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Schuljahresstart 2017/2018

Letzte Aktualisierung: 11.09.2017

Schuljahresstart: Qualität gerät aus dem Blick

Die GEW BERLIN heißt alle neu eingestellten Lehrkräfte im Berliner Schulbetrieb herzlich willkommen. Mit Sorge beobachtet die Bildungsgewerkschaft jedoch, dass der Anteil der Quereinsteiger*innen unter den Neueinstellungen erneut gestiegen ist. 41 Prozent sind keine ausgebildeten Lehrkräfte. An Grundschulen hat nur etwa jede fünfte neue Lehrkraft das Grundschullehramt studiert. „Wir sind irritiert, dass Schulsenatorin Sandra Scheeres den eklatanten Mangel an ausgebildeten Lehrkräften in ihrer Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn nicht thematisiert. Frau Scheeres scheint die Auswirkungen, die der Fachkräftemangel auf die Qualität der Berliner Schulen hat, nicht ernst genug zu nehmen“, kritisierte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann.

Erdmann wies auf die extrem hohe Arbeitsbelastung der Quereinsteiger*innen hin, die neben dem Unterricht ihre berufsbegleitende Ausbildung zu absolvieren haben. „Die Kolleg*innen bringen wertvolle Erfahrungen aus verschiedensten Bereichen mit, ihnen fehlen aber wichtige pädagogische Kenntnisse. Auch für die Schulen ist es eine große Belastung, wenn viele nicht voll ausgebildete Lehrkräfte unterrichten. Die zwei Stunden für die Begleitung der Quereinsteiger*innen reichen bei Weitem nicht aus“, unterstrich der GEW-Vorsitzende.

Erdmann forderte die Senatsverwaltung auf, generell mehr für die Attraktivität des Lehrer*innenberufs zu unternehmen. „Die zügige Höhergruppierung aller Grundschullehrkräfte in die A13/E13 würde dringend benötigte Lehrkräfte nach Berlin locken. Hier könnte die Senatsverwaltung einen entscheidenden Schritt zur Sicherung des Lehrkräftebedarfs machen“, sagte Erdmann.

Nach Ansicht der GEW BERLIN muss die Qualität der Berliner Schule im Fokus stehen. „Die Senatorin übt sich in Mangelverwaltung. Dabei fehlen dringend nötige Maßnahmen zur Entlastung der Pädagog*innen, zur Weiterentwicklung des Ganztags, zur Integration der geflüchteten Schüler*innen und zur Umsetzung der Inklusion“, betonte der GEW-Vorsitzende. „Wenn es der Senatsverwaltung nicht gelingt, ausgebildete Lehrkräfte für die Berliner Schule zu gewinnen, sind diese Mammutaufgaben nicht zu bewältigen.“

GEW-Abfrage zur Bildungsqualität ausgewertet

In der letzten Ferienwoche hat die GEW BERLIN die Berliner Schulen gebeten, ihre Daten zur Personalausstattung, Raumsituation sowie zu Klassengrößen zu übermitteln. Daran beteiligten sich 68 Schulen. 17 der 33 Grundschulen gaben an, dass die Klassen- bzw. Lerngruppen im Vergleich zum vergangenen Schuljahr größer geworden sind. An 18 Schulen mussten zusätzliche Lerngruppen eröffnet werden. Auch fünf Integrierte Sekundarschulen meldeten gestiegene Klassenfrequenzen bzw. mehr Lerngruppen.

Tom Erdmann äußerte sich dazu: „Unsere Schulen leiden zunehmend unter der Raumknappheit und müssen deswegen immer mehr ihre pädagogischen Konzepte über Bord werfen. Die wachsende Stadt macht sich in den Schulen bemerkbar. Insbesondere in den Grundschulen wird dadurch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Professionen immer schwieriger. Nicht nur die Zeit für gemeinsame Planung und Umsetzung ist knapp sondern es fehlen auch Räume für kreative pädagogische Konzepte. Bei zunehmender Klassengröße ist die Individualisierung und Differenzierung im Unterricht deutlich schwieriger.“

Diese Situation stellt eine zusätzliche Belastung für die Schulen dar. Die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte und der sozialpädagogischen Fachkräfte an den Schulen ist enorm. Die Schulen haben zahlreiche Entwicklungsaufgaben wie beispielsweise die Umsetzung der Inklusion, die Integration der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen, die Digitalisierung bzw. Medienbildung.

„Diese Aufgaben sind nur zu bewältigen, wenn die Pädagog*innen auch verlässlich Zeit erhalten, um die Entwicklungsprozesse gestalten und sich fortbilden zu können. Wir kritisieren, dass der qualitative Ausbau von Schule zunehmend aus dem Blick gerät. Stattdessen verstricken die Senatsparteien sich in lähmende Debatten um Büchergeld und Schülertickets. Es braucht Wertschätzung und Entlastung. Wenn Berlin sich nicht gut um seine Pädagog*innen kümmert, ist eine qualitätsvolle Weiterentwicklung der Schulen nicht möglich.“ so Erdmann weiter.

Auch die Personalausstattung an einzelnen Schulen ist nicht so, wie die Senatsverwaltung am Donnerstag verkündet hat.

Folgende Schulen stehen Ihnen für Rückfragen zur Verfügung:

Blumen-Grundschule; Leitung: Karin Laurenz, Andreasstraße 50; 10243 Berlin (Friedrichshain); Tel.: 030 3198702911

Röntgen-Schule (ISS); Schulleiter Detlef Pawollek; Wildenbruchstraße 53; 12435 Berlin (Neukölln); Tel.: 030 29 02 764-0 (Sekretariat)

Auswertung der Abfrage

Es haben sich insgesamt 68 Schulen, darunter 33 Grundschulen, 14 Integrierte Sekundarschulen, 9 Gymnasien und 5 zentralverwaltete und berufsbildende Schulen an der Umfrage beteiligt. Auch wenn das nur kleiner Teil der etwa 750 Berliner Schulen (633 öffentliche und 126 freie Schulen) ist, lässt sich aus Sicht der GEW BERLIN anhand der Rückmeldungen eine Tendenz ablesen: Im neuen Schuljahr kommt es zur Verdichtung in den Schulen.

  1. Unbesetzte Lehrkräftestellen
    Zwar haben die meisten Schulen, die sich an der Umfrage beteiligten, ihre offenen Stellen besetzen können, so dass im statistischen Mittel deutlich weniger als eine Lehrkräftestelle offen bleibt. Bei genauerer Betrachtung fällt es einzelnen ISSn (durchschnittlich 1,07 offene Stellen) und Grundschulen (0,9 Stellen) schwer, genügend Lehrkräfte zu finden. Acht der neun befragten Gymnasien sowie vier der fünf beruflichen Schulen konnten alle Stellen besetzen.
  2. Quereinstieg
    Die befragten Grundschulen haben in diesem Jahr durchschnittlich 1,4 Quereinsteiger*innen neu eingestellt, die ISSn 0,9 und nur zwei Gymnasien haben ein, bzw. zwei Quereinsteiger*innen neu eingestellt.
  3. Klassengröße und Zahl Lerngruppen
    17 der befragten Grundschulen gab an, dass die Klassen- bzw. Lerngruppen in diesem Schuljahr größer geworden sind. An 18 mussten neue Lerngruppen eröffnet werden. Auch fünf ISSn meldeten gestiegene Klassenfrequenzen und mehr Lerngruppen.

Hier können Sie den Fragenbogen einsehen. Die anonymisierte Auswertung mit Kommentaren einzelner Schulen finden Sie hier in Tabellenform:

Auswertung
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