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Presseerklärungen der GEW BERLIN 2015

Lehrkräftemangel hausgemacht - Berlin bildet zu wenige Lehrkräfte aus, insbesondere für die Grundschule

Seit 2012 sinkt die Zahl der Lehramtsabsolvent*innen der Berliner Universitäten, zuletzt auf 719 im Jahr 2014. Auch für die Jahre 2016 und 2017 erwartet Berlin nur jeweils rund 750 Absolvent*innen mit Lehramtsabschluss, darunter nur 80 bis 100 für die Grundschulen. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Anja Schillhaneck hervor. Die Verpflichtung in den Hochschulverträgen, jährlich mindestens 1.000 Lehramtsabsolvent*innen auszubilden, wird damit deutlich unterschritten.

Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN: „Besonders gravierend ist die viel zu geringe Anzahl von Studienplätzen für angehende Grundschullehrkräfte im Vergleich zu den Plätzen für Integrierte Sekundarschulen und Gymnasien. Dabei haben die Berliner Grundschulen auf absehbare Zeit den größten Einstellungsbedarf. Dieser kann zurzeit nur mit Ach und Krach durch die Einstellung von Studienrät*innen und Quereinsteiger*innen abgedeckt werden. Eine Trendwende ist angesichts der zu geringen Studierendenzahlen für das Grundschullehramt nicht in Sicht.

Die niedrigen Zahlen sind keineswegs auf mangelndes Interesse der Studienbewerber*innen für die Grundschule zurückzuführen. Zum Wintersemester 2015/16 wurden etwa 3.000 Bewerber*innen für das Studium im Grundschullehramt an der Humboldt Universität (HU) und der Freien Universität (FU) mangels Kapazitäten abgelehnt. Selbst wenn man unterstellt, dass sich alle doppelt an HU und FU beworben haben, wären das immer noch 1.500 Ablehnungen.

Besorgnis erregend ist auch, dass von den nur 225 Plätzen für das Masterstudium Grundschule zum Wintersemester 2015/16 etwa die Hälfte nicht besetzt werden konnte. Das liegt an der zu geringen Kapazität in den entsprechenden Bachelorstudiengängen für Grundschule.

Erdmann weiter: „Angesichts steigender Schüler*innenzahlen müssen die Kapazitäten in der universitären Lehrkräftebildung vor allem für die Grundschule, für Sonderpädagogik, in beruflichen Fachrichtungen sowie in Mathematik und Naturwissenschaften deutlich und zügig erhöht werden. Hierfür muss das Land Berlin den Universitäten die nötigen Mittel bereitstellen. Die jahrelangen Versäumnisse des Senats bei der Ausbildung von genügend Lehrkräften lassen sich freilich nicht von heute auf morgen beheben.