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Bücher

bbz 01-02 / 2019


Hab ihn!

David Wiesners Bilderbücher zeichnen sich besonders dadurch aus, die Sehgewohnheiten der Leser-*innen herauszufordern. Die legendäre Adaption des Märchens Die drei Schweine, Herr Schnuffels und nicht zu vergessen die großartige App Spot sind nur einige Beispiele, in denen Wiesner diese Lust am visuellen Spiel beweist. Mit »Hab ihn!« ist eine neue textlose Narration von ihm erschienen. In dieser nutzt Wiesner die visuelle Möglichkeit, Frust und Erfolg bei einem Baseballspiel zu veranschaulichen. In Einzelsequenzen, doppelseitigen Illustrationen, beim Heraus- oder Hereinzoomen oder auch mit verschiedenen Perspektiven arbeitet Wiesner die emotionale Beteiligung des Baseballspielers heraus. Es ist das Hochgefühl, das entsteht, wenn DER Ball gefangen wurde. Welcher Prozess, welche Achterbahnfahrt der Gefühle damit verbunden sein kann, zeigt dieses Bilderbuch. Das Gefühl zu langsam, zu klein oder auch zu tollpatschig zu sein, dreht sich in Wendigkeit bis hin zur Leichtigkeit, die im letzten Absprung dazu verhilft, den Ball zu catchen. Die verschiedenen Einzelversuche verketten sich beim Umblättern allerdings als ein einziger großer Sprung nach dem Ball. Damit präsentiert sich DER Ballfang denn auch als Addition unendlich vieler Versuche und Anstrengungen. In diesem Bilderbuch mündet die Vorstellung und der Wunsch, den Ball fangen zu wollen, eingerahmt von der Ansage »Hab ihn!«, über viele Misserfolge, letztendlich im Erfolg. Wiesner zeigt erneut, was im Format Bilderbuch auf der visuellen, verbalen, aber auch der paratextuellen Ebene möglich ist.

Farriba Schulz, AG Jugendliteratur und Medien

 

LesePeter im Januar
Im Januar 2019 erhält den LesePeter das Kinderbuch »Rübezahl, neu erzählt« von Thomas Bachmann (Autor) & Hetty Krist (Illustratorin). Rübezahl ist eine Sagengestalt aus dem Riesengebirge, die immer mehr in Vergessenheit gerät, sofern es nicht Kinderbücher wie dieses gibt. Als Grundlage dienten die Rübezahl-Sagen von Johannes Praetorius, publiziert im Jahr 1920, von denen etwa ein Drittel ausgewählt und mit großer Sorgfalt in eine modernere Sprache übertragen wurde (ab 5 Jahren).
Lychatz Verlag, Leipzig 2018, ISBN 978-3-942929-67-7, 110 Seiten – gebundene Ausgabe,12,95 Euro

 

LesePeter im Februar
Im Februar 2019 erhält den LesePeter das Jugendbuch »Das Lied vom Ende« von Christoph Jehlicka. Aus wechselnder Perspektive einzelner Familienmitglieder werden die Grenzerfahrungen der Familie Schult erzählt, die Folge des erweiterten Suizids durch den Vater in der Nachbarsfamilie sind. In einer Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Familiendrama gibt der Roman Einblick in eine komplexe Figurenpsychologie im Moment existenzieller Krisen (ab 15 Jahren).
Open House Verlag, Leipzig 2018, ISBN 978-3-944122-36-6, 256 Seiten, 22 Euro