Mitgliederbereich

Passworthilfe

Gerhard Weil: "Die Übergabe erfolgt besenrein"

blz 07 - 08 / 2005

"Die Übergabe erfolgt besenrein!"

Wie das Land Berlin die Zusammenlegung des LISUM mit Brandenburg plant.

von Gerhard Weil, stellvertretender Vorsitzender des Personalrates am LISUM

Das Berliner Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) soll im Laufe des Jahres 2007 mit dem LISUM Brandenburg am Standort Struveshof/ Ludwigsfelde vereint werden. In Berlin räumt man schon kräftig auf nach der Maxime "Die Übergabe erfolgt besenrein". Als 1994 das BIL gegründet wurde, waren dort zusammen mit der damaligen Landesbildstelle rund 400 MitarbeiterInnen beschäftigt; nach der Zusammenlegung beider Einrichtungen zum LISUM zählte man dann noch 125 Beschäftigte.

Schon seit der vormaligen LISUM-Chefin und heutigen Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig werden alle durch Pensionierung, Altersteilzeit oder Weggang frei gewordenen Stellen nicht wieder neu besetzt, sondern in der Regel lediglich durch zwei jährlich neu aus der Lehrerschaft zu berufende halbe Moderatorenstellen ersetzt. Einzige Ausnahme ist hier die Berufung einer Referentin für "Pädagogische Schulentwicklung" (Klippert). So zählt man in Berlin heute nur noch 70 MitarbeiterInnen. Deswegen wird Berlin nur ganze 34 Stellen, davon lediglich fünf ReferentInnen, in die Vereinigung 2007 einbringen können (einige werden wohl Berlin im Medienforum Spittelmarkt als "Stadtmedienstelle" erhalten bleiben). Wenn überhaupt! Da viele von den gezählten 29 Verwaltungskräften, vom Büroboten bis zum Verwaltungsleiter, wegen des weiten Weges und der ungünstigen Fahrverbindungen einen Umzug nach Struveshof nicht mitmachen, könnte sich diese Zahl sogar noch halbieren. Die Brandenburger sind da anders bestückt! Sie bringen trotz Zusammenlegung mit ihrem Medieninstitut und Personalabbau fast doppelt so viel Personal ein: 59 MitarbeiterInnen, davon vor allem 23 ReferentInnen. Also fühlen sich 5 ReferentInnen für rund 32.000 Berliner Lehrkräfte und 23 für die gut 23.000 Brandenburger KolllegInnen zuständig?

Bildungspolitisch ist dies meiner Meinung nach unverantwortlich, weil damit fast niemand mehr im künftigen LISUM Berlin-Brandenburg die spezifischen Bedingungen Berlins (Ballungsraum, Migranten usw.) aus eigener Anschauung kennt und fachlich dafür qualifiziert ist. Hinzu kommt, dass Tom Stryck von der Senatsbildungsverwaltung gerade dabei ist, die dem LISUM Berlin zugehörigen 53 ModeratorInnen in einem regionalisierten Konzept auf bezirkliche Fortbildungszentren zu verteilen. Ein solches Modell haben die Brandenburger auch schon versucht - und sind gescheitert. Nicht nur nach Meinung der Brandenburger KollegInnen, sondern auch nach Meinung einer wissenschaftlichen Analyse von der FU Berlin.

Wir halten fest: Im neuen LISUM Berlin-Brandenburg wird es kaum Personal geben, das sich mit den spezifischen Bedingungen Berlins auskennt. Und es wird bezirkliche Fortbildungszentren geben, deren Wirksamkeit mehr als fraglich ist. Mit anderen Worten: Lehrerfortbildung wird in Berlin kaum noch stattfinden. Manchen Schulaufsichtsbeamten wird das freuen: endlich ist dieser Störfaktor und Verursacher von Unterrichtsausfall beseitigt! Dafür soll es aber ein sogenanntes "Berliner Qualitätsinstituts" geben, das sich allein der Entwicklung von Qualitätsstandards und Tests widmet und wohl Tom Stryck als Leiter erhält.

Und dies alles wird ohne Beteiligung der Betroffenen geplant! Zwar sagte Landesschulrat Pokall bei einer Personalversammlung des LISUM im Februar 2004 die Beteiligung der Personalvertretungen an der Neuplanung des gemeinsamen Landesinstituts zu, gehalten hat sich aber niemand daran. Trotz schriftlicher Erinnerung mit Hinweis auf den immer noch geltenden § 73 Abs. 1 des Personalvertretungsgesetzes ("Die Personalvertretung ist zur Durchführung ihrer Aufgaben rechtzeitig und umfassend zu unterrichten. Ihr sind sämtliche zur Durchführung ihrer Aufgaben erforderlichen Unterlagen zur Verfügung zu stellen.") gibt es bis heute keine Personalratsbeteiligung.

Die Klausel in Mietverträgen "Die Übergabe erfolgt besenrein" ist da doch eine naheliegende Assoziation!