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Aktuelle Kurzmeldungen

Letzte Aktualisierung: 09.04.2018

Ansprechpartner/in bei Rückfragen: Markus Hanisch

Arbeitsbelastung steigt in sozialen Berufen besonders stark

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat eine Umfrage unter mehr als 2.000 Betriebsräten durchgeführt und sie zu der Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten befragt. Das Ergebnis: Mit 84 Prozent finden im Bereich Erziehung, Gesundheit und Schule besonders viele, dass die Arbeitsbelastung in den letzten fünf Jahren gestiegen ist. Dabei wird am häufigsten der Personalmangel beklagt. Besonders in Kitas und Krankenhäusern kämen „zum Personalmangel oft noch widrige Arbeitsbedingungen und ungerechte Bezahlung hinzu“, so das WSI. Um die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten zu verbessern, müsse vor allem das Personal aufgestockt, Weiterbiladungen angeboten und die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben verbessert werden. Auch der betriebliche Gesundheitsschutz und die Herausforderungen durch die Digitalisierung des Arbeitslebens müssten mehr Beachtung finden.

Rechtsanspruch auf Kitaplatz quasi unwirksam

Die Kreuzbergerin Louisa Seelis hatte als Erste in Berlin versucht, ihren Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für ihren einjährigen Sohn einzuklagen. Nun gibt es eine ernüchternde Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Die Richter*innen bestätigten zwar den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, aber das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg könne diesen Anspruch wegen fehlender Fachkräfte derzeit nicht erfüllen. Da es keinen Rechtsanspruch auf die Schaffung neuer Plätze gebe, laufe der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz „ins Leere“. Als Ersatz wurde Seelis Schadensersatz angeboten. Sie könnten die Kosten für eine selbstorganisierte Betreuung nachträglich beim Verwaltungsgericht per Klage einfordern. Allerdings ist derzeit auch über Tagesmütter kaum an eine Betreuung zu kommen. Gegen das Urteil möchte die zuständige Anwältin Loreena Melchert Revision einlegen. Es sei unklar, ob das Land tatsächlich alle Maßnahmen zur kurzfristigen Personalgewinnung ausgeschöpft habe. Weil Seelis derweil doch noch einen Kitaplatz gefunden hat, sucht die Anwältin jetzt andere Eltern, die bereit sind, ihren Anspruch durchzuklagen. Das Potential ist da: In Friedrichshain-Kreuzberg stehen 350 Kinder auf der Warteliste des Jugendamts für einen Kitaplatz – und auf dieser sind nur jene zugelassen, deren Eltern bereits auf bis zu 20 Kita-Wartelisten stehen.

Es fehlen 3.000 Kitaplätze

Der Paritätische Wohlfahrtsverband geht dieses Jahr von mindestens 3.000 fehlenden Kita-Plätzen in Berlin aus. Hauptgrund ist der Mangel an Erzieher*innen. Der Beruf ist aufgrund der schlechten Bezahlung – in Brandenburg verdient eine Erzieherin mehrere hundert Euro mehr – nicht attraktiv genug. So beklagen die Erzieherfachschulen für dieses Studienjahr von einer gestiegenen Abbruchquote unter den Auszubildenden. Von zunächst mehr als 3.250 angehenden Erzieher*innen blieben am Ende der Ausbildung nur 2.450 übrig, berichtete der Paritätische Wohlfahrtsverband. Nach Recherchen des RBB geben viele sogar noch im dritten Ausbildungsjahr an, dass sie aus Geldmangel ihre Ausbildung abbrechen wollen. Grund genug, dass auch Auszubildende an Fachschulen für Sozialpädagogik das Aufstiegsbafög bekommen; bisher verhindert das die Ausbildungsordnung der Berliner Erzieherfachschulen.

Unions-Umfrage wird Eigentor

Laut der Schulstudie 2018, einer Umfrage der Fraktionsvorsitzendenkonferenz von CDU und CSU, wünschen sich 61 Prozent der befragten Bundesbürger*innen, dass der Bund mehr Einfluss auf die Schulen nimmt. Die Themen Unterrichtsausfall, Klassengröße und überforderte Lehrkräfte beschäftigen die Umfrageteilnehmer*innen neben Digitalisierung und Gebäudesanierung am meisten. Auf die Frage, in welchem Bereich Investitionen des Bundes am wichtigsten seien, nannten die Befragten am häufigsten: Lehrkräfte. CDU und CSU haben sich in der Vergangenheit gegen eine Erweiterung des Einflusses vom Bund auf die Länder in der Bildungspolitik positioniert.

98 Prozent Armut

Die ärmste Schule Berlins liegt in Kreuzberg. Laut einer Antwort auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrink leben 97,8 Prozent der Kinder der Schule von Hartz IV oder anderen Sozialleistungen. In Mitte gibt es eine Schule mit ähnlich besorgniserregenden Zahlen. Die Bildungsverwaltung gab die Zahlen anonymisiert heraus, da sie eine Stigmatisierung der ärmsten Schulen vermeiden möchte. Derartige Erhebungen dürften künftig schwieriger werden, da in Berlin ab dem nächsten Schuljahr wieder die Lernmittelfreiheit eingeführt wird. Die Lernmittelbefreiung ist bisher der Indikator, mit dem der sozioökonomische Status der Schüler*innenschaft gemessen wird.

Kein Zusammenhang zwischen Social Media und Schulleistung

Kommunikationswissenschaflter*innen der Universität Würzburg haben keinen wesentlichen Kausalzusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Netzwerke wie Facebook, Snapchat und Co. und dem Lernerfolg von Schüler*innen feststellen können. Grundlage der Analyse war die Auswertung von 59 Publikationen und den Daten von fast 30.000 Menschen zwischen 13 und 22 Jahren. Die Datenlage sei allerdings widersprüchlich, erklärten die Forscher*innen: So könnte Social Media die Schulleistungen verbessern, wenn sie etwa zum Austausch von schulbezogenen Inhalten verwendet würden, aber auch verschlechtern, wenn der Medienkonsum zu sehr ansteigt. Ein signifikantes Ergebnis der Studie ist, dass junge Menschen trotz der vielen Zeit an Smartphone und Tablet nicht weniger lernen als früher, da sie stattdessen auf das Fernsehen verzichten.

Angriff auf US-Gewerkschaften

Wenn US-Gewerkschaften eine Mehrheit in einem Betrieb für sich gewinnen, müssen sie alle Beschäftigten vertreten. Im Gegenzug sind alle nicht gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter*innen dazu verpflichtet, mindestens 80 Prozent des Mitgliedsbeitrags zu leisten. Dieses seit 45 Jahren geltende Gesetz könnte der oberste Gerichtshof in den USA, der Supreme Court, nun kippen. Ausgangspunkt ist ein Rechtsstreit zwischen Mark Janus, einem Beschäftigten der Gesundheitsbehörde in Illinois und der Gewerkschaft American Federation of State, County and Municipal Employees (AFSCME), eine der größten Gewerkschaften im öffentlichen Dienst. Gerade mal sieben Prozent der Beschäftigten in der US-Privatwirtschaft sind gewerkschaftlich organisiert. Im öffentlichen Dienst ist es hingegen fast ein Drittel. Wenn der Fall Janus vs. AFSCME zugunsten von Janus entschieden werden sollte, wird es wohl nicht mehr lange dauern bis der Einfluss der Gewerkschaft auch in den übrigen Bundesstaaten wegbricht.

Gemeinschaftsschulen im Schulgesetz verankern

Bildungssenatorin Sandra Scheeres plant, das 14 Jahre alte Berliner Schulgesetz zu novellieren. Unter anderem sollen die zeitweilige Aussetzung der Benotung für Flüchtlinge, geschlechter- und professionengerechte Sprache und Krisenteams dabei Beachtung finden. Besonders erfreulich ist der Entschluss, die Gemeinschaftsschulen als eigenständige Schulform im Gesetz zu verankern. Das seit 2008/2009 laufende Pilotprojekt habe sich bewährt. Das Angebot, von der ersten Klasse bis zum Abitur gemeinsam zu lernen, sei besonders fortschrittlich was Inklusion und Chancengleichheit betreffe, bestätigt die Bildungsverwaltung. Tom Erdmann, Vorsitzender der GEW BERLIN, begrüßte die Ankündigung: „Endlich hat die Politik unserer Forderung nach der Anerkennung der Gemeinschaftsschule als reguläre Schulform im großen Umfang Rechnung getragen“, sagte Erdmann. Bis zum Herbst soll das Gesetz vom Abgeordnetenhaus beschlossen werden.

ndH-Schüler*innen machen noch seltener Abschlüsse

Eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hat ergeben, dass knapp zehn Prozent der Schulabgänger*innen die Schule ohne Abschluss verlassen. Der Anteil der Schüler*innen nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH) in dieser Gruppe soll sogar bei knapp 16 Prozent liegen. Unter Schüler*innen, die zu Hause Deutsch sprechen (dH), beträgt er knapp 7 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf das Schuljahr 2016/17. Für ndH-Schüler*innen bedeutet das eine statistische Verschlechterung, denn vier Jahre zuvor hatten unter ihnen nur 12 Prozent den Abschluss verpasst, 2014 waren es 14,7 Prozent. Unter den verschiedenen Berliner Bezirken gibt es starke Unterschiede. Während in Neukölln 16,9 Prozent der Schulabgänger*innen keinen Abschluss machten, waren es in Pankow nur 4,7 Prozent.

Volksentscheid: Für gesunde Krankenhäuser

Laut Gewerkschaft ver.di fehlen rund 3.000 Pflegestellen in Berliner Krankenhäusern. Wer kennt es nicht: überlastete Pflegekräfte, überfüllte Rettungsstellen, zu wenig Zeit für die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Der Grund: Überall wurden Stellen abgebaut, um mit geringeren Kosten möglichst viel Gewinn zu machen. Gegen diese Zustände wurde jetzt der Volksentscheid für Gesunde Krankenhäuser gestartet. Dabei geht es um mehr Personal ins Krankenhaus durch feste Personal-Patienten-Schlüssel, eine maßgebliche Erhöhung der Investitionen des Landes Berlins in die Krankenhäuser. Der Landesvorstand der GEW BERLIN ruft dazu auf, das Volksbegehren zu unterstützen: https://volksentscheid-gesunde-krankenhaeuser.de/

Demonstration „Widersetzen: Gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“

Die GEW BERLIN unterstützt die Initiator*innen der Demo WIDERSETZEN – Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn am 14. April am Potsdamer Platz. In Berlin werden Menschen durch steigende Mieten verdrängt. Mietwohnungen werden in Eigentum umgewandelt. Nachbarschaften werden zerstört. Soziale Einrichtungen und Gewerbetreibende finden keine bezahlbaren Räume mehr. Wir rufen euch dazu auf, an dieser Demo teilzunehmen und das Bündnis zu unterstützen. Weitere Informationen findet ihr unter: http://mietenwahnsinn.info/

Es fehlen zehntausende Grundschullehrkräfte

Der Lehrkräftemangel spitzt sich mit jeder Einstellungsrunde zu. Nur ein Viertel der zum Februar 2018 neu eingestellten Lehrkräfte an Berliner Grundschulen sind ausgebildete Grundschullehrkräfte. Über alle Schulformen hinweg beträgt der Anteil von Quereinsteiger*innen an den Neueinstellungen zum zweiten Schulhalbjahr 38 Prozent. Bundesweit müssen laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bis 2025 knapp 105.000 Grundschullehrkräfte neu eingestellt werden. 60.000, um die Lehrkräfte zu ersetzen, die bis dahin in den Ruhestand gehen. 26.000, um den Schüler*innenzuwachs abzufangen und 19.000, um den Anspruch auf Ganztagsschule zu bewältigen. Den 105.000 stehen allerdings nur 70.000 Absolvent*innen gegenüber. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, riet daher dazu, den im Koalitionsvertrag angedachten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zu streichen. Weiterhin schlagen die Forscher*innen vor, Anreize zu schaffen, damit weniger Lehrkräfte nur Teilzeit unterrichten. Derzeit arbeiten 40 Prozent aller Lehrkräfte in Teilzeit, unter anderem weil die Arbeitsbelastung einer Vollzeitstelle zu hoch ist.

20 Prozent mehr Gehalt für Pensionär*innen

Um dem drastischen Lehrkräftemangel (s.o.) zu begegnen wollen Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), angehende Pensionär*innen länger im Beruf halten. Mit einem 20-prozentigen Gehaltszuschlag und der Aussicht auf eine erhöhte Pension sollen die Lehrkräfte gebunden werden. Vor allem der hohe Anteil an Quereinsteiger*innen macht die Einarbeitung durch erfahrenere Kolleg*innen aus Sicht der Senatsverwaltung dringlich. Allerdings verlassen viele Lehrkräfte die Schule krankheitsbedingt und wegen der hohen Arbeitsbelastung vorzeitig. Von 1.240 pensionierten Lehrkräften 2015 arbeiteten nur 453 bis zur regulären Pensionsgrenze.

Mitte kündigt Kita-Betreiber

Der Bezirk Mitte kündigt einem privaten Kita-Betreiber, weil der 133 Euro Zusatzbeitrag im Monat verlangt und nach Ansicht des Bezirksamts nichts für eine soziale Durchmischung der Kinder unternimmt. Die betroffenen Eltern und zahlreichen Unterzeichner*innen einer Online-Petition kritisierten die Kündigung scharf und verteidigten die Beiträge für Zusatzleistungen wie Frühenglisch, Spanisch und Yoga. Der Bezirk will die Kita-Plätze nicht streichen, sondern einen Betreiberwechsel ab 2019 und die Schaffung von 60 zusätzlichen Plätzen.

Fast jede*r Fünfte in Teilzeit

In Berlin sind 18 Prozent der Arbeitnehmer*innen in Teilzeit tätig. Jede dritte Berlinerin* und jeder zehnte Berliner* arbeitet auf einer Teilzeitstelle. Das geht aus dem Betriebspanel Berlin 2016 hervor, das im Dezember von Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) vorgestellt wurde. Auch die Zahl der Arbeitnehmer*innen mit befristetem Vertrag, Mini- und Leiharbeiter*innenjobs ist angestiegen. Fast jede*r vierte war 2016 in einem solchen Beschäftigungsverhältnis tätig. Breitenbach will gegen diesen Trend vorgehen und unbefristete Vollzeitstellen wieder zur Regel machen. Konkret fordert sie ein Rückkehrrecht auf Vollzeitstellen, die Abschaffung von sachgrundlosen Befristungen und eine Sozialversicherungspflicht für Mini-Jobs.

Ungleichheit wie vor 100 Jahren

Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren zugenommen hat. Während im Jahr 1995 die oberen zehn Prozent der Bevölkerung noch 32 Prozent aller Bruttoeinkommen bezogen, kamen sie 2013 auf einen Anteil von 40 Prozent. Damit ist ein Niveau der Ungleichheit wie vor dem Ersten Weltkrieg erreicht. Weltweit hat die Einkommensungleichheit seit 30 Jahren zugenommen, besonders rasant in den USA, China, Indien und Russland. Dieses Ergebnis steht im ersten Weltreport über Ungleichheit. Die Autor*innen warnen: Setzt sich der Trend fort, werden 2050 die reichsten 0,1 Prozent genauso viel Weltvermögen besitzen wie die globale Mittelschicht.

Bundesweite Studie zu Arbeitsbelastung von Lehrkräften

Laut einer Studie der Georg-August-Universität Göttingen arbeiten Lehrkräfte in Deutschland länger als vergleichbare Beschäftigte im öffentlichen Dienst: 48:18 Wochenstunden, und das bei Berücksichtigung der Ferienzeiten. Im Durchschnitt des öffentlichen Dienstes sind es 46:38 Wochenstunden. Diese Zahlen stammen aus einer Vergleichsanalyse von 20 Studien aus sechs Jahrzehnten. Zwischen 14 und 19 Prozent der Lehrkräfte bewege sich sogar im Bereich überlanger Arbeitszeiten von mehr als 48 Wochenstunden. Die Sieben-Tage-Woche sei die Regel, was zur Verknappung von Erholungsphasen führe, so der Bericht. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte 2015 kritisiert, dass es keine nachvollziehbare Erfassung der Arbeitsbelastung von Lehrkräften gebe.

125 Millionen Euro für die Begabtenförderung

„Leistung macht Schule“ heißt das neue, 125 Millionen Euro schwere Programm zur Begabtenförderung, das die scheidende Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU)gestartet hat. Bei dem Programm handelt es sich um einen bundesweiten, auf zehn Jahre angelegten Modellversuch, an dem 300 Schulen und 28 Wissenschaftler*innen von 15 Universitäten teilnehmen. Teil des Programms sind Aufgabenformate für alle Kernfächer, anhand derer Lehrkräfte Talente identifizieren und gezielt fördern sollen. Die Konzepte sollen nach fünf Jahren evaluiert werden. In Berlin nehmen 15 Schulen teil, davon sechs im Primar- und neun im Sekundarbereich I.

Leichte Verbesserungen bei PISA

Zwar liegt Deutschland laut der aktuellen PISA-Studie in puncto Chancengleichheit noch immer unter dem Durchschnitt, aber der Anteil der gut abschneidenden Schüler*innen mit erschwerter sozialer Ausgangslage sei hierzulande so stark gewachsen wie in kaum einem anderen Industrieland. Mehr Ganztagsschulen, die Zusammenführung von Haupt- und Realschule, frühkindliche Bildung an Kitas und eine stärkere Förderung von Schüler*innen mit Migrationshintergrund seien die notwendigen Maßnahmen, um den Bildungserfolg weiter von der sozialen Herkunft zu entkoppeln, heißt es in der Studie.

Investitionsstau an Hochschulen

Der Sanierungsbedarf an den Gebäuden der elf staatlichen Berliner Hochschulen ist doppelt so hoch wie bisher angenommen. Laut einem noch unveröffentlichten Gutachten wird er auf 3,2 Milliarden Euro geschätzt. Ein externes Planungs- und Beratungsunternehmen wurde vom Land damit beauftragt, rund 450 Bestandsgebäude zu untersuchen. Investitionen in Berlins Hochschulen gehören zu den Schwerpunkten der rot-rot-grünen Landesregierung. Bislang ist schätzungsweise aber nur etwa ein Drittel der Summe abgedeckt. Der fehlende Milliardenbetrag könnte über rund 15 Jahre gestreckt werden und würde folglich 140 bis 150 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich ausmachen.

Beratungsfirma streicht Schulneubaupläne zusammen

Der Senat hat die Beratungsfirma „aim architecture consulting“ beauftragt, die Pläne für den Schulneubau zu überprüfen. Diese hat nun zahlreiche Abstriche vorgenommen. So soll die durchschnittliche Nutzfläche einer Schule um mehr als ein Zehntel kleiner werden. Damit lassen sich laut Beratungsunternehmen 2,8 Millionen Euro pro Schule sparen. Vor allem Fachräume, Lernwerkstätten, Speiseräume, aber auch Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze für pädagogisches Personal sollen, soweit überhaupt geplant, verkleinert werden. Auch der Plan, die Schulen etwa über Stadtteilzentren oder Bibliotheken zum Kiez hin zu öffnen, soll aus Kostengründen zunächst nicht weiterverfolgt werden, empfehlen die Berater*innen.

CDU fordert mehr Unterrichtsstunden an Grundschulen

Die CDU-Landesvorsitzenden Monika Grütters schlägt vor, die Stundenzahl in den Grundschulen um sieben Stunden pro Woche auf das Hamburger Niveau von 27 Stunden zu erhöhen. Davon erhofft sie sich ein bessere Leistungen Berliner Grundschüler*innen. Woher die Lehrkräfte für diese Stundenerhöhung kommen sollen, bleibt allerdings offen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres konterte, dass Grütters bei ihrem Vergleich mit Hamburg weder Berlins nicht verpflichtenden Religionsunterricht noch die Förderstunden berücksichtigt habe. Die GEW BERLIN fordert die Politik auf, endlich den flächendeckenden Ganztag in Berliner Grundschulen besser auszustatten anstatt über eine Erhöhung der Stundentafel zu diskutieren.

Mehr Inklusionsschulen in der Oberstufe

Bildungssenatorin Scheeres möchte in den nächsten vier Jahren 25 weitere Schulen barrierefrei machen. Oberschulen mit inklusivem Schwerpunkt sind in Berlin nämlich rar gesät. Zuletzt hatten Eltern von Grundschüler*innen mit Förderbedarf geklagt, dass es zwar gute Grundschulen für ihre Kinder in Berlin gebe, aber der Übergang auf eine weiterführende Schule sehr schwierig sei. Von den elf Inklusionsschulen in Berlin gehen nur vier über die Grundschule hinaus. Eine gymnasiale Oberstufe mit Inklusion gibt es gar nicht.

Berliner Jugendliche kommen zu kurz

Der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg, Bernd Becking kritisiert die Berliner Schulen, dass sie ihre Schüler*innen nicht ausreichend auf das Berufsleben vorbereiten. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren im vergangenen Jahr 11,7 Prozent der unter 20-jährigen Berliner*innen ohne Arbeitsstelle. Das sei eine der höchsten Jugendarbeitslosenquoten in Deutschland, wo im Schnitt 3,6 Prozent der jungen arbeitslos ist. Auch die Zahl der Schulabgänger*innen ohne Abschluss ist nach wie vor hoch. Zehn Prozent, also 2.500 bis 3.000 Schüler*innen, verlassen jährlich das Berliner Bildungssystem ohne Berufsreife. Becking forderte den Senat auf, eine verbesserte Berufs- und Studienorientierung in den Lehrplan zu integrieren. Für sogenannte Brennpunkt-Schulen forderte er einen besseren Betreuungsschlüssel.

Kitas bleiben unterfinanziert

Der Berliner Kita-Haushalt wird in den nächsten vier Jahren um insgesamt 610 Millionen Euro anwachsen. Das geht aus der neuen „Rahmenvereinbarung über die Finanzierung und Leistungssicherstellung der Tageseinrichtungen“ – kurz: RV Tag – hervor. Zwar soll die Sachkostenerstattung bis zum Jahr 2021 um insgesamt 10,4 Prozent steigen, die Kitagestehungskostenanalyse ergibt jedoch ein Sachkostendefizit von 30 Prozent. Zudem soll es nach wie vor den Trägern überlassen sein, wie sie die jeweiligen Personalkosten- und Sachkostenpauschalen umsetzen. Es wird also weiter zu sein, dass viele Träger die Personalmittel vom Land Berlin nicht vollständig an ihre Beschäftigten weiterreichen. Die Erzieher*innen in freier Trägerschaft bleiben also die Leidtragenden.

Rechtsextremer Lehrer vom Dienst freigestellt

Ein Lehrer der Vineta-Grundschule in Gesundbrunnen, der auf YouTube unter dem Namen „Volkslehrer“ rechtsextreme Inhalte teilt, wurde Anfang Januar von der Senatsverwaltung vom Dienst freigestellt und wegen des Verdachts auf Volksverhetzung angezeigt. Der Mann bezeichnet in seinen YouTube-Videos den Holocaust als eine „Geschichte voller Lügen“. Der Landesschülerausschuss (LSA) äußerte sich in einer Pressemitteilung „erfreut“, dass der betreffende Lehrer bis auf weiteres nicht unterrichten wird, kritisiert jedoch die Schulleitungen und die Gesellschaft im Allgemeinen, derartige Probleme nicht ernst genug zu nehmen. Wer Menschen wie Nikolai N. offen beschuldige, könne nicht selbstverständlich mit Unterstützung rechnen.

Berufsbildende Schulen wollen auch Neutralität

Wenn Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Berlin aufgrund religiöser Symbole nicht unterrichten dürfen, werden sie bislang ungeachtet ihrer Qualifikation zum Unterrichten an Berufsbildende Schulen verwiesen. Das ist eine Konsequenz des Neutralitätsgesetzes, welches nur für allgemeinbildende, aber nicht für berufsbildende Schulen gilt. Ronald Rahmig, Vorsitzender der Vereinigung der Schulleitungen der berufsbildenden Schulen in Berlin (BBB), nannte diese Praxis in einem offenen Brief eine „Ungleichstellung“ und bezeichnete es als „kontraproduktiv“, dass kopftuchtragende Lehrerinnen dort zum Unterrichten in Willkommensklassen verpflichtet würden. Die Begründung des Senats, dass Berufsschüler*innen aufgrund ihres Alters nicht im gleichen Maße beeinflussbar seien wie Schüler*innen auf allgemeinbildenden Schulen, findet Rahmig nicht „nachvollziehbar“.

Fehlstunden sollen bald zählen

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) möchte offensiver gegen Schule-Schwänzen vorgehen. Bisher schlugen Fehlstunden nicht gleichermaßen zu Buche wie Fehltage. Das soll sich ab August ändern: 30 einzelne Fehlstunden sollen als fünf Fehltage gewertet werden. Ab fünf Tagen ist bereits eine Schulversäumnisanzeige fällig, die beispielsweise in Neukölln ein Bußgeld nach sich zieht. Im vergangenen Schuljahr mussten 863 Eltern bis zu 2.500 Euro Bußgeld für ihre Kinder zahlen. Das ist im Vergleich zu 2015 beinahe eine Verdreifachung. Neukölln hat mit 447 Bescheiden den mit Abstand höchsten Anteil an angezeigten Schwänzer*innen in Berlin. Friedrichshain-Kreuzberg verzichtet auf Anzeigen und setzt stattdessen auf „pädagogische Gespräche“.

Schulfach Politik: Streit um Kontingentlösung

Politik als Schulfach soll ab Sommer 2018 Einzug ins Curriculum der siebten Klassen finden. Doch es gibt viel Kritik an der Umsetzung. In einem offenen Brief wandten sich Fachlehrer*innenverbände gegen den noch nicht veröffentlichten Vorschlag der Senatsverwaltung, das Fach Politik mit den anderen Gesellschaftswissenschaften Geschichte, Geografie, Ethik und Philosophie mit 3 bis 3,5 wöchentlichen Unterrichtsstunden zu unterrichten und die Verteilung den einzelnen Schulen zu überlassen. Die Kritiker*innen monierten, dass Schulen diese Gestaltungsfreiheit sehr unterschiedlich und zum Nachteil der Schüler*innen nutzen könnten. Sie forderten klare Vorgaben: eine Stunde Geografie, 1,5 Stunden Geschichte und eine Stunde Politik an Gymnasien sowie pro Fach eine Stunde an Sekundarschulen. Die Vereinigung der Oberstufendirektoren unterstützt die Kontingentlösung, wehrt sich aber gegen eine Stundenerhöhung und die Kürzung von Profil- oder Wahlpflichtstunden. Entgegen der Fachlehrerverbände fordern die Oberstufendirektoren, das Fach Ethik in das Kontingent mit hineinzurechnen.

Was tun gegen den grassierenden Antisemitismus?

Als Reaktion auf die Forderung der Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD), Besuche in Konzentrationslagern zur verpflichtende Integrationsleistung zu machen, ist eine Debatte über verpflichtende KZ-Besuche für Schüler*innen entbrannt. Klaus Hillenbrand schreibt in der taz, eine Verpflichtung zum Besuch einer Gedenkstätte des Holocaust zeuge von gutem Willen, sei aber nicht zielführend. Vielmehr könnte das bei ohnehin überdrüssigen Schüler*innen erst Recht zu Unmut führen. Dem entgegnet Hanna Voß, dass es nichts neues sei, dass nicht jede*r Schüler*in jeden Unterrichtsinhalt mit der gleichen Ernsthaftigkeit verinnerliche, das habe aber noch keinen davon abgehalten, so etwas wie Vektormathematik vom Lehrplan zu streichen. Der Zentralrat der Juden fordert schon länger eine KZ-Besuchspflicht für Schüler*innen höherer Klassen.

„Nein“ zu Schulbau-GmbH

Die Initiative „Gemeingut in BürgerInnenhand“ startet eine Volksinitiative mit dem Titel „Unsere Schule“, um gegen die Senatspläne zum Schulbau vorzugehen. Die Aktivist*innen befürchten, dass der Auftrag an eine Tochter-GmbH der HOWOGE eine schleichende Privatisierung der Schulgebäude nach sich ziehen wird. Die GEW BERLIN hat sich ebenfalls gegen die Pläne der Koalition positioniert und wird die Volksinitiative unterstützen. 20.000 Unterschriften sind zunächst nötig, damit das Anliegen von den betroffenen Ausschüssen des Abgeordnetenhauses angehört wird.

Türkisch-AGs in fünf Bezirken

Ab jetzt startet die Pilotphase des Berliner Türkischunterrichts als Alternative zum türkischen Konsulatsunterricht. Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf – die fünf Bezirke, in denen der Türkischunterricht am meisten nachgefragt ist – starteten diesen Monat mit Türkisch-Arbeitsgemeinschaften für 12 bis 20 Schüler*innen pro AG. Das Angebot richtet sich zunächst an die Klassen eins bis drei. Da es in Berlin nur wenige Türkischlehrkräfte gibt, sollen Volkshochschullehrer*innen miteinbezogen und Schulverbünde erlaubt werden. Spannend bleibt, wie beliebt dieses Angebot bei türkischsprachigen Eltern sein wird, ob sie ihre Kinder aus dem Konsulatsunterricht nehmen werden und ob nicht gar einige jetzt erst, da es dieses Pilotprojekt gibt, entscheiden, ihre Kinder in den Türkischunterricht zu schicken. Zuletzt waren die Zahlen der Inanspruchnehmenden des Konsulatsunterrichts trotz der Kontroverse um dessen nationalistische Inhalte nicht gesunken.

Berufsschulqualität leidet

Der jährliche DGB-Ausbildungsreport hat sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig mit der Berufsschule befasst. Dort hat sich an den allseits bekannten Missständen nicht viel geändert. Die Abbruchsquote sei unverändert hoch, so Christin Richter, Bezirksjugendsekretärin des DGB. Im Handwerk betrage sie in Berlin 46 Prozent, das liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. 27 Prozent der Befragten bewerteten die die fachliche Qualität des Unterrichts als „befriedigend“, 15 Prozent als „ausreichend“ oder gar „mangelhaft“. Mit 21,8 Auszubildenden pro Schulklasse ist die Klassengröße erneut gestiegen.

Immer weniger können BAföG beziehen

Der Anteil der BAföG-Empfänger*innen ist trotz der leichten Erhöhung im vorletzten Jahr von 2012 bis 2016 um 16,7 Prozent gesunken – von rund 630.000 auf rund 525.000. Das ging im Dezember aus dem BAföG-Bericht des Bundes hervor. Der Rückgang der Geförderten sei auf gestiegene Einkommen und die gesunkene Arbeitslosenquote zurückzuführen. Neue Bedarfssätze und Eltern-Freibeträge festzusetzen sei „eine Aufgabe der künftigen Bundesregierung“, heißt es im Bericht. Die Dringlichkeit, erneute Reformen einzuleiten, sieht auch das Deutsche Studentenwerk. Das Bafög ist auch Gegenstand der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD.

Ver.di verurteilt Durchsuchungen in Bonn nach G20-Protesten

Die jüngsten Hausdurchsuchungen im Rahmen der G20-Ermittlungsverfahren gegen Mitglieder der Bonner ver.di-Jugend nannte der Bonner ver.di-Vorstand „völlig unverhältnismäßig“. Zudem kritisiert er in einer Pressemitteilung die Bundesregierung, den Hamburger Senat und die Strafverfolgungsbehörden. So hätten die verantwortlichen Landespolitiker*innen „mit Rückendeckung der Bundesregierung früh die Weichen für harte und eskalierende Auseinandersetzungen gestellt“ und „Polizeiwillkür und Polizeigewalt“ nicht als solche benannt. Bei der Gelegenheit distanzierte sich der ver.di-Vorstand „ausdrücklich von gewalttätigen Protestformen“, die er vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung begründet sieht. Die Berichterstattung nach dem G20-Gipfel habe sich „fast ausschließlich auf die gewalttätigen Auseinandersetzungen fokussiert, während die Anliegen der 150.000 friedlichen Demonstrant*innen in den Hintergrund rückten“.

Förderlücke bei akademischer Nachqualifizierung von Migrant*innen

Matthias Knuth, Professor am Institut Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen, ist im Zusammenhang mit dem Projekt „ProSalamander“ (Programm zur Stärkung ausländischer Akademiker/innen durch Nachqualifizierung an den Universitäten Duisburg-Essen und Regensburg) auf eine Förderlücke zur Unterhaltssicherung migrantischer Teilnehmender an akademischen Nachqualifizierungsmaßnahmen gestoßen. Durch Stipendien der Mercator-Stiftung wurde der Unterhalt im Projekt ProSalamander vorübergehend gesichert. Beim Nachfolgeprojekt „OnTop“, das sich an zugewanderte Akademiker*innen mit einem im Ausland erworbenen Hochschulabschluss richtet, bleiben die Teilnehmenden jedoch in aller Regel auf BAföG angewiesen. Wenn das verweigert wird, könnten sie meistens nicht teilnehmen. Nähere Infos zu dem Problem gibt es über den „Förderverein zur Integration hochqualifizierter Zuwanderinnen und Zuwanderer“ (INTEZ).

Handreichung zu Sonderpädagogischem Förderschwerpunkt Lernen

Das LISUM hat eine Handreichung herausgegeben. Sie soll veranschaulichen, wie der neue Rahmenlehrplan 1-10 Lehrkräfte in ihrer Unterrichtsarbeit und in der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen unterstützen kann. Die Handreichung ergänzt den Rahmenlehrplan 1-10 auf der didaktisch-methodischen Ebene und gibt Anregungen für einen erfolgreichen Unterricht in heterogenen Lerngruppen. Download der Handreichung sowie weitere Information zur sonderpädagogischen Förderung siehe: http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/sonderpaedagogik/

Informationen zu Schulhilfemaßnahmen in Schule

Auf der Webseite der Senatsbildungsverwaltung sind hilfreiche Informationen zum Einsatz von Schulhelfer*innen zu finden u.a. auch Anträge für Klassenfahrten und Ferienbetreuung. http://www.berlin.de/sen/bjf/inklusion/fachinfo/

Gedenkstättenfahrt: Tipps für Lehrkräfte

Der Leitfaden „Gedenkstättenfahrt: Tipps für Lehrkräfte” des Aktionsbündnisses Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit unterstützt Lehrer*innen bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung eines eintägigen Besuchs einer NS-Gedenkstätte. Dabei geht der hilfreiche Text unter anderem auf die Bezüge zum neuen Rahmenlehrplan, auf das pädagogische Konzept und die Finanzierungsmöglichkeiten ein.

Neu gewählte Führungsspitze des DGB Berlin-Brandenburg

Am Sonnabend, den 20. Januar 2018, wählten die 100 Delegierten der Bezirkskonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg ihre neue Führungsspitze für die nächsten vier Jahre. Die seit 2010 amtierende Vorsitzende Doro Zinke war aus Altersgründen nicht wieder zur Wahl angetreten. Der neu gewählte Bezirksvorsitzende Christian Hoßbach wurde im ersten Wahlgang mit 80,7 Prozent der Stimmen gewählt. Hoßbach war bisher stellvertretender Bezirksvorsitzender. Zur neuen stellvertretenden DGB-Bezirksvorsitzenden wurde Sonja Staack mit 96,6 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gewählt. Staack war einige Jahre Mitglied im Vorstand von ver.di Berlin und arbeitete zuletzt für den GEW-Hauptvorstand. Hoßbach und Staack fordern von den Regierungen ein entschlossenes Eintreten für Gute Arbeit in Berlin und Brandenburg.

 

Mete-Ekşi-Preis geht an Neuköllner Jugendprojekt

Der Mete-Ekşi-Preis wird jedes Jahr an Berliner Kinder und Jugendliche vergeben, die sich mit einem herausragenden Projekt gegen Rassismus und für ein friedliches Miteinander engagieren. In diesem Jahr hat das Projekt „United Youth“ aus Neukölln gewonnen. 1.500 Euro bekommt es für die Ideen, wie man Begegnungen von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft und mit Fluchterfahrung gestalten kann. Die zweiten Plätze mit 750 Euro Preisgeld machten die Lindenhof-Grundschule in Schöneberg mit ihrem „Grundgesetz-Rap“ und die AG „Schule ohne Rassismus“ der Katharina-Heinroth-Grundschule in Wilmersdorf für ihre Interventionsstrategien in Diskriminierungssituationen. Die Preisverleihung und anschließende Kranzniederlegung am Gedenkstein für Mete Ekşi fanden am 25. November statt.

Wenig Interesse am Lehramt

Berlin bildet noch lange nicht genügend Lehrkräfte aus. 2015 waren es 751 und 2016 nur 689 statt der 1.000 vom Senat anvisierten Lehramtsabsolvent*innen. Ab 2018 sollen es laut Hochschulvertrag 2.000 werden. Wenn aber weiterhin die Hälfte der Lehramtsstudierenden nach dem Bachelor aufhört, müssten 4.000 Studienanfänger*innen pro Jahr aufgenommen werden, um das Ziel des Senats zu erreichen. Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach will sich damit begnügen, die Unis dazu zu bewegen, Lehramtsstudierende auch zum Sommersemester zuzulassen und das Masterstudium für Quereinsteiger*innen auszubauen. Ein Drittel aller Bewerber*innen nehmen ihren Studienplatz allerdings nicht einmal an. Nur eine höhere Attraktivität von Referendariat und Lehrer*innenberuf kann diese Lücke schließen.

Linkspartei will Privatisierungsbremse

Auf dem Parteitag der Berliner Linken schlug Landeschefin Katina Schubert die Einführung einer Privatisierungsbremse in die Berliner Landesverfassung vor. Schubert war von der Basis kritisiert worden, weil die Linke als Teil der Landesregierung die Gründung einer privatwirtschaftlichen GmbH als Tochterunternehmen der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE mit vorangetrieben hat, um die milliardenschweren Pläne zum Schulbau umzusetzen. Dies sei ein Einfallstor für Privatisierungen findet auch die Initiative Gemeinwohl in Bürgerhand, die während des Parteitags vor der Tür protestierte. Schubert verteidigte die Einrichtung einer Gesellschaft als Bauherrin, solange nicht diese sondern die Bezirke Schulträger seien. Da rot-rot-grün für eine Verfassungsänderung nicht die nötige Zweidrittelmehrheit im Landtag hat, schlug Schubert vor, die Privatisierungsbremse per Volksentscheid einzuführen. Für Verfassungsänderungen per Volksentscheid gibt es allerdings besonders hohe Hürden.

Schulabbruch an Sekundarschulen weiterhin hoch

Nur 62 Prozent der Zehntklässler*innen an Berliner Sekundarschulen haben im Schuljahr 2016/17 den Mittleren Schulabschluss (MSA) geschafft – drei Prozent weniger als im Vorjahr. Das ging im November aus einer Veröffentlichung der Senatsverwaltung hervor. Der Anteil derer, die die erweiterte und die einfache Berufsbildungsreife (BBR/eBBR) erreichten, stieg von 25 auf 27 Prozent. Von neun auf zehn Prozent leicht gestiegen ist die Zahl der Schüler*innen, die die Schule ganz ohne Abschluss verließ. In Berlin brechen doppelt so viele Jugendliche die Schule ab wie im Bundesdurchschnitt. Ein Lichtblick sind die Gemeinschaftsschulen. Dort sank die Durchfallquote im MSA und in der eBBR von 15 auf 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 67 Prozent der Schüler*innen an den Gemeinschaftsschulen schafften den MSA, 23 Prozent die eBBR. Die Werte für 2017 wurden von der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule zusammengetragen.

Deutschland schneidet wieder schlecht bei IGLU-Studie ab

Die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) belegt erneut, dass es an Grundschulen in Deutschland einen besonders großen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lernerfolg gibt. Das Gefälle der Leistungen zwischen privilegierten und benachteiligten Kindern hat in den vergangenen 15 Jahren sogar noch zugenommen. Auch die Förderung von Kindern mit Migrationserfahrung gelingt nur unzureichend. Aus Sicht der GEW sollten erstens gezielte Leseförderprogramme aufgelegt werden. Dazu braucht es eine deutlich umfangreichere Finanzierung, auch in die Schulbibliotheken der Grundschulen. Zweitens braucht es eine verbesserte Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, die mit heterogenen Lerngruppen arbeiten. Dabei müssten Konzepte der Leseförderung besonders auf benachteiligte Schüler*innen zugeschnitten sein. Drittens muss der Ganztag flächendeckend ausgebaut werden.

KitaFöG ist gut, aber nicht genug

Die GEW BERLIN begrüßt die Novellierung des Kindertagesstättenförderungsgesetzes (KitaFöG) im Berliner Abgeordnetenhaus. Freie Träger dürfen ab kommendem Sommer keine zu hohen Zuzahlungen mehr verlangen. Und ab Anfang des Jahres gilt, dass Kinder ab ihrem ersten Geburtstag einen Anspruch auf siebenstündige Betreuung haben, ohne dass Eltern einen dazu einen Bedarf nachweisen müssen. Zudem gilt für alle Quereinsteiger*innen in Kitas, dass sie im ersten Jahr drei Stunden die Woche Unterstützung durch erfahrene Kolleg*innen erhalten, die dafür freigestellt werden; im zweiten Jahr sind es zwei Stunden und im dritten konnte noch eine Stunde ausgehandelt werden. Für die GEW geht der Gesetzentwurf jedoch nicht weit genug. „Diese Novellierung wird keine systemische Entlastung der Kolleg*innen mit sich bringen, die so dringend geboten ist“, so Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW BERLIN. Die GEW BERLIN fordert unter anderem eine verbindliche Regelung zur mittelbaren pädagogischen Arbeit in Höhe von mindestens neun Stunden pro Woche, eine vollständige Abgeltung von Ausfallzeiten und mittelbarer pädagogischer Arbeit im Personalschlüssel und eine Erhöhung der Fachkraft-Kind-Relation von eins zu drei für unter Dreijährige und von eins zu acht für über Dreijährige.

Tariflohn für alle

Die GEW BERLIN fordert die Senatsbildungsverwaltung und die freien Träger Berliner Kitas auf, endlich dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten bei freien Trägern nach Tarif bezahlt werden. Nur so ließe sich verhindern, was bisher vor allem in kleinen und mittleren Trägern an der Tagesordnung ist: dass Gelder für Sachkosten zweckentfremdet werden, die der Träger von der Senatsverwaltung für das Person erhält. Der Senat berechnet die Personalmittel auf der Basis des Tariflohns im öffentlichen Dienst. Diese Gelder müssen an die Beschäftigten weitergegeben werden. Eine verbindliche Bezahlung auf Niveau des öffentlichen Dienstes sei die einzige Maßnahme, die den Erzieher*innenberuf auf Dauer attraktiv machen könne, sagte die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik der Deutschen Presseagentur. Derzeit werden in Berlin nur 13 Prozent der 2.500 Kitas von öffentlichen Trägern betrieben, die ihre Angestellten nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlen. Angestellte freier Träger verdienen bis zu 200 Euro weniger im Monat.

Hessen verstimmt über Werbekampagne

„Du hast unseren Kindern gerade noch gefehlt. Einsteigen. Hier geht es nach Berlin.“ Dieser Schriftzug steht auf dem Plakat, mit dem der Berliner Senat seit Oktober am Frankfurter Hauptbahnhof um Lehrkräfte und Erzieher*innen wirbt. Das Kultusministerium in Wiesbaden äußerte sich kritisch. Berlin verstoße mit dieser Kampagne gegen eine Regelung aus dem Jahre 2009. Damals wurden auf Betreiben Berlins ein „fairer Wettbewerb“ und eine „vertrauensvolle Abstimmung“ unter den Ländern beim Werben um Fachkräfte vereinbart. Eine solche Abstimmung sei von Seiten des Berliner Senats nicht erfolgt.

Studierende können Miete nicht mehr zahlen

Laut einem Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), in dem Inserate von ImmobilienScout24 für 15 deutsche Städte untersucht wurden, ist der durchschnittliche Mietpreis bei Neuvermietungen in Groß- und Universitätsstädten seit 2010 um bis zu 70 Prozent gestiegen. Anführer der Liste ist Berlin mit 70,2 Prozent. Am schwersten haben es Studierende in Berlin, da sie in Konkurrenz zu vielen anderen Bewerber*innengruppen stehen und es nach wie vor nicht ausreichend Wohnheimplätze gibt. Die Warteliste des Studentenwerks zählt seit Anfang des Semesters 5.500 Menschen. Rot-Schwarz hat das Versprechen, bis Ende der Legislatur 5.000 Plätze zu schaffen, nicht einmal ansatzweise eingelöst. Rot-Rot-Grün möchte dies nun bis Ende 2021 nachholen.

Berlin bekommt eigenen Türkisch-Unterricht

Die Senatsbildungsverwaltung möchte schon im nächsten Schulhalbjahr eigene Lehrkräfte für den Türkischunterricht an Grundschulen einstellen. Bisher wurden 2.300 Schulkinder mit türkischer Muttersprache von Lehrkräften des türkischen Konsulats unterrichtet. Der Konsulatsunterricht ist allerdings wegen nationalistischer und religiöser Inhalte in die Kritik geraten. Im Unterricht der Senatsverwaltung soll es künftig nur um Sprache und Heimatkunde und nicht mehr um Religion gehen. 28 Lehrkräfte stehen bisher an den Schulen bereit. Zusätzlich sollen noch Lehrkräfte der Volkshochschulen und Quereinsteiger*innen sowie türkischsprachige Lehrkräfte für Weiterqualifizierungen gewonnen werden.

Lehrkräftefortbildung Mathematik

Das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) hat sich zum Ziel gesetzt, die Didaktik des Matheunterrichts zu verbessern. Am DZLM sind auch die Humboldt-Universität und die Freie Universität beteiligt. Das Zentrum möchte Mathematiklehrkräfte darin fortbilden, ihrerseits wiederum Kolleg*innen fortzubilden und zu beraten. Der Lehrkräftemangel führt dazu, dass vor allem an Grundschulen Lehrkräfte aus anderen Fächern im Matheunterricht eingesetzt werden.

Eine neue Arbeitszeitkultur

In Schweden arbeiten Angestellte im Gesundheits- und Sozialsektor nur noch sechs Stunden am Tag bei gleichem Lohn. Seither soll die Produktivität gestiegen und der Krankenstand gesunken sein. Hierzulande diskutiert die IG-Metall in aktuellen Tarifverhandlungen die 28-Stunden-Woche. Beschäftigte sollen das Recht haben, ihrer Arbeitszeit vorübergehend von 35 auf 28 Stunden pro Woche zu reduzieren. Für bestimmte Gruppen, wie Eltern, Angehörige von Pflegebedürftigen sowie Schichtarbeiter*innen, soll es zumindest einen teilweisen Lohnausgleich geben. Ein solcher Zuwachs von Flexibilität würde laut IG Metall stressbedingten Erkrankungen entgegenwirken. Der Ausgang der Tarifverhandlungen der IG Metall könnte die Weichen für Verhandlungen in anderen Branchen stellen.