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Helga Moericke, Margot Wichniarz: Übungen zum sozialen Lernen (blz-EXTRA)

blz 02 / 2005

 

ÜBUNGEN ZUM SOZIALEN LERNEN IN DER SCHULE

von Helga Moericke und Margot Wichniarz, Team Soziales Lernen

Einen wesentlichen Beitrag der Schule zur Gewalt- und Kriminalitätsprävention stellt die kontinuierliche Unterstützung der Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler dar. Dabei spielen sowohl die Gestaltung des Schullebens insgesamt und die des Unterrichts im Besonderen eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus hat sich der Einsatz von sozialen Lernprogrammen als sinnvoll erwiesen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass kontinuierlich wenigstens einmal pro Woche dafür eine Unterrichtstunde angesetzt wird. Im Folgenden sollen einige Übungen zum sozialen Lernen vorgestellt werden.

Unterrichtsvorbereitung: Die Schüler/innen rücken die Tische an den Rand oder stellen sie auf den Flur und bilden einen Stuhlkreis. Vor jeder Übung werden den Kindern / Jugendlichen die damit verbundenen Ziele benannt und erläutert.

Übung 1: Was ich schon immer einmal von dir wissen wollte...

Übungsziel: Im Gespräch miteinander Kontakt aufnehmen, etwas voneinander erfahren, Unterschiede zwischeneinander erkennen und respektieren, über Unterschiede sprechen.

Übungsbeschreibung: Alle sitzen im Stuhlkreis. Jeweils zwei nebeneinander sitzende Schüler/innen stellen sich gegenseitig folgende Frage: Welcher Film hat dir in der letzten Zeit am besten gefallen? Anschließend gibt es eine große Runde und jede/jeder berichtet, was sie/er vom Nachbarn erfahren hat: Roland fand ... besonders toll. Mona fand .... besonders toll.

Mit dieser Übung können weitere Stunden zum sozialen Lernen begonnen werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Fragen in Absprache mit den Schüler/innen andere Antworten ermöglichen, z.B.: Welches Fach macht dir besonders viel Spaß? Wie viele Geschwister hast du?

Übung 2: Gleich und verschieden

Übungsziel: Über die eigenen Wünsche, Interessen, Fähigkeiten nachdenken, darüber entscheiden, was ich anderen von mir mitteilen möchte, über die Wünsche, Interessen, Fähigkeiten anderer etwas erfahren, sich mit anderen vergleichen, Ähnlichkeiten und Unterschiede kennen lernen und respektieren.

Übungsbeschreibung: Alle Schüler/innen sitzen im Kreis. Ein/e Schüler/in geht in die Mitte und sagt z.B.: Ich spiele gern Gitarre. Alle Schüler/innen, denen es genauso geht, stellen sich für einen Moment dazu, alle anderen bleiben sitzen.

Übung 3: Was heißt denn hier nett?

Übungsziel: Das Wort "nett" genauer beschreiben, sich in einer kleinen Gruppe darüber verständigen, über andere Kinder etwas Nettes schreiben, für das Wohlbefinden anderer Verantwortung übernehmen, das Selbstwertgefühl von anderen stärken, die Klassengemeinschaft stärken.

Übungsbeschreibung: Die Schüler/innen finden sich in kleinen Gruppen zusammen. Sie haben folgenden Auftrag: Was tut ein Mädchen/Junge, das/den du nett findest? Die Schüler/innen sprechen darüber und schreiben ihre Antworten auf ein Blatt. Nach zehn Minuten kommen sie im Kreis zusammen. Jede Gruppe darf zwei Antworten vorlesen. (Folgende Antworten kommen z.B. vor: Ich darf mitspielen. Sie hilft mir, wenn ich etwas nicht verstehe. Er hat mir seinen Walkman geborgt. etc.) Alle Nett-Blätter werden mit Tesakrepp an der Tafel aufgehängt. Jede/r Schüler/in bekommt nun ein eigenes Blatt und schreibt zunächst den eigenen Namen darauf. Darunter gibt es drei Möglichkeiten für die anderen der Klasse, etwas "Nettes" über die/den betreffende/n Schüler/in zu schreiben. Eine Hilfe für das Schreiben stellen die Blätter an der Tafel dar. Jede/r Schüler/in legt ihr/sein Blatt auf ihren/seinen Tisch. Alle gehen nun los und schreiben auf die Blätter, was sie an der/dem entsprechenden Schüler/in "nett" finden (z.B.: Du hast mir die Matheaufgaben erklärt. Du hast mich zum Geburtstag eingeladen. Etc.). Alle Schüler/innen der Klasse sind dafür verantwortlich, dass zum Schluss der Übung auf jedem Blatt jeweils drei nette Sätze stehen, so dass niemand keine positiven Bemerkungen erhält. Die/der Lehrer/in hilft. Wenn die Klasse sich davon überzeugt hat, dass auf jedem Blatt drei positive Bemerkungen stehen, liest jede/r Schüler/in ihr/sein Blatt zunächst für sich allein. Anschließend kommen alle im Kreis zusammen und jede/r liest einen der drei Sätze vor. Dabei wird der Satz so umformuliert, dass aus dem "Du..." ein "Ich..." wird (z.B.: Statt "Du lässt andere Kinder mitspielen." heißt es nun: "Ich lasse andere Kinder mitspielen.") Diesen positiven Satz über sich selbst sollen sich die Schüler/innen für die nächste Übung merken.

Anmerkung: Wenn ein/e Schüler/in keinen Satz über sich selbst vorlesen möchte, muss das von den anderen respektiert werden. Sie/er sagt "weiter" und die/der nächste ist dran.

Übung 4: Das finde ich an mir gut

Übungsziel: Über sich selbst etwas Positives sagen, das eigene Selbstwertgefühl stärken.

Übungsbeschreibung: Alle Schüler/innen überlegen, was sie an sich selbst gut finden. Einen positiven Satz über sich selbst merken sie sich besonders. Nun gehen alle im Kreis herum. Auf ein Zeichen, z.B. dem Klang einer Triangel, stellen sich immer zwei gegenüber und sagen sich gegenseitig ihren positiven Ich-Satz (z.B.: Ich helfe anderen bei Problemen. Ich lache nicht über andere.) Dann gehen sie weiter. Auf ein erneutes Zeichen stellen sich jeweils wieder zwei andere gegenüber und sagen sich den gleichen Ich-Satz wie zuvor. Dieser Vorgang wird vier bis fünf Mal wiederholt, je nach Stimmung.

Anmerkung: Wenn ein/e Schüler/in sich an dieser Übung nicht beteiligen möchte, muss das von den anderen respektiert werden. Sie/er bleibt am Rande sitzen und schaut zu.

Auswertung: Wie hast du dich bei der Übung gefühlt? War es angenehm oder unangenehm, etwas Positives über dich selbst zu sagen?

Was ist der Unterschied zwischen Angeben und über sich selbst gut sprechen zu können? Warum ist es wichtig, über sich selbst positiv sprechen zu können?

Übung 5: Wir sind toll

Übungsziel: Das Selbstwertgefühl stärken, die Klassengemeinschaft stärken.

Übungsbeschreibung: Am Ende der Stunde stellen sich alle im Kreis auf. Sie können sich auch anfassen, wenn das akzeptiert wird. Dreimal wird gerufen: Wir sind toll. .... Bei toll gehen die Arme nach oben.

Anmerkung: Diese Übung eignet sich nur für Grundschulkinder.

Es ist sinnvoll die Stunden zum sozialen Lernen zeitweise nach Mädchen und Jungen getrennt durchzuführen. Eine geschlechtsdifferenzierte Schwerpunktsetzung könnte wie folgt aussehen:

Stimme und Körpersprache (Mädchengruppe)

Übungsziel: Die eigene Meinung, den eigenen Wunsch laut und vernehmlich äußern.

Übungsbeschreibung: Den Mädchen werden zwei kleine Szenen vorgespielt, in denen es um die Bedeutung von Körpersprache und Stimme geht:

Szene 1: Ein Junge nimmt einem Mädchen die Diddl-Maus weg. Das Mädchen macht ein weinerliches Gesicht und spricht mit leiser Stimme: Gib mir meine Maus wieder.

Szene 2: Ein Junge nimmt einem Mädchen die Diddl-Maus weg. Das Mädchen steht auf, stemmt die Arme in die Seite und ruft mit lauter und energischer Stimme: Gib mir sofort meine Maus zurück! Sofort!

Die Unterschiede in Stimme und Körpersprache zwischen den beiden Szenen werden herausgearbeitet. Anschließend spielen die Mädchen beide Sequenzen und versuchen nachzuspüren, wie sie sich in der einen bzw. anderen Situation fühlen.

Augen zu (Jungengruppe)

Übungsziel: Augen schließen, zur Ruhe kommen, in sich hineinspüren können.

Übungsbeschreibung: Alle sitzen im einem großen Kreis ohne sich zu berühren. Die Lehrerin spricht: Kannst du für 20 Sekunden die Augen schließen? Ich habe eine Stoppuhr mitgebracht. Willst du es versuchen? Am besten sitzt du dabei im Kutschersitz. Kannst du deine Lunge spüren? Sie wird beim Einatmen groß und beim Ausatmen klein.

Vielen Jungen fällt es schwer, die Augen zu schließen, zur Ruhe zu kommen und in sich hineinzuspüren. Deshalb gilt: Wenn ich die Augen nicht schließen möchte, lasse ich sie offen. Durch die Stoppuhr erhält die Übung eine sportliche Komponente, die es den Jungen erleichtert, sich einzulassen.

Nach und nach wird die Übung auf 60 Sekunden ausgedehnt.

Wenn die Jungen so eingestimmt sind, kann ihre Aufmerksamkeit durch entsprechende Ansagen auf eine Reise durch den ganzen Körper geschickt werden. "Du spürst deinen Atem in der Brust, im Bauch, jetzt geht dein Atem das rechte Bein entlang ...."

Stimmübungen (Mädchen)

Übungsziel: Das Stimmvolumen stärken und vergrößern.

Übungsbeschreibung: Alle Stimmübungen beginnen damit, dass die Mädchen tief in den Bauch hinein atmen. Dazu müssen sie stehen und ihre Hände auf die Bauchdecke legen, damit sie spüren, dass sich der Bauch weitet, wenn sie tief einatmen, und kaum bewegt, wenn sie nur flach atmen. Zunächst wird das immer wieder ohne Tonerzeugung geübt. Die Mädchen können so ein Gefühl für den Unterschied zwischen tiefer Atmung und flacher Atmung bekommen.

Dann sollen sie während des Ausatmens nach tiefem Einatmen einen Ton entstehen lassen, eine Silbe, ein Wort. Wenn die Stimme tief klingt und wirklich aus dem Bauch kommt, schmerzt der Hals nicht.

Hand an Hand (Jungen)

Übungsziel: Sich auf den anderen einlassen, sich führen lassen, intensiv wahrnehmen, sich auf ganz vorsichtige Berührungen einlassen, diese erspüren, auf diese reagieren, zur Ruhe kommen, langsam sein, leise sein, vorsichtig sein, Verantwortung für den anderen übernehmen, planvoll umgehen, Rücksicht nehmen, Gefühle zulassen.

Übungsbeschreibung: Jeweils zwei Jungen stellen sich einander gegenüber auf und legen die Handflächen flach aneinander. Die Finger sollen sich dabei nicht verhaken. Ein Junge schließt die Augen und der andere führt ihn durch den Raum. Der Junge mit den geschlossenen Augen muss spüren, in welcher Art und Weise der Handdruck verstärkt bzw. vermindert wird und sich in die entsprechende Richtung bewegen. Nach einer Weile wechseln beide die Aufgabe. Dazu wird meditative Musik gespielt.

Eine Nachricht übermitteln (Mädchen)

Übungsziel: Mut zum lauten Einsatz der Stimme entwickeln.

Übungsbeschreibung: In spielerischer Form sollen die Mädchen Freude am kräftigen Einsatz ihrer Stimme entwickeln. Drei Mädchengruppen A, B und C werden gebildet. A denkt sich eine Nachricht für C aus und muss diese ganz laut rufen. Gruppe B befindet sich zwischen A und C und muss die Nachrichtenübermittlung durch lautes Schreien stören.

Das Spiel wird dreimal durchgeführt, sodass alle Mädchen jeweils einmal Gruppe A, B und C angehören.

A steht auf der einen Seite des Raums und übermittelt eine Nachricht. B steht zwischen A und C und versucht die Übermittlung der Nachricht durch lautes Schreien zu verhindern. C steht auf der anderen Seite des Raums und versucht die Nachricht von A zu empfangen.

Fallen lassen - zu zweit, zu dritt, im Kreis (Jungen)

Übungsziel: Sich auf den anderen einlassen, sich führen lassen, intensiv wahrnehmen, sich auf ganz vorsichtige Berührungen einlassen, diese erspüren, auf diese reagieren, zur Ruhe kommen, langsam sein, leise sein, vorsichtig sein, Verantwortung für den anderen übernehmen, planvoll umgehen, Rücksicht nehmen, Gefühle zulassen.

Übungsbeschreibung: Fallen lassen - zu zweit: Zwei Jungen führen die Übung durch. Junge A steht mit dem Rücken vor Junge B, der seine Hände vorsichtig an den Rücken von A legt. Außerdem sollen sich die Füße von B in Schrittstellung befinden, damit größere Standfestigkeit gewährleistet ist. Junge A schließt die Augen, lässt sich fallen, B hält ihn.

A dreht sich um, B legt die Hände gegen seine Schultern, die Übung wird wiederholt.

Fallen lassen - zu dritt: A steht zwischen B und C. Er lässt sich nach vorn fallen und wird von B gehalten, der ihn durch einen sanften Anstoß in die Ausgangsposition zurückbringt. Dann lässt sich A nach hinten fallen und wird von C gehalten.

Fallen lassen - im Kreis: Sechs bzw. sieben Jungen stehen im Kreis zusammen, A befindet sich in der Mitte, lässt sich fallen, wird gehalten und durch sanften Anstoß zu einem anderen Jungen im Kreis bewegt.

Nach den Übungen sollen die Jungen zunächst zu zweit oder in kleinen Gruppen darüber sprechen, wie sie sich gefühlt haben. Anschließend wird mit allen darüber im Stuhlkreis gesprochen. Für Jungen scheint es schwierig zu sein, Gefühle wahrzunehmen und darüber zu sprechen. Auch wenn sie sich zunächst dagegen wehren und teilweise mit Albernheiten reagieren, sollte jede Gelegenheit zum Gespräch genutzt werden.

Ich sag: Nein! (Mädchen)

Übungsziel: Laut und vernehmlich Grenzen setzen.

Übungsbeschreibung: Die Mädchen überlegen, mit welchen Aussagen sie klare Grenzen setzen können. Möglich wäre: "Nein, (ich will das nicht)!, Hör auf! Lass mich in Ruhe! Geh weg!" Es sollen keine Beleidigungen gerufen werden, wie z.B. "Hau ab, du Idiot!" In einem ersten Schritt zur Abgrenzung genügt ein energisch gesprochenes "Geh weg!" "Hau ab!". Es klingt zwar schroff, setzt aber gerade deshalb eine ganz deutliche Grenze und kann in sehr bedrängenden Situationen im gewünschten Sinne wirksam sein. Ob eine entsprechende Belästigung vorliegt, kann jedes Mädchen nur für sich selbst entscheiden.

Die Sätze sollen nun mit kräftiger Stimme gesprochen werden, was den Mädchen leichter fällt, wenn sie zunächst gemeinsam im Kreis üben. Bei den Einzelübungen kann mit Einverständnis der Mädchen die Videokamera eingesetzt werden, sodass sich jede auch selbst sehen kann. Herausgearbeitet werden all die Merkmale von Stimme, Gestik, Mimik und Körpersprache, die das klare Setzen von Grenzen unterstützen bzw. behindern.

Kuschelfeder (Jungen)

Übungsziel: Zur Ruhe kommen, intensiv wahrnehmen, vorsichtig mit dem anderen umgehen, zarte Berührungen ausführen und wahrnehmen können, sich konzentrieren, sich gegenseitig etwas Gutes tun, sich erinnern, miteinander Spaß haben.

Übungsbeschreibung: Zuerst werden die Kinder darauf hingewiesen, dass es sich nicht um einen Wettkampf handelt und jeder Junge selbst bestimmen kann, wie oft er berührt werden will. Danach setzen sich zwei Jungen gegenüber. A schließt die Augen, B berührt ihn mit einer Feder einmal im Gesicht. A berührt diese Stelle mit der Hand. B berührt ihn nun an zwei unterschiedlichen Stellen, A berührt diese beiden Stellen in der vorgegebenen Reihenfolge. Dann werden drei, vier und mehr Stellen berührt. Anschließend wird gewechselt.

Ich bin stark (Mädchen)

Übungsziel: Die eigenen Körperkräfte wahrnehmen und einsetzen.

Übungsbeschreibung: Die Mädchen finden sich zu zweit zusammen und messen ihre Körperkräfte.

Sie stellen sich Rücken an Rücken (Schulter an Schulter) auf und versuchen sich gegenseitig wegzuschieben.

Sie setzen sich an einem Tisch einander gegenüber, stellen jeweils den rechten oder linken Ellenbogen so auf, dass sich beide Ellenbogen nebeneinander befinden, umfassen ihre Hände und versuchen sich gegenseitig den Arm herunterzudrücken.

Ein Mädchen schiebt ein anderes vom Stuhl, das wiederum versucht, seinen Platz auf dem Stuhl zu behaupten.

Grundsätzlich gilt für Jungen und Mädchen, bei Konflikten zu sprechen und keine Gewalt einzusetzen. Es kann aber Situationen geben, in denen es wichtig und richtig ist, sich körperlich wehren zu können. Dafür müssen vor allem die Mädchen lernen, sich ihrer körperlichen Kräfte bewusst zu werden, sie als etwas Positives wahrzunehmen, sie zu trainieren und in problematischen Situationen einzusetzen. Oftmals reicht es schon, sich stark zu fühlen und als stark wahrgenommen zu werden.

Es ist sinnvoll, sich als Lehrerin zunächst selbst mit möglichen Selbstbehauptungs- und Verteidigungstechniken in entsprechenden Kursen vertraut zu machen.

Viele Übungen, die in diesem Zusammenhang wichtig sind, können nur bedingt in der Mädchenstunde trainiert werden. Weitere Möglichkeiten dafür bietet der Sportunterricht. Dennoch kann mit den Selbstbehauptungsübungen in der Schule nur ein Anfang gesetzt werden, der die Mädchen eventuell motiviert, über einen längeren Zeitraum in einem entsprechenden Mädchen- bzw. Frauenverein zu trainieren. Über diese Vereine können Kursleiterinnen für ein Angebot in der Schule engagiert werden.

Fühlspiel (Jungen)

Übungsziel: Verantwortung übernehmen, vorausschauend sein, intensiv wahrnehmen, sich einlassen, Vertrauen entwickeln.

Übungsbeschreibung: Zwei Kinder üben zusammen. A werden die Augen verbunden. B führt A vorsichtig zu verschiedenen Tischen im Raum, auf denen unterschiedliche Materialien liegen. A berührt sie mit den Händen und benennt sie. Weiterhin können Gegenstände in Schüsseln oder an verschiedenen Stellen auf dem Boden mit den Füßen ertastet werden.

Hinweis: Zum Verbinden der Augen eignen sich Stirnbänder. Es kann auch sinnvoll sein, dass die Augen nicht verbunden, sondern nur geschlossen werden. So können die Kinder auch mal blinzeln.

Blindenführung (Jungen)

Übungsziel: Verantwortung übernehmen, vorausschauend sein, intensiv wahrnehmen, sich einlassen, Vertrauen entwickeln.

Übungsbeschreibung: A nimmt B an die Hand und führt ihn blind durch den Raum, durch die Schulflure, durchs Treppenhaus, über den Schulhof. Aufgabe dabei ist: B darf nirgendwo anstoßen, jedoch Materialien berühren. Ab und zu kann er sagen, wo er sich wohl befindet und die Augen für einen kurzen Moment öffnen.

Wie komme ich in die Burg (Mädchen)

Übungsziel: Spaß am Einsatz der eigenen Körperkräfte entwickeln.

Übungsbeschreibung: Sechs, sieben Mädchen legen die Arme um ihre Schultern und drängen ihre Körper aneinander und bilden so eine Burg. Ein Mädchen versucht nun, sich mit Körperkraft, Ausdauer und Witz in die Burg zu drängen.

Anderen helfen (Jungen)

Übungsziel: Einfühlungsvermögen stärken, eigene Gefühle wahr- und ernstnehmen, anderen helfen, Verantwortung übernehmen, die eigene Arbeit reflektieren, Lösungsvarianten beim Helfen entwickeln.

Übungsbeschreibung: In der Mitte des Stuhlkreises liegt das Bild eines weinenden Mannes. Die Jungen stellen Vermutungen an, warum der Mann so traurig ist und schreiben schließlich unter der Überschrift "Als ich einmal traurig war..." eine eigene Geschichte. Je nach Bedürfnis kann die Geschichte gar nicht, zu zweit oder im Stuhlkreis allen vorgelesen werden.

Die Jungen überlegen nun, wie sie sich verhalten könnten, wenn jemand weint. Dabei kann die Imagination sowohl Vorstellungskraft als auch Einfühlungsvermögen unterstützen: Die Jungen schließen die Augen, achten auf ihren Atem und stellen sich vor, wie sie sich selbst bzw. einem anderen Kind helfen und es trösten.

Um ihre Vorstellungen in die Tat umzusetzen, stellten die Jungen der hier beschrieben Klasse einen Plan auf: Immer zwei von ihnen übernahmen für einen Tag die Aufgabe, darauf zu achten, ob ein Kind Hilfe bzw. Trost benötigt. Hierzu eignete sich der Schulhof besonders gut.

In der Jungenstunde berichteten die Helfer über ihre Erlebnisse und die Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben hatten. Mit großer Ernsthaftigkeit entwickelten alle Jungen gemeinsam Ideen, wie die Probleme hätten gelöst werden können.