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Gerhard Weil: Ethik richtig unterrichten

bbz 03 / 2018

Die Einführung in die Fachdidaktik des Ethikunterrichtes von Rolf Roew und Peter Kriesel bietet eine gute Grundlage für das Selbststudium fachfremd unterrichtender Ethiklehrkräfte

von Gerhard Weil

Zwei Wochenstunden verpflichtenden Ethikunterricht für die Sekundarstufe I gibt es in Berlin nun seit knapp zwölf Jahren. Trotzdem besitzt jede zweite Lehrkraft, die Ethik unterrichtet, keine fachliche Ausbildung. Das dürftige Weiterbildungsangebot der Senatsschulverwaltung reicht nicht aus, um alle zu kompetenten Ethik-Lehrkräften auszubilden. Da ist Selbsthilfe gefragt und es müsste eigentlich ein großer Bedarf an Fachliteratur bei Kolleg*innen bestehen, die plötzlich Ethik ohne grundlegende Voraussetzung unterrichten müssen und sich sachgerecht vorbereiten möchten.

Dafür bildet die »Einführung in die Fachdidaktik des Ethikunterrichtes« von Rolf Roew und Peter Kriesel eine gute Grundlage. Während der Kollege Roew, Lehrkraft für Ethik und Philosophie, seit dem Jahr 2006 als Fachberater für Ethik an Gymnasien in Bayern tätig ist, war Peter Kriesel Dozent für Fachdidaktik für Lebensgestaltung, Ethik und Religionskunde (LER) in Potsdam und ist heute freier Autor und der Koordinator des Bündnisses Pro Ethik in Berlin.

Sachlich erläutern die Autoren im Eingangskapitel detailliert die Ziele des Faches in Schulgesetzen und Landesverfassungen mit der Einbeziehung des Grundgesetzes, der Menschenrechte und der Verpflichtung zu religiöser und weltanschaulicher Neutralität. Danach werden die Rahmenlehrpläne und Inhalte für die Sekundarstufe I der zwölf Bundesländer vorgestellt, in denen Unterricht im Fach Ethik erteilt wird. Im folgenden Kapitel werden Diskussionsanlässe im Ethikunterricht zwischen Indoktrination und Werterelativismus erörtert und die Zielvorgabe der Entwicklung eines kritischen Geistes propagiert.

Bedürfnisse von Schüler*innen werden ausführlich analysiert

Nach einem Kapitel über die psychologischen Grundlagen von Urteilen und Handeln folgen Ausführungen über die Kompetenz zum sittlichen Handeln sowie einige lesenswerte Aspekte zu Wissen, Motivation, Einstellungen und Fertigkeiten.

Sehr ausführlich analysieren dann die Autoren die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in ihrer sozio-moralischen Entwicklung bis hin zu ihren weltanschaulich und religiösen Orientierungen, ihrer Mediennutzung, Einstellung zu Sexualität und Partnerschaft und dem gesellschaftlichen oder politischen Engagement. Im folgenden Kapitel werden für die Heranwachsenden als ethische Aufgabenfelder der Umgang mit sich selbst, das Zusammenleben im gesellschaftlichen Umfeld und epochaltypische Schlüsselprobleme wie zum Beispiel ökologische Gefahren, Krieg oder ökonomische Ungleichheit besprochen.

Nach einer Abhandlung über die möglichen Inhalte des Ethikunterrichts, wie sie letztlich auch den Rahmenlehrplänen der jeweiligen Bundesländer zu entnehmen sind, geht es um die didaktischen Prinzipien wie zum Beispiel Schüler*innen- und Problemorientierung, Förderung der gesamten Persönlichkeit und des kritischen Geistes und eine Outcome-Orientierung des Ethikunterrichts. Letzteres bedeutet die Übertragbarkeit des Gelernten auf das Schulleben und den weiteren Alltag. Im Abschlusskapitel wird sehr ausführlich auf die Methoden des Ethikunterrichts eingegangen. Neben vielen bekannten Methoden seien hier vor allem das Rollenspiel, Kommunikations- und Achtsamkeitsübungen sowie das Erschließen von philosophischen Texten und das ethisch-philosophische Unterrichtsgespräch als besondere pädagogische Herausforderungen genannt. 
Eine Fülle von Literaturhinweisen im Anschluss an jedes Kapitel rundet diese empfehlenswerte Fachdidaktik ab.

Somit stellt die Einführung in die Fachdidaktik eine gute Grundlage dar, um die eigenen Unterrichtsfähigkeiten im Fach Ethik weiter auszubilden und sich dem eigenen Anspruch »Ethik richtig unterrichten!« zu nähern.