, aktiv zu werden. Es hilft aber sicher auch eine breite Diskussion darüber, an welchen Stellen unsere Schulen von alten und neuen Hemmschuhen entlastet werden könnten und ganz dringend auch entlastet werden sollten. Dazu gehört das Ausfüllen überflüssiger Statistikbögen genauso wie die dringende Überarbeitung von Rahmenplänen, aber auch das Einrichten von Arbeitsplätzen an der Schule und die Ausstattung mit den schlichtesten Grundmaterialien. Dazu gehören zum Beispiel so einfache Dinge wie ein zweites Telefon. Aber selbst für diese Diskussionen sind Zeit und Kraft nötig. So sinnvoll die KollegInnen eine Auseinandersetzung finden, so oft ertönt einem entgegen: "Ich würd' ja gerne, aber... . Und dann steht man da und sagt: Haste keene Zeit?"

Gratwanderung zwischen Arbeit und Privatleben

Kaum ein Lehrer sieht beim Arbeiten außerhalb des Unterrichts dauernd auf die Uhr. Wenn die Arbeit am heimischen Schreibtisch erledigt wird, lässt sich die tatsächliche Arbeitszeit oft schwer kontrollieren. Phasen der schriftlichen Arbeit wechseln sich ab mit dem Gang, um z.B. Fotokarton für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien zu besorgen. Dabei wird gleich die fehlende Butter mitgebracht. Ist das nun Arbeit oder Freizeit? Zwischendurch kümmert man sich um die eigene Familie. Denn die eigenen Kinder lassen sich nicht aus der Wohnung verbannen oder ruhig stellen, solange das Lehrerelternteil arbeiten muss. Zwischendurch klingelt das Telefon. Eine Kollegin fragt etwas zum Unterricht am nächsten Tag. Etwas Klatsch wird ausgetauscht. Arbeit oder Privatvergnügen?

Immer mehr KollegInnen unseres Alters müssen inzwischen - wie andere Menschen auch - verstärkt Eltern unterstützen, die Hilfen benötigen. Oder man möchte sich auch mal um die Enkel kümmern, wenn die eigenen Kinder schon groß sind. Und die Kummer gewohnten Freunde fragen oft: "Haste wieder keene Zeit?" Die Schule droht uns aufzufressen. Besser wird die Bildung davon auch nicht.

Bettina Liedtke

Zeit

Mo

Di

Mi

Do

Fr

7 bis 7.50

Anwesend ab 7.20, um zu kopieren, Material bereit zu legen, für Gespräche mit Kollegen und Eltern

7.50 - 8.00

Betreuung der 1. Klasse nach dem neuen Schulanfangsphasen-Modell

8 - 8.45

X

X

Kein Unterricht

X

X

8.55 - 9.35

Bereitschaft für Vertretung

X

X

X

X

9.55 - 10.40

X

Bereitschaft für Vertretung

 

X

X

10.45 - 11.30

X

X

X

X

X

11.50 - 12.35

X

X

X

X

X

12.40 - 13.25

 

X

X

X

 

13.30 - 14.15

   

X

   

Zusätzliche. Mindestzeit für Organisatorisches

Ca. 40 Min.

Ca. 20 Min.

Ca. 20 Min.

Ca. 20 Min.

Ca. 45 Min.

Zeitaufwand in Zeitstunden

6 Std. 45 Min.

6 Std. 25 Min.

7 Std. 15 Min

6 Std. 25 Min.

6 Std.

Restarbeitszeit für alle Sitzungen und die Arbeit am Schreibtisch

1 Std. 55 Min. Fachkonfe-renz Bio/Ek

2 Std. 15 Min. Stufenlehrer-konferenz 1. Klassen

1 Std. 25 Min. Elternge-spräche

2 Std. 15 Min. Projektplanung

2 Std. 40 Min. Planung für die Integration

Gesamtarbeits-zeit

8 Std. 40 Min.

8 Std. 40 Min.

8 Std. 40 Min.

8 Std. 40 Min.

8 Std. 40 Min.

X bedeutet im oben aufgeführten Stundenplan die Fachbereiche Mathematik, Deutsch, Sachkunde, Musik und BK in eine 1. Klasse, einschließlich Förder- und Teilungsstunden (Klasse mit 26 Lernenden, 2 Teilungsstunden) und die Fächer Biologie, Geschichte, Erdkunde in einer fünften Klasse (Integrationsklasse mit 23 Lernenden)

zurück nach oben
Login
Registrieren
Hilfe
Beitragsquittung für 2011 ausdrucken
Mitmachen: Projekte
blz - die Zeitschrift der GEW BERLIN
Mediadaten
Terminplan
Jahrgang 2012
Jahrgang 2011
Jahrgang 2010
Jahrgang 2009
Jahrgang 2008
Jahrgang 2007
Jahrgang 2006
Jahrgang 2005
Jahrgang 2004
Jahrgang 2003
Jahrgang 2002
Jahrgang 2001
Jahrgang 2000
Jahrgang 1999
Wir über uns
Kalender 2011/2012 bestellen
Service und Beratung
Ich möchte Mitglied werden
Mitglieder werben Mitglieder
Markt / Kleinanzeigen
Zeugnisprogramm