Mitgliederbereich

Passworthilfe

Besonderheiten im berufsbegleitenden Referendariat

Letzte Aktualisierung: 17.05.2019

Ansprechpartner/in bei Rückfragen: Matthias Jähne

Besonderheiten im berufsbegleitenden Referendariat

Aufgrund des hohen Lehrkräftebedarfs wird Berlin auch in nächster Zeit „Quereinsteiger*innen“ einstellen, die ihr Referendariat berufsbegleitend absolvieren.

Der Ablauf und die Struktur des Referendariats (einschließlich der Prüfungen) sind mit dem regulären Referendariat identisch. Demzufolge gelten für die Ausbildung (bis auf wenige Ausnahmen) die Vorschriften der Verordnung Vorbereitungsdienst und Staatsprüfung.
Es gibt aber ein paar wichtige Unterschiede, auf die nachfolgend eingegangen wird.

Arbeitsverhältnis statt Verbeamtung auf Widerruf

Die Einstellung erfolgt nicht in den Vorbereitungsdienst (Beamtenverhältnis auf Widerruf), sondern unmittelbar im Angestelltenverhältnis mit einem unbefristeten Vollzeit-Arbeitsvertrag als Lehrer*in. Ergänzend zum Arbeitsvertrag wird ein Ausbildungsvertrag vereinbart, der die Aufnahme in das (berufsbegleitende) Referendariat zum nächstmöglichen Zeitpunkt regelt.

Für das Arbeitsverhältnis gelten die tarifvertraglichen Regelungen des TV-L (Tarifvertrag Länder). Das betrifft z. B. die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die Kündigungsfristen und die Regelungen zur Nebentätigkeit.
Der Arbeitsvertrag enthält die Verpflichtung zur Ableistung des (berufsbegleitenden) Referendariats und eine sog. „auflösende Bedingung“ für den Fall, dass die Staatsprüfung endgültig nicht bestanden wird. Dann endet der Vertrag mit einer Auslauffrist von zwei Wochen. Für die Prüfungen gelten aber dieselben Regelungen wie für alle anderen auch; man hat immer eine zweite Chance (Wiederholungsprüfung).

Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis (z. B. ausstehende oder fehlerhafte Entgeltzahlungen) müssen nach § 37 TV-L innerhalb einer Ausschlussfrist von sechs Monaten nach Fälligkeit des Anspruchs schriftlich beim Arbeitgeber (Personalstelle) geltend gemacht werden. Ansonsten sind sie verfallen.

Zuständig für alle arbeitsrechtlichen Dinge (z. B. Krankmeldungen, Einreichen der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Anträge auf Freistellungen) ist die Schulleitung und ggf. die Personalstelle.
Der / die Leiter/in des Allgemeinen Seminars, dem man zugewiesen ist, ist für die Ausbildung verantwortlich. Aufgrund der Doppelstellung (Arbeitsverhältnis und paralleles Ausbildungsverhältnis) ist es ratsam, diesen ebenfalls immer Kopien der Anträge und Bescheinigungen zu übermitteln (z. B. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bei Krankheit).

Tipp
Die wichtigsten Hinweise zum Arbeitsverhältnis als angestellte*r Lehrer*in sowie die aktuellen Entgelttabellen für Berliner Lehrkräfte findet ihr in der neuen GEW-Broschüre „Hilfe für den Berufseinstieg in die Berliner Schule 2019“ – abrufbar für GEW-Mitglieder unter https://www.gew-berlin.de/berufseinstieg.php

Arbeitszeit, Unterrichtsstunden

Die Einstellung erfolgt in Vollzeit, wobei die Arbeitszeit von Lehrkräften nach wie vor ausschließlich durch die Zahl der Unterrichtsstunden bestimmt wird. In ISS, Gymnasien und berufsbildenden Schulen sind bei Vollzeit 26 Unterrichtsstunden zu halten, in Grundschulen 28 und in sonderpädagogischen Förderzentren 27.

Für das berufsbegleitende Referendariat gibt es (bezahlte) Ermäßigungsstunden. Ab 1. August 2019 kommt eine weitere Stunde dazu, die bereits Ende 2017 von der Koalition beschlossen war. Die Zahl der Ermäßigungsstunden beträgt dann für das berufsbegleitende Referendariat  in der Grundschule 11 (bisher 10), in ISS/Gym 9 (bisher 8) und in Förderzentren 10 (bisher 9). Bei Vollzeit müssen dann also 17 Stunden Unterricht geleistet werden (bisher 18). Alle Schulleitungen haben dazu am 14.3.19 eine Mail von der Senatsverwaltung erhalten.

Auf Antrag ist mit Vertragsbeginn eine weitere Stundenreduzierung möglich (Teilzeit mit entsprechender Reduzierung des Entgelts): um bis zu 4 (bisher 5) Unterrichtsstunden.
Mindestens 13 Unterrichtsstunden müssen alle während des berufsbegleitenden Referendariats zurzeit leisten.

Die zusätzliche Ermäßigungsstunde erhalten alle während des berufsbegleitenden Referendariats (und der bb Studien) - auch diejenigen, die schon vor Sommer 2019 eingestellt wurden! Bestehende Teilzeitanträge für das Schuljahr 2019/20 bleiben gültig bzw. werden nicht automatisch abgeändert. Wer also um 5 Stunden auf 13 reduziert hat, muss ab Schuljahresbeginn 2019/20 nur noch 12 Stunden unterrichten.
Wer im Einzelfall nach Rücksprache mit der Schulleitung trotzdem weiter 13 unterrichten möchte, sollte rasch bei der Personalstelle um Abänderung der Teilzeitvereinbarung bitten (Reduzierung um 4 statt um 5 Stunden).

Alle Stunden sind selbstständiger Unterricht, wobei euch die Schule mindestens mit 10 Stunden in euren Ausbildungsfächern einsetzen muss.

Die GEW BERLIN setzt sich kontinuierlich für eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen im "Quereinstieg" ein - und das mit Erfolg! Neben den zwei Mentor*innen-Stunden (die erhalten die Schulen seit 2014 für jede Lehrkraft im Quereinstieg) gibt es seit Sommer 2018 zunächst eine und ab August 2019 eine weitere Ermäßigungsstunde und die Betreuung durch anleitende Lehrkräfte ist verbessert worden.
Darüber hinaus gibt es ein neues Qualifizierungsangebot (QuerBeR), das die bisherige "pädagogische" und "fachliche Begleitung" ersetzt hat.

Das gilt aber nur für diejenigen, die nach der Einstellung nicht sofort ihr berufsbegleitendes Referendariat beginnen können (sondern erst zum nächsten regulären Referendariatsbeginn), aber zwei anerkannte Fächer haben. Dafür gewährt die Senatsverwaltung eine Ermäßigung um fünf Unterrichtsstunden.
Für alle, die gleich nach der Einstellung mit dem Referendariat beginnen können (und das sind die meisten!), wird weiterhin keine Vorab-Qualifizierung angeboten- das kritisieren wir als GEW!

Bezahlung

Entgeltgruppe

Die Eingruppierung der angestellten Lehrkräfte ist geregelt im Tarifvertrag Entgeltordnung Lehrkräfte (TV Entg-O-L).

Eingruppierung bedeutet, nach welcher Entgeltgruppe man jeweils bezahlt wird. Die Eingruppierung hängt vom anerkannten Abschluss, der Schulform, für die man eingestellt wurde und dem studierten Fach bzw. den Fächern ab.

Die Spanne reicht nach dem TV EntgO-L von Entgeltgruppe (E) 9 bis 13.
Beispiele (nicht vollständig und ohne Gewähr!) für Lehrkräfte ohne abgeschlossenes Referendariat:

Lehrkräfte an Grundschulen:
mit abgeschlossenem Lehramtsstudium im neuen Berliner Grundschullehramt (MEd mit drei Fächern):
E 13 (mit längerer Stufenlaufzeit)
mit abgeschlossenem Lehramtsstudium in den früheren Lehrämtern "Studienrat", "Lehrer*in mit fachwissenschaftlicher Ausbildung in zwei Fächern" und Sonderpädagogik sowie dem neuen Lehramt ISS/Gym: E 13 (mit längerer Stufenlaufzeit)
mit abgeschlossenem Lehramtsstudium im früheren Lehramt "Lehrer*in": E 11 (mit längerer Stufenlaufzeit)
mit wissenschaftlichem Hochschulabschluss in mindestens einem Schulfach der Grundschule (einschließlich Diplom oder Master an Musik- und Kunsthochschulen): E 10
mit Fachhochschuldiplom in mindestens einem Schulfach der Grundschule: E 10
ansonsten : E 9

Lehrkräfte an ISS / Gymnasien / berufsbildenden Schulen:
mit abgeschlossenem Lehramtsstudium in mind. zwei Fächern: E 13 (mit längerer Stufenlaufzeit)
mit wissenschaftlichem Hochschulabschluss in mindestens einem Schulfach der jeweiligen Schulform (einschließlich Diplom oder Master an Musik- und Kunsthochschulen): E 12
mit Fachhochschuldiplom in mindestens einem Schulfach der jeweiligen Schulform: E 11
ansonsten: E 10

Nach Auffassung der GEW BERLIN muss mit Beginn des berufsbegleitenden Referendariats die Eingruppierung für alle anderen Hochschulabsolvent*innen analog der mit abgeschlossenem Lehramtsstudium (mindestens zwei Fächer) in der jeweiligen Schulform erfolgen (E 13, da in allen Lehrämtern das Eingangsamt A 13 ist). Die Personalstelle lehnt das ab mit der Begründung, dass tatsächlich kein Lehramtsstudium absolviert wurde. In dieser Sache sind durch den Hauptpersonalrat mehrere Verfahren bei der Einigungsstelle erfolgreich durchgeführt worden. Die Einigungsstelle hatte die Rechtsauffassung der GEW BERLIN bestätigt. Die Senatsverwaltung hat dagegen beim Verwaltungsgericht geklagt und leider Anfang Januar 2019 gewonnen. Der Hauptpersonalrat wiederum hat Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Der Ausgang des Verfahrens ist offen. Ansprüche auf die höhere Eingruppierung sollten daher weiter geltend gemacht werden (Ausschlussfrist beachten, siehe oben). Die GEW BERLIN berät ihre Mitglieder dazu umfassend.

 

Stufe

Die Zuordnung zur Stufe (1 bis 5) in der jeweiligen Entgeltgruppe hängt wiederum von der sog. einschlägigen Berufserfahrung ab. Das ist zunächst einmal nur die Berufserfahrung als Lehrer*in. Ohne Berufserfahrung beginnt man in Stufe 1. Dann entspricht die Stufenlaufzeit der Stufennummer (also nach einem Jahr in Stufe 1 kommt man in die Stufe 2 usw.). Im Idealfall erreicht man die zurzeit höchste Stufe 5 nach zehn Jahren Berufserfahrung. Ausnahme: längere Stufenlaufzeiten für bestimmte Gruppen - siehe oben.

In Berlin haben die GEW-Kolleg*innen im Hauptpersonalrat gegenüber der Senatsverwaltung durchgesetzt, dass auch weitere sog. förderliche berufliche Erfahrungen bei der Stufenzuordnung von Lehrkräften berücksichtigt werden. Danach können z. B. auch berufliche Erfahrungen einbezogen werden, die fachlich für die Tätigkeit als Lehrer*in relevant bzw. förderlich sind (z. B. Lehrtätigkeit an der Uni oder auch freiberufliche Tätigkeiten).

Tipp:
Alle Nachweise über ggf. relevante Berufserfahrungen zusammenstellen und vor Vertragsunterzeichnung bei der Schulleitung einreichen. Diese muss dann bestätigen, dass die Berufserfahrungen förderlich für die Tätigkeit als Lehrer*in sind und sendet alles zusammen mit den Einstellungsunterlagen an die Personalstelle. Bei Fragen helfen die Kolleg*innen in eurem Personalrat. Bitte beachtet, dass die Prüfung der förderlichen Zeiten durch die Personalstelle meist sehr lange dauert. 

Da die Regelungen zur Eingruppierung sehr kompliziert sind und hier immer wieder Fehler auftreten, sollten GEW-Mitglieder sich im Zweifel in der GEW rechtlich beraten lassen. Nicht nur deshalb ist es sinnvoll und wichtig, in die GEW einzutreten!

Erst nach erfolgreichem Abschluss des (berufsbegleitenden) Referendariats erhält man die Zulage, die Berlin den angestellten Lehrkräften zurzeit gewährt. Dann wird man faktisch nach dem Betrag der bisher höchsten Stufe 5 bezahlt. Stichtag ist dafür der Tag der Aushändigung des Zeugnisses über die Staatsprüfung (offizielles Ende des Referendariats).

Sozialversicherung

Aufgrund des Angestelltenverhältnisses besteht volle Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Ausführliche Hinweise dazu findet ihr in der GEW-Broschüre „Hilfe für den Berufseinstieg in die Berliner Schule 2019“ unter
www.gew-berlin.de/berufseinstieg.php

In der GEW-Mitgliedschaft ist übrigens die Berufshaftpflichtversicherung (z. B. bei Schlüsselverlust) bereits enthalten.

Unterstützung und Beratung

Personalräte und GEW

Für die angestellten Lehrkräfte im berufsbegleitenden Referendariat ist der Personalrat der Lehramtsanwärter*innen nicht zuständig! Sie werden durch die örtlichen Personalräte der allgemeinbildenden Schulen in ihrem jeweiligen Schulbezirk oder (bei Einsatz in einer berufsbildenden Schule) durch den Personalrat der zentral verwalteten und berufsbildenden Schulen vertreten. Die GEW BERLIN stellt in diesen Personalräten über 80 % der Mitglieder, wobei die Personalräte immer alle Beschäftigten (auch Unorganisierte) in ihrem Bereich vertreten.

Tipp:
Wendet euch bei Fragen zur Einstufung und bei Problemen in der Schule immer auch an euren zuständigen Personalrat. Die Kontaktdaten der Personalräte findet ihr unter https://www.gew-berlin.de/pr.php
GEW-Mitglieder können darüber hinaus die umfassende rechtliche Beratung und Unterstützung der GEW in Anspruch nehmen.