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Presseerklärungen der GEW BERLIN 2014

Jahrelange Ignoranz tritt jetzt zutage: Lehrkräftemangel erfordert noch mehr Quereinsteiger/-innen

Die Einstellung von Lehrkräften in den Berliner Schuldienst ist erstmalig für alle Fächer der Berliner Schule mit Ausnahme von Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde für Quereinsteiger/-innen geöffnet worden. Die Bewerber/-innen müssen über ein Diplom-, Magister-, oder Masterabschluss einer Universität oder Fachhochschule in einem Unterrichtsfach der Berliner Schule verfügen. Zusätzlich müssen sie ein zweites Studienfach, das einem Fach der Berliner Schule zugeordnet werden kann, mit angemessenem Studienumfang von mindestens 20 Semesterwochenstunden beziehungsweise 30 Leistungspunkten ( ECTS) studiert haben. Das zweite Fach kann auch durch berufsbegleitende Studien erworben werden. 1.200 Bewerberinnen mit unterschiedlichsten Qualifikationen und beruflichen Hintergründen haben bereits die Chance ergriffen und sich beworben.

Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW BERLIN: „Die Not auf dem Lehrkräftearbeitsmarkt in Berlin ist so groß wie in den letzten 20 Jahren nicht. Der bereits festgestellte Bedarf von 2.200 Vollzeit-Lehrkräften im Jahr 2014 dürfte am Ende noch höher liegen, da noch nicht klar ist, wie viele Lehrkräfte ihre Arbeitszeitkonten ausgleichen werden. Dabei war der Mangel angesichts des hohen Durchschnittsalters der Berliner Lehrkräfte vorhersehbar. Die Berliner Politik hat davor jahrelang die Augen verschlossen und nicht frühzeitig dafür gesorgt, dass ausreichend Nachwuchs ausgebildet wird. Diese Ignoranz rächt sich jetzt. Der Bedarf ist bei Weitem nicht durch voll ausgebildete Lehrkräfte zu decken. Lediglich 650 beenden zum Sommer ihr Referendariat. Die Anwerbung von Lehrkräften aus anderen Bundesländern kann die Not kaum lindern.

Berlin muss jetzt alles tun, um trotz dieser Notmaßnahme die Qualität des Unterrichts sicherzustellen. “

Die Quereinsteiger/-innen werden mit Vollzeitverträgen 26 bzw. 28 Stunden Unterricht von Anfang an erteilen müssen. Kommen sie ins Referendariat, werden sieben Stunden für die Zeiten der Ausbildung reduziert. Starten sie in den Beruf mit nur einem Fach, kommt zur Tätigkeit an den Schulen die Verpflichtung zum Erwerb des zweiten Fachs.

Sigrid Baumgardt: „ Alle Seiten brauchen Unterstützung, um dieser Herausforderung gerecht zu werden, die Schulen und die Quereinsteiger/-innen. Die Schulen müssen mit Mentor/-innen den Einstieg mindestens im ersten Jahr absichern. Dafür braucht es Zeit und Ressourcen. Die Quereinsteiger/-innen brauchen Zeit für Hospitationen und gegebenenfalls für den Erwerb eines zweiten Fachs. Hier ist noch vieles offen. Genau wie zu den Fragen der Verfahren und der Kapazitäten im Zusammenhang mit dem berufsbegleitenden Referendariat. Zum Aufatmen ist es erheblich zu früh.“