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Juliane Peterson: Willkommenslehrkraefte organisieren sich

bbz 04-05 / 2017

Die Initiative der Berliner Willkommenslehrkräfte setzt sich ebenso für bessere Arbeitsbedingungen wie für die Interessen der Schüler*innen ein

von Juliane Peterson, Willkommenslehrerin an einer Grundschule

Von den rund 31.000 Lehrkräften im Berliner Schuldienst arbeiten mehr als 1.000 Kolleg*innen in Willkommensklassen. Fast alle von ihnen haben befristete Arbeitsverträge und werden schlechter bezahlt als die Kolleg*innen mit Zweitem Staatsexamen. Bitter ist die Nichtanerkennung des Faches Deutsch als Fremdsprache bzw. Deutsch als Zweitsprache als Fach der Berliner Schule. Das führt für viele Willkommenslehrkräfte zu einer niedrigeren Eingruppierung, obwohl dieses Fach für die Arbeit in Willkommensklassen besonders qualifiziert. Eine niedrige Entlohnung unter anspruchsvollen Arbeitsbedingungen, meist mit dem Damoklesschwert einer Befristung über dem Haupt, diese Situation muss als prekär bezeichnet werden.

Auf dem Streik im Mai 2016 war ich überrascht, noch keine Plakate mit Forderungen der Willkommenslehrkräfte zu sehen. Am Rande der Kundgebung kam ich aber mit Juliane Zacher ins Gespräch, die kurz zuvor die AG Sprachlehrkräfte in Willkommensklassen in der GEW BERLIN gegründet hatte. Ergänzend zur AG entstand die Initiative Willkommensklassen Berlin, die formal außerhalb der GEW steht. Die Initiative soll eine Brücke zur GEW schlagen und auch Kolleg*innen erreichen, die sich ansonsten vielleicht nicht gewerkschaftlich organisieren würden.

Eine Schwierigkeit beim Aufbau der Gruppe bestand zunächst darin, die Willkommenslehrkräfte überhaupt ausfindig zu machen, ist man doch nicht selten die einzige entsprechende Lehrperson an einer Schule. Viele potenzielle Mitstreiter*innen haben wir auf Fortbildungen und Veranstaltungen persönlich angesprochen. Ein anderer Kanal, der uns viele Mitglieder zugeführt hat, sind die sozialen Medien. Meist lohnt es sich, auf den einschlägigen Seiten zu suchen, ob es bereits eine geschlossene Gruppe zum Thema gibt. Wir teilen regelmäßig Veranstaltungseinladungen sowie neue Informationen über entsprechende Foren.

Jeden Monat treffen wir uns gemeinsam mit der AG im GEW-Haus. An dieser Stelle soll gesagt sein, dass basisdemokratische Diskussionsprozesse arbeitsintensiv sind. Es ist wichtig, Treffen zu moderieren, vorläufige Arbeitsergebnisse stets festzuhalten, diese mit allen zu teilen, sowie gemeinsam grundlegende Gesprächsregeln aufzustellen. Im Idealfall bemerkt man irgendwann, dass man sich nicht im Kreis dreht, sondern sich in einer hermeneutischen Spirale befindet. Bei uns hat es fast ein Jahr gedauert, bis wir ein starkes Momentum erreicht haben. Wahrscheinlich brauchten wir diese Zeit, um genügend Informationen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen, unser Netzwerk auszubauen sowie gemeinsame Ziele zu erarbeiten. Ich finde, es hat sich gelohnt. Wir machen weiter!

Bereits im Herbst 2015 gründete Evelyn Röttger, Willkommenslehrerin an einem OSZ, die geschlossene Facebook-Gruppe »Willkommensklassen in Berlin«. Auf dieser Plattform geht es sowohl um den Austausch über unterrichtsrelevante Themen als auch über den schwierigen Status der Willkommenslehrkräfte und -schüler*innen. Die Gruppe entwickelte sich schnell zur wichtigsten Austausch-Plattform für Berliner Lehrkräfte in Willkommensklassen und hat heute 260 Mitglieder. Nächstes Treffen der AG Sprachlehrkräfte in Willkommensklassen Do. 20.04., 18-20 Uhr im GEW-Haus. Webseite der Initiative Willkommensklassen Berlin: https://initiativewiko.de