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Warnstreik an jüdischen Schulen

Lehrkräfte an jüdischen Schulen lassen sich nicht ignorieren

Ein Großteil der Lehrkräfte am Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn und an der Heinz-Galinski-Schule ist vom 5. bis 7. Dezember erneut für drei Tage in den Warnstreik getreten. Mit ihrer erneuten Arbeitsniederlegung wollen die Lehrkräfte den Druck auf den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erhöhen, mit der GEW BERLIN Tarifverhandlungen aufzunehmen. Ziel ist die Verbesserung der Einkommens- und Arbeitsbedingungen auf ein Niveau, das für die Tarifbeschäftigten des Landes Berlin gilt.

„Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Herr Dr. Joffe, ignoriert die berechtigten Forderungen seiner Beschäftigten seit Jahren. Auf nicht eines der Gesprächsangebote, die wir ihm seit 2014 machen, hat er reagiert“, erklärte Udo Mertens, Leiter des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW BERLIN. „Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten sieht anders aus. Die Kolleginnen und Kollegen sind dementsprechend sauer. Sie wollen sich nicht länger wie Luft behandeln lassen“.

Joffe nimmt Brief nicht an

Welche Haltung der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde gegenüber den berechtigten Forderungen der Lehrkräfte an den Tag legt, zeigte er bei der abschließenden Protestkundgebung vor der Geschäftsstelle der Gemeinde am 7. Dezember. So lehnte er es ab, einen Brief, den GEW-Verhandlungsführer Mertens persönlich übergeben wollte, anzunehmen. Gestattet wurde nicht einmal, den Brief in den Briefkasten einzuwerfen - obwohl die Übergabe zuvor angekündigt und mit der Polizei abgestimmt war. "Leider war weder Herr Joffe noch jemand anderes bereit, sich den Forderungen der Kolleg*innen der jüdischen Schulen zu widmen. Der Sicherheitsdienst hatte die Anweisung, nichts entgegen zu nehmen.Wir werden den Brief nun per Post zustellen", sagte Mertens im Anschluss an die Protestkundgebung.

„Seit Jahren gibt es keine ernsthafte demokratische Beteiligung der Beschäftigten“, kritisierte Mertens weiter. „Weder die Gewerkschaften noch der Vertrauensrat werden von Herrn Joffe einbezogen.“ Zusagen der Gemeinde, schulinterne Regelungen unter demokratischer Beteiligung der Lehrkräfte zu treffen, seien zudem nicht eingehalten worden.

Der GEW-Tarifexperte wies darauf hin, wie notwendig verlässliche Arbeits- und Entgelt-bedingungen auch für die jüdische Gemeinde sind. „Die schlechten Arbeitsbedingungen der Pädagog*innen wirken sich langfristig auch auf die Qualität der Schulen aus. Bereits im letzten Jahr haben viele voll ausgebildete Lehrkräfte die jüdischen Schulen verlassen. Wenn die Situation bleibt wie sie ist, wird es den jüdischen Schulen in Berlin bald nicht mehr gelingen, qualifizierte Lehrkräfte einzustellen.“

Die GEW BERLIN will den tariflosen Zustand beenden und rechtssichere Regelungen für alle Beschäftigten der jüdischen Schulen in einem Tarifvertrag festschreiben. „Wir fordern eine Bezahlung analog den für Tarifbeschäftigte des Landes Berlin geltenden Regelungen und einen Tarifvertrag, der den besonderen Bedingungen in der Jüdischen Gemeinde Rechnung trägt“, sagte Mertens.