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Janina Bähre: Verweigern wir uns

bbz 01 / 2018

Jugendliche Rom*nja und Schauspieler*innen aus der Rom*nja- und Sint*izze-Community beschäftigen sich in ihrem Stück »So Kheren Amenca?! Für immer Urlaub« mit dem Thema Abschiebung. Niemand muss eine Abschiebung unterstützen

von Janina Bähre

Eine junge Tanzgruppe bereitet sich auf ihren Auftritt vor. Sie rechnen mit allem – aber damit nicht: Zwei der Crew-Mitglieder sollen abgeschoben werden. Zwischen Angst vor dem, was kommt, und dem Drang weiterzumachen, muss sich die Tanzcrew mit den Folgen abstrakter Gesetze beschäftigen, die zur persönlichen Bedrohung werden.

In Zusammenarbeit mit »Dikhen amen! Seht uns!«, Amaro Drom e.V. und Romano Svato entstand das Stück »So Kheren Amenca?! Für immer Urlaub«, dass am 5. Dezember im Studio Я Premiere feierte. Die jungen Schauspieler*innen boten eine grandiose Darstellung und überzeugten mit Tanzeinlagen, die im bitteren Kontrast zu den Szenen der Abschiebung und deren Folgen standen.

Die Thematik ist brandaktuell, denn die deutsche Regierung schiebt Kinder ab. Fälle von Abschiebungen, in denen die Polizei in Schulen erscheint, um betroffene Schüler*innen aus dem Unterricht zu holen, häufen sich. Vor den Augen ihrer Mitschüler*innen wurde die in Deutschland geborene 14-jährige Bivsi R. in Duisburg aus ihrer Klasse geholt und nach Nepal abgeschoben. In mindesten zwei Fällen haben uniformierte Polizist*innen in Mecklenburg-Vorpommern Kinder aus dem Unterricht geholt und mindestens ein weiterer Fall ist aus Bayern bekannt. Es gibt viele geflüchtete Kinder und so ein Erlebnis kann uns alle treffen.

Deutschland ist ihr Zuhause

Abschiebungen von Kindern sind ein Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention und den UN-Sozialpakt, nach denen jedes Kind das Recht auf Bildung hat. Die GEW fordert ein Verbot der Abschiebung von Kindern und Jugendlichen, sowie die Aufhebung des neuen Asylpakets II.

Für Pädagog*innen sollte es unerheblich sein, welche Herkunft ein Kind hat. Kinder sollten unter besonderem Schutz stehen. Sie haben sich nicht ausgesucht, in welches Land oder in welche Familie sie hineingeboren wurden. Sie haben nicht entschieden, illegal einzureisen und dennoch haften Kinder in diesem Fall für ihre Eltern. Sie bekommen die ganze Härte des deutschen Asylgesetzes zu spüren. Nicht viele kennen ihre Herkunftsländer überhaupt, sie sind hier sozialisiert und aufgewachsen. Wie Deutschland unser Zuhause ist, ist es ihres. Das Ganze ist unsagbar traurig und erzeugt Scham. Einem Staat, der sich Kinder- und Menschenrechte auf die Fahnen schreibt, sollten diese auch etwas wert sein.

Also verweigern wir uns. Wir müssen Abschiebungen nicht unterstützen und wir können betroffenen Schüler*innen helfen. Wenn Recht als Unrecht empfunden wird, kann Protest die Antwort sein. Im Falle von Abschiebungen tritt die Polizei auch an Schulleitungen heran, um zu erfahren, wo und wann Schüler*innen in der Schule anzutreffen sind – diese Fragen braucht niemand zu beantworten. Die Unsicherheit von Lehrkräften in solchen Situationen ist groß. Deshalb hat die GEW BERLIN einen rechtlichen Leitfaden erstellt.

In Nürnberg haben 300 Jugendliche an einer Nürnberger Berufsschule spontan versucht, Polizist*innen daran zu hindern, ihren afghanischen Mitschüler mitzunehmen. In Hamburg haben Schüler*innen gegen eine Abschiebung demonstriert und eine Petition eingereicht. Für Bivsi haben Lehrkräfte und Mitschüler*innen gekämpft – sie und ihre Familie durften zurückkehren. Derzeitig ist es der 17-jährige Dzemail aus Essen, der akut von Abschiebung bedroht ist. Seine Duldung endet am 20. Januar. Für Dzemail gibt es unter anderem eine Online-Petition. Jedes von Abschiebung bedrohte Kind hat Unterstützung verdient.

Was tun bei Abschiebungen von Schüler*innen? Informationen und Hinweise der GEW BERLIN unter www.gew-berlin.de/bbz

Den Leitfaden der GEW Bayern zum Thema Abschiebung findet ihr unter www.gew-berlin.de/bbz