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Honorarlehrkräfte protestieren gegen skandalöse Unterbezahlung

Letzte Aktualisierung: 05.10.2015

Am internationalen Weltlehrertag haben Berliner Honorarlehrkräfte vor der Senatsbildungsverwaltung gegen ihre skandalöse Unterbezahlung, unsichere Arbeitsverhältnisse und die mangelnde Absicherung bei Krankheit und im Alter protestiert. „Honorarlehrkräfte sind akademisch ausgebildet und sollten auch wie Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen behandelt werden", forderte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann bei der Kundgebung. „Wir fordern tarifliche Regelungen für Urlaub und im Krankheitsfall sowie eine Bezahlung wie Lehrkräfte im öffentlichen Dienst“, so Erdmann weiter.  

 (Fotos: Paula Ulloa)

Mit der Aktion protestierten erstmals Honorarlehrkräfte der Berliner Hochschulen, der Volkshochschulen, der Sprach- und Musikschulen und Goethe-Institute gemeinsam gegen ihre prekären Arbeitsbedingungen.
„Wir leisten erstklassige Arbeit und werden wie Lehrkräfte zweiter Klasse behandelt und als rechtlose Tagelöhner/innen beschäftigt“, resümiert Barbara Janisch, Lehrbeauftragten-Sprecherin bei der GEW Berlin.

Beate Strenge, ver.di-Sprecherin der VHS-Dozent*innenvertretung, betonte: „Trotz dauerhafter Beschäftigung haben wir keine Absicherung bei Arbeitslosigkeit. Selbst bei jahrelanger Berufstätigkeit für dieselben Auftraggeber sind die Honorarverträge immer nur befristet. Und die Rente beträgt nach jahrzehntelanger Vollzeitarbeit nur um die 500 Euro. Scheinselbständigkeit und Altersarmut im Auftrag des Landes Berlin“.

Der Weltlehrertag am 5. Oktober erinnert an die "Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer", die 1964 von der UNESCO und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) angenommen wurde. Sie fordert, dass Lehrkräfte aller Schularten zu gleichen Bedingungen beschäftigt werden. Sie sollen bei Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit sozial abgesichert sein. Zudem sollen sie Mutterschutz, den Wiedereinstieg nach Erziehungszeiten sowie eine Altersvorsorge erhalten.

Diese UN-Standards werden in Deutschland für zehntausende freiberufliche Honorarlehrkräfte nicht annähernd umgesetzt. Dazu gehören auch in Berlin tausende Lehrkräfte. Sie verdienen pro Unterrichtsstunde nicht einmal halb so viel wie angestellte Lehrer/innen in Schulen, Hochschulen oder Musikschulen. Die meisten Honorarlehrkräfte erhalten von ihren Auftraggebern keinerlei Zahlung bei Krankheit.

GEW und ver.di verlangen für die Honorarlehrkräfte die Erfüllung der UNESCO-Standards und eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dazu gehören Festanstellung mit einer Vergütung wie angestellte Lehrer*innen mit vergleichbarer Qualifikation - oder bei Freiberuflichkeit ein angemessenes Honorar pro Unterrichtseinheit, das der akademischen Ausbildung und den Aufgaben entspricht und sich an der Bezahlung angestellter Lehrkräfte orientiert.

Die auftraggebenden Einrichtungen müssen ihren Anteil an der Sozialversicherung bezahlen. Bei den Krankenversicherungsbeiträgen muss als Bemessungsgrundlage das reale Erwerbseinkommen gelten - und nicht wie derzeit eine fiktiv hohe Bemessungsgrenze für Freiberufler*innen. Zudem fordern die Gewerkschaften, dass Auftraggeber Ausfallhonorar bei Krankheit zahlen und sich an der Altersvorsorge beteiligen, sowie Personalvertretungsrechte für Honorarlehrkräfte.