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Presseerklärungen der GEW BERLIN 2018

Dürreschäden auch in Berliner Schulen

Nur 37 Prozent der zum neuen Schuljahr eingestellten Lehrkräfte können ein abgeschlossenes Lehramtsstudium vorweisen. Das geht aus Zahlen der bezirklichen Schulpersonalräte hervor, die der GEW BERLIN vorliegen. Demnach sind zum neuen Schuljahr etwa 2.700 Lehrkräfte für die Berliner Schulen eingestellt worden. Darunter sind nur gut 1.000 Laufbahnbewerber*innen, etwa 750 Quereinsteiger*innen (28 Prozent) und über 900 Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung (34 Prozent). Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung (LovL) haben kein Fach der Berliner Schule studiert und kommen auch nicht für den Quereinstieg infrage. 800 LovL unterzeichneten einen befristeten Arbeitsvertrag.

Nach Einschätzung der GEW BERLIN hat sich die Personalsituation an Berliner Schulen im neuen Schuljahr noch einmal deutlich verschlechtert. „Wir erkennen an, dass Senatorin Sandra Scheeres es trotz des gravierenden Fachkräftemangels geschafft hat, alle offenen Stellen zu besetzen“, betonte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann. „Allerdings musste sich die Senatorin dafür einiger Tricks bedienen. So rechnet sie erstmals auch Willkommenslehrkräfte, Pensionär*innen und Masterstudierende in das Einstellungskontingent mit ein, um die Statistik aufzubessern“.

Bei der massenhaften Einstellung von Lehrkräften ohne volle Lehrbefähigung stellen sich der GEW viele Fragen. „Welchen Ausbildungsgrad haben die LovL und auf welcher rechtlichen Grundlage erfolgt ihre Einstellung?“, fragte Erdmann. „Angesichts der vielen befristeten Einstellungen drohen Berlin hunderte Kettenverträge, denn auch in den nächsten Jahren wird sich die Bewerbungslage nicht wesentlich verbessern. Oder ist eine zeitnahe Entfristung der neu eingestellten Kolleg*innen geplant?

Die GEW BERLIN erwartet eine umfangreiche Weiterqualifizierung der Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung. „Die neuen Kolleg*innen brauchen umgehend Vorbereitungskurse wie sie die Quereinsteiger*innen erhalten und langfristig weitere Perspektiven. Eine dauerhafte Schlechterstellung der neuen Kolleg*innen muss unbedingt verhindert werden“, unterstrich Erdmann.

Der GEW-Vorsitzende wies darauf hin, dass es sich bei den vorliegenden Zahlen um Durchschnittswerte handelt und sich der Fachkräftemangel an manchen Schulen noch weit drastischer darstellt. „Einige Bezirke und die meisten Gymnasien haben keine LovL eingestellt. An Schulen in schwierigen sozialen Lagen dürfte die Lage daher noch weit dramatischer sein als es die Zahlen zeigen.“ Erdmann forderte erneut eine aktive Personalpolitik: „Die Senatsverwaltung muss die Verantwortung für Quereinsteiger*innen und LovL auf alle Schulen gerecht verteilen“.

Wichtig ist außerdem, welche Personalressourcen für Inklusion und Teilungsunterricht noch zur Verfügung stehen und wie viele sozialpädagogische Fachkräfte die Schulen einstellen konnten.

Genaueres wird eine GEW-Abfrage unter den Berliner Schulleiter*innen zeigen, die in dieser Woche läuft.