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Passworthilfe

Christian Meyer/ Gerhard Weil: Es passiert zu wenig

blz 12 / 2008

Es passiert zu wenig

Die interkulturelle Öffnung der GEW muss umgesetzt werden

von Christian Meyer und Gerhard Weil, Landesausschuss multikulturelle Angelegenheiten

Da waren die Delegierten des Gewerkschaftstages am 27. April 2005 sicher sehr mit sich zufrieden, als sie mit Mehrheit folgende Satzungsänderung beschlossen hatten: »§3 Zweck und Aufgabe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sind die Wahrnehmung der beruflichen, wirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Interessen ihrer Mitglieder, der Ausbau der Geschlechterdemokratie, die Förderung von Erziehung und Wissenschaft und der Ausbau sowie die interkulturelle Öffnung der in deren Diensten stehenden Einrichtungen.«

Was muss passieren?

Aber nach dieser Satzungsergänzung ist wenig passiert. Deshalb hier einige Überlegungen, welche Schritte nötig wären, um die interkulturelle Öffnung in unserer Gewerkschaft in die Praxis umzusetzen.

Zunächst sollten die KollegInnen mit Migrationshintergrund in allen Gewerkschaftsgremien und Funktionen mindestens gemäß ihrem Anteil in der Mitgliedschaft repräsentiert sein. Gleichzeitig muss angestrebt werden, in den pädagogischen und wissenschaftlichen Einrichtungen den Anteil dieser KollegInnen deutlich zu erhöhen, und zwar auf allen hierarchischen Ebenen der jeweiligen Institutionen. Dazu können Schulleiterverbände in der GEW ebenso Unterstützung leisten wie die GEW-Personalräte. Selbst staatliche Stellen sind zumindest in öffentlichen Verlautbarungen angesichts gescheiterter Integrationsbemühungen immer häufiger bereit, Migranten mit öffentlichen Aufgaben zu betrauen. Bei der Polizei hat es schon geklappt, in der Schule hapert es aber noch deutlich. Insgesamt ist festzustellen: Die Repräsentanz der Migranten im öffentlichen Dienst, namentlich im Schuldienst, ist aufgrund restriktiver Bestimmungen (Beamtenrecht/Anerkennung ausländischer Abschlüsse) auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern besonders dürftig.


Checkliste Interkulturalität

Außerdem müssen aber Konzepte, Leitlinien und Evaluationskriterien für die interkulturelle Öffnung erarbeitet werden. Ähnlich wie es Checklisten zur Umweltverträglichkeitsprüfung oder die Überprüfung aller Beschlüsse und Vorhaben unter dem Genderaspekt gibt, muss es in der Gewerkschaftsarbeit selbstverständlich werden, sich nach einer Checkliste Interkulturalität zu richten. Dabei kommen den Landes-ausschüssen für multikulturelle Angelegenheiten (LAMA) wichtige Gelenkfunktionen zu. Bei allen wichtigen Beschlüssen und Aktionen sollten diese mitberaten.

Als Querschnittaufgabe begreifen

Die Interkulturalität muss auf allen Ebenen als Querschnittaufgabe (analog zum »gender mainstreaming«) berücksichtigt werden, auch auf Gewerkschaftstagen, in Tarifkommissionen oder auf DGB-Kongressen. Und sämtliche Stellungnahmen, Positionspapiere, Beschlüsse der Gremien müssen auf ihre Interkulturalität hin überprüft und gegebenenfalls modifiziert werden. Zudem müssen die GEW-Landesverbände gegenüber den Bildungsbehörden und Landesinstituten stärker initiativ werden für den Ausbau des staatlichen Angebots zur Förderung der interkulturellen Kompetenz.

Besonders wichtig sollte man die Evaluationsebene nehmen, denn solange bei Schulinspektionen interkulturelle Bemühungen gar nicht oder nur am Rande als Erfolgskriterium gelten, wird sich nicht viel ändern. Außerdem wäre die interkulturelle Sensibilisierung von GEW-Mitgliedern notwendig, die Rahmenlehrpläne und vor allem die in letzter Zeit üppig ins Kraut geschossenen Tests und Vergleichsarbeiten entwickeln.

Wir werden mit dem Bundesausschuss unser Konzept der interkulturellen Öffnung in die Gewerkschaft tragen und mit dem Bundesvorstand grundlegende Strategien für eine Veränderung verabreden.