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Presseerklärungen der GEW BERLIN 2017

Erzieher*innen sind frustriert

Das Kita-Jahr 2017/18 ist gerade einmal vier Wochen alt, doch schon jetzt wird deutlich, dass für die rund 157.000 Kinder in den Berliner Kindertagesstätten und die 24.000 pädagogischen Fachkräfte keine Verbesserungen in Sicht sind. Auch die 5.000 Quereinsteiger*innen, die ohne einen qualifizierten pädagogischen Abschluss in den Kitas tätig sind, warten weiter auf Unterstützung.

Das neue Kita-Jahr beginnt, wie das alte zu Ende gegangen ist. Es wird immer deutlicher, dass die pädagogischen Anforderungen des Berliner Bildungsprogramms in den Hintergrund treten. Oft geht es nur noch um Betreuung“, stellte die Vorsitzende der GEW BERLIN, Doreen Siebernik fest. „Die Kolleg*innen erfahren außerdem zu wenig Wertschätzung für ihre so wichtige Aufgabe“, ärgerte sich Siebernik.

Die GEW-Vorsitzende wies darauf hin, dass die zugesagten Personalverbesserungen in den Einrich-tungen bisher nicht ankommen. „Den Kindern werden wichtige Entwicklungschancen in ihrer ersten Bildungseinrichtung genommen. Dabei haben unsere Kinder ein Recht auf Bildung von Anfang an. Die Motivation vieler Kolleg*innen bleibt zudem auf der Strecke, weil ihre Arbeitsbedingungen über die Maße belastend sind und sie deutliche Abstriche bei ihren eigenen pädagogischen Ansprüchen machen müssen“, so Siebernik.

Auch einen Monat nach Beginn des neuen Kita-Jahres sind viele Stellen unbesetzt. „Die Situation in den Einrichtungen ist für die Kolleg*innen spürbar schlechter geworden“, bemängelte Christiane Weißhoff, Vorsitzende des Personalrats vom Kita Eigenbetrieb City, wo allein über 100 Stellen unbesetzt geblieben sind. „Die Arbeitsbedingungen in den Berliner Kitas sind so unattraktiv, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie die dringend benötigten Erzieher*innen gewonnen werden sollen“, sagte Weißhoff. Die Personalratsvorsitzende rief die Kitaaufsicht auf, die Einhaltung des Personalschlüssels in den Einrichtungen zu überprüfen.

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gibt eine Erfolgsmeldung nach der anderen zur Gründung neuer Kitas heraus. Jedoch fehlen nachhaltige Konzepte, um diese Kitas auch mit ausreichend Fachpersonal auszustatten. „Die bisher einzige Idee von Senatorin Scheeres ist die Aufweichung des Fachkräftegebots; das Einstellen von noch mehr Quereinsteiger*innen und Sozialassistent*innen. Diese falsche Weichenstellung brachte seit Mai keinen Erfolg zur Besetzung der freien Stellen, denn die gut ausgebildeten Fachkräfte kehren den Berliner Kitas den Rücken“, erklärte die GEW-Vorsitzende Siebernik.

Der Berliner Haushalt sprudelt über, doch die Senatsverwaltung schaut tatenlos zu, wie ihr die Erzieher*innen verloren gehen“, ärgerte sich Siebernik. Sie richtete sich mit einem klaren Appell an den Senat: „Es muss endlich eine Aufwertung des Erzieher*innen-Berufs erfolgen. Die Bezahlung muss bundesweit konkurrenzfähig werden. Der Senat hat es selbst in der Hand, das Problem zu lösen“.